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Am 24. und 25. Februar 2026 fanden in Erfurt die Erfurter Gespräche zur Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der DWA statt. Ausgangspunkt der Tagung war die ernüchternde Bilanz, dass nach wie vor nur ein geringer Teil der Fließgewässer in Deutschland den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial erreicht und klassische Instrumente dieses Umsetzungsdefizit nicht beheben können. Der hohe Handlungsdruck fordert neue tragfähige und vor allem praxistaugliche Lösungen.

Die Beiträge konzentrierten sich deshalb vor allem auf die Flächenbereitstellung als Schlüssel für lebendige Bäche und Flüsse. Als zukunftsweisender Ansatz wurde die konsequente Verknüpfung von Gewässerrenaturierung und Agroforstsystemen durch Dr. Andreas Stowasser und Katrin Dachsel von der Stowasserplan GmbH & Co. KG herausgestellt. Kooperation statt Flächenkonkurrenz sowie regionale Wertschöpfungsketten mit wirtschaftlichen Anreizen für Landwirte und Kommunen dürften langfristig tragfähiger sein als rein wasserrechtliche Vorgaben. Gefordert wurde daher ein Perspektivwechsel: Die WRRL kann nur erfolgreich vorangebracht werden, wenn sie mit ländlicher Entwicklung, kommunaler Energieversorgung und wirtschaftlichen Interessen zusammen gedacht wird. So können neue Handlungsspielräume entstehen, um Gewässer-, Naturschutz- und Landwirtschaftsziele gemeinsam umzusetzen.

Am Beispiel des Pilotprojekts Tauchnitzgrabens in Sachsen wurde gezeigt, dass Agrarholzsysteme als Gewässerschutz- und Bewirtschaftungsoption bereits praktikabel sind und alle genannten Vorteile verbinden. Der geplante Feldtag am 3. Juni 2026 soll diesen Ansatz im Wurzener Land nordöstlich von Leipzig vor Ort anschaubar vermitteln sowie anhand von Workshops und Vorträgen das Potenzial für die Umsetzung der WRRL und die Weiterentwicklung der Kulturlandschaft greifbar machen. Der Vortrag von Stowasserplan zur Verknüpfung von Gewässerrenaturierung mit dem Anbau von Agrarholz kann hier eingesehen werden.

Ergänzend wurden noch weitere tagesaktuelle Themen diskutiert: so zum Beispiel Rechtsfragen und Rechtssprechung rund um die WRRL, die Rolle des Bibers in der Gewässerentwicklung und Flächeninanspruchnahme, die Möglichkeiten der Moorrenaturierung zur Unterstützung der WRRL sowie der Stand der Wiederherstellungsverordnung. Zudem wurde betrachtet, wie über einen digitalen Zwilling der realen Landschaft zukünftig die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge unterstützt werden kann.

Link zum Vortrag von Stowasserplan „Gewässerrenaturierung und Agroforst – die Lösung des Flächenproblems?“
Dr.-Ing. Andreas Stowasser