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Ein Jahr nach der Umsetzung zeigt sich die Maßnahme an einem innerörtlichen Gewässerabschnitt in Lugau als voller Erfolg: Die ingenieurbiologischen Bauweisen sind hervorragend angewachsen, die eingebrachten Weiden treiben kräftig aus und die gesamte Uferstruktur hat sich bereits sichtbar stabilisiert und naturnah entwickelt.

Im Rahmen eines zweitägigen Bauseminars wurde die Maßnahme Ende April 2025 gemeinsam mit dem Bauhof der Stadt Lugau, engagierten Helfern der Gewässernachbarschaften sowie weiteren Beteiligten praktisch umgesetzt. Die Finanzierung erfolgte über die Förderrichtlinie FRL GH 2024. Die Maßnahme wurde durch Stowasserplan geplant und fachlich begleitet.

Ausgangssituation am Gewässer

Der betroffene Gewässerabschnitt war durch einen stark begradigten Verlauf geprägt. Hohe hydraulische Belastungen führten zu einer fortschreitenden Sohleneintiefung und instabilen Böschungen. Besonders problematisch waren bis zu 1,5 Meter hohe Uferabbrüche sowie steile Böschungen, die zunehmend Flächenverluste für angrenzende Grundstückseigentümer verursachten und gleichzeitig die Unterhaltung des Gewässers erschwerten. Zudem fehlten standortgerechte Gehölze, wodurch sich krautige Arten stark ausbreiteten.

Ziel der Maßnahme

Ziel des Bauseminars und der anschließenden Umsetzung war die nachhaltige Sicherung der Uferbereiche durch ingenieurbiologische Bauweisen. Neben der Vermeidung weiterer Uferabbrüche und der Stabilisierung der Gewässersohle standen insbesondere die ökologische Aufwertung des Gewässers, die Strukturverbesserung sowie die langfristige Reduzierung des Unterhaltungsaufwandes im Fokus.

Praxisnahe Umsetzung vor Ort

Im Zuge der Maßnahme wurden zunächst Erdarbeiten zur Abflachung der linksufrigen Abbruchböschung durchgeführt und das anfallende Bodenmaterial im Randbereich wieder eingebaut. Anschließend erfolgte die Sicherung der Böschungen mit verschiedenen ingenieurbiologischen Bauweisen wie Spreitlagen, Lebendfaschinen mit Hinterpflanzung, Bündelpflanzungen und Steckhölzern. Ergänzend wurde aufgrund der hohen Schubspannungen im Gewässerbereich eine Sohlrollierung aus Wasserbausteinen mit Niedrigwasserrinne eingebaut. Auch die rechte Uferseite wurde punktuell bepflanzt.

Das benötigte Weidenmaterial wurde direkt an einem nahegelegenen Bach gewonnen und unmittelbar für den Einbau verwendet. Unterstützt wurde die Umsetzung durch zahlreiche freiwillige Helfer aus den Gewässernachbarschaften, die tatkräftig bei den Arbeiten mitwirkten.

Gelungene Entwicklung und hoher Anwuchserfolg

Bereits kurze Zeit nach der Umsetzung zeigte sich eine sehr positive Entwicklung der Maßnahme. Die eingebauten ingenieurbiologischen Sicherungen weisen einen hohen Anwuchserfolg auf, die Weidensteckhölzer und Pflanzungen treiben kräftig aus und tragen bereits heute zur Stabilisierung der Böschungen sowie zur ökologischen Aufwertung des Gewässers bei.

Das Bauseminar in Lugau verdeutlicht eindrucksvoll, wie durch praxisnahe Wissensvermittlung, regionale Zusammenarbeit und den Einsatz naturnaher Bauweisen nachhaltige Lösungen für die Gewässerentwicklung und Gewässerunterhaltung geschaffen werden können.

Ausgangssituation: fortschreitende Sohleintiefung mit 1,5 Meter hohen Uferabbrüchen sowie steilen Böschungen mit zunehmendem Flächenverlust für angrenzende Grundstückseigentümer
Bauseminar Ende April 2025 – Einbau der ingenieurbiologischen Bauweisen mit Freiwilligen der Gewässernachbarschaften
Situation nach Ende des Bauseminar Ende April 2025
Entwicklung nach einer Vegetationsperiode Anfang Mai 2026
Austrieb der Spreitlage mit Steinschüttung als Fußsicherung (links) und Steckhölzer (rechts)
Detail: Austrieb der Steckhölzer und geneigten Lebendfaschinen
Dr.-Ing. Andreas Stowasser