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GEWÄSSERBLOG

von Dr.-Ing. Andreas Stowasser

Wenn Bäche verstummen – Was die Dürre 2026 mit unseren Gewässern gemacht hat

Wenn Bäche verstummen – Was die Dürre 2026 mit unseren Gewässern gemacht hat

Dies ist der vierte Beitrag unserer Sommer-Serie „Dürre 2026 – Was wir tun können“. Im ersten Beitrag haben wir gezeigt, was an einem einzigen Tag gemeinsam mit 21 Menschen an einem Bach entstehen kann. Heute schauen wir zurück: Was hat der Sommer 2026 mit unseren Gewässern gemacht?

Stille, wo Wasser fließen sollte

Es gibt ein Geräusch, das die meisten von uns nie bewusst wahrgenommen haben – bis es fehlte: das Plätschern eines Baches. Wer in diesem Sommer an einem der kleinen Gewässer in Deutschland entlangging, erlebte etwas Verstörendes. Kein Glucksen, kein Rauschen über Steine. Nur Stille. Rissiger Schlamm, wo Tage zuvor noch Wasser stand. Vielleicht ein paar Pfützen, in denen Fische um ihr Leben kämpften.

Deutschland hat im Sommer 2026 eine historische Dürre erlebt. Laut Copernicus waren Juni und Juli die heißesten Monate, die Westeuropa je verzeichnet hat – mit einer Durchschnittstemperatur von 21,6?°C. Die Folgen waren in der Landschaft unübersehbar.

Die Zahlen hinter dem Schweigen

Wer die Lage verstehen will, muss auf die Messdaten schauen – und die waren alarmierend.

Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zeigte: In nahezu allen Teilen Deutschlands herrschte im Gesamtboden bis 1,8 Meter Tiefe eine Dürre, wie sie statistisch nur alle 50 Jahre auftritt. Das Frühjahr 2026 brachte deutschlandweit nur 126 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – viel zu wenig, um die Defizite der Vormonate auszugleichen.

Laut NIZ-Lagebericht vom 18. August meldeten in Baden-Württemberg 86% der Pegel Niedrigwasser – 53% davon auf extrem niedrigem Niveau. Der Bodensee fiel laut LUBW auf 114 cm unter den langjährigen Mittelwert – niedriger als jemals seit 1850 zu dieser Jahreszeit gemessen. Der Deutsche Wetterdienst verglich die Situation bereits mit den Dürrejahren 2018 und 2022 – nur dass es diesmal noch trockener war.

Auf den großen Flüssen war die Krise sichtbar – aber die eigentliche Katastrophe geschah an den kleinen Bächen, leise und unbemerkt.

Was in trockenfallenden Bächen passiert

Wenn ein Bach trockenfällt, geschieht mehr als der Verlust von Wasser. Es kollabiert ein ganzes Ökosystem.

Zunächst sinkt der Wasserstand, die Fließgeschwindigkeit nimmt ab. Das Wasser erwärmt sich, der Sauerstoffgehalt fällt. In Rheinland-Pfalz zerfielen in diesem Sommer zahlreiche Bäche in voneinander isolierte Tümpel – sauerstoffarme Hitzefallen, in denen Fische keine Überlebenschance hatten, berichtete der Landesfischereiverband. In Freiburg retteten Angler Fische aus einem Kanal mit 5 cm Restwasser – Tausende Tiere waren bereits verendet (Euronews, 15. August). In Sachsen verendeten laut Landesverband Sächsischer Angler Bachforellen in der Chemnitz.

Es waren nicht nur die Fische – mit dem Wasser verschwand das gesamte aquatische Nahrungsnetz. Und anders als nach einem Hochwasser dauert die Erholung nach einer Dürre Jahre.

Kein Zufall: Warum die Dürre so hart zugeschlagen hat

Man könnte meinen, Dürre sei einfach Wetterpech. Aber das greift zu kurz. Die Verwundbarkeit unserer Gewässer ist menschengemacht – durch Jahrzehnte der Begradigung, Verrohrung und Entwässerung.

Ein begradigter Bach leitet Wasser schnell ab. In Trockenzeiten bedeutet das: Das wenige verfügbare Wasser rauscht durch, statt in der Fläche zu verweilen. Es fehlen Mäander, die den Abfluss verlangsamen. Es fehlen Auen, die als natürliche Schwämme wirken. Es fehlen Ufergehölze, die den Bach beschatten und die Verdunstung reduzieren.

Messungen des Anglerverbands Niedersachsen belegen den Unterschied eindrucksvoll: An einem offenen, gehölzfreien Bachabschnitt wurde eine Wassertemperatur von 25 °C gemessen. Ein beschatteter Abschnitt am selben Gewässer: 15,9 °C. Fast zehn Grad Unterschied – am selben Tag, im selben Bach. Im einen starben die Forellen. Im anderen überlebten sie.

Die Kombination aus Klimawandel und degradierter Gewässerstruktur ist toxisch. Aber wie hart die Dürre die einzelnen Gewässer traf, hing entscheidend davon ab, in welchem Zustand sie sich befanden.

Wissenschaftliche Studien belegen, was wir in der Praxis täglich sehen: Je naturnäher ein Gewässer ist, desto widerstandsfähiger reagiert es auf Klimastress. Gehölzsäume beschatten das Wasser und senken die Temperatur. Strukturreiche Gewässer bieten Rückzugsräume. Vernetzte Auen stabilisieren den Wasserhaushalt auch in Trockenzeiten.

Was jetzt getan werden muss

Die Bilanz des Sommers 2026 ist erschreckend. Aber sie zeigt auch: Die Schäden waren nicht überall gleich. Gewässer, an denen vorher gehandelt wurde, haben den Sommer besser überstanden. Das macht Mut – und gibt die Richtung vor.

Naturnahe Gewässerentwicklung – Bäche und Flüsse brauchen Raum, um sich eigendynamisch zu entwickeln. Ufergehölze, Totholzstrukturen und die Wiederanbindung von Auen schaffen Lebensräume und stabilisieren den Wasserhaushalt. Genau das haben wir am Haselbach gezeigt – und an vielen weiteren Gewässern in unserer täglichen Arbeit.

Klimaangepasste Gewässerunterhaltung – Das Ziel darf nicht mehr die schnelle Wasserableitung sein. Beschattung fördern, eigendynamische Strukturen zulassen, Wasserrückhalt stärken. Wer Dürrevorsorge betreibt, betreibt gleichzeitig Hochwasserschutz.

Integrierte Konzepte auf Einzugsgebietsebene – Einzelmaßnahmen helfen, aber nachhaltige Erfolge brauchen den Blick aufs Ganze. Gewässerentwicklungskonzepte, die Ökologie, Hochwasserschutz und Nutzungsansprüche zusammendenken, sind der Schlüssel.

In den kommenden Wochen zeigen wir in dieser Serie, wie solche Maßnahmen in der Praxis aussehen – von der Schwammlandschaft bis zum Agroforstsystem, von der Ingenieurbiologie bis zur kooperativen Gewässerunterhaltung.

Der nächste Sommer kommt. Die Frage ist, was wir bis dahin ändern.

Die Dürre 2026 hat offengelegt, was in den vergangenen Jahren versäumt wurde. Aber sie hat auch gezeigt, wo Chancen liegen. Der erste Schritt ist immer derselbe: Hinschauen. Den Zustand der eigenen Gewässer kennen. Wissen, wo die Schwachstellen liegen und wo die Hebel sind.

Wir unterstützen Kommunen, Unterhaltungsverbände und Flächeneigentümer dabei – von der Gewässerbegehung über das Entwicklungskonzept bis zur Umsetzung.

Sprechen Sie uns an. Oder melden Sie sich zu unserem nächsten Webinar an, in dem wir zeigen, wie klimaangepasste Gewässerentwicklung konkret aussieht.

Weiterführende Informationen auf dem Gewässerblog

Verdorrte Wiesen, leere Tröge – Warum die Dürre Landwirte doppelt trifft

Verdorrte Wiesen, leere Tröge – Warum die Dürre Landwirte doppelt trifft

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Dürre 2026 – Was wir tun können” auf dem Gewässerblog. Den Auftakt bildete unser Erfahrungsbericht vom Bauseminar am Haselbach. Den ersten Awareness-Beitrag finden Sie hier: Schifffahrt am Limit, Waldbrände im Hohen Venn – Dürre als Systemkrise.

Es ist August, und die Wiesen sind braun

Wer in diesen Wochen durch Deutschland fährt, sieht es mit bloßem Auge: Die Grünlandflächen sind verbrannt. Was normalerweise um diese Jahreszeit saftiges Futter liefert, ist strohig, trocken, tot. Der dritte Grasschnitt? Komplett ausgefallen. Die Futtersilos? Nicht annähernd voll genug für den Winter.

600 Millionen Euro – und es wird schlimmer

Der Deutsche Raiffeisenverband beziffert die Verluste bei Getreide und Raps seit Mitte Juni auf rund drei Millionen Tonnen – Einnahmeausfälle von etwa 600 Millionen Euro. Die deutsche Getreideernte 2026 wird voraussichtlich auf 40 bis 42 Millionen Tonnen sinken, sieben bis zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Bauernpräsident Rukwied spricht von einer „enttäuschenden Ernte”, regional drohen Totalausfälle.

Doch die Getreideernte ist nur die eine Seite. Für Tierhalter sieht es noch dramatischer aus.

Warum die Dürre Landwirte doppelt trifft

Erstens fehlt das Futter. Der Bayerische Bauernverband meldet: Knapp 80 Prozent der Betriebe bewerten ihr Grünland als mangelhaft bis ungenügend. In Baden-Württemberg stehen 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als üblich. Beim Silomais liegen die Ertragseinbußen im Raum Schwäbisch Hall und Hohenlohe bei 30 bis 50 Prozent.

Zweitens wird der Futterzukauf zur Kostenfalle. Weil die großen Flüsse Niedrigwasser führen, verteuern sich die Transportwege massiv. Die Dürre trifft die Landwirtschaft also doppelt: weniger eigenes Futter und höhere Kosten für zugekauftes.

Die Folgen zeichnen sich ab. In Schwäbisch Hall gibt es Wartelisten bei Schlachthöfen. Ein Mutterkuhhalter berichtet, dass sein Betrieb nur noch 100 Tiere halten kann – zuvor waren es 200. Bio-Betriebe stehen vor einem besonderen Dilemma: Auf den Weiden wächst nichts mehr, aber die Tiere müssen trotzdem hinaus. Öko-Verbände haben eine „Taskforce Dürre” gegründet, die Forderungen nach Soforthilfen und Freigabe von Brachflächen werden lauter.

Wo die Aue intakt ist, bleibt die Wiese grün

Doch inmitten der braunen Landschaft gibt es Flächen, die auffallen. Nicht weil sie bewässert werden, sondern weil sie an naturnahen Gewässern liegen. Dort, wo Bäche nicht begradigt und Auen nicht drainiert wurden, hält sich das Grün deutlich länger. Der Grundwasserspiegel ist höher, die Verdunstung geringer, die Wiesen bleiben produktiv. Unser Beispiel am Hoyerswerdaer Schwarzwasser bei Bautzen zeigt das eindrucksvoll: Am Schwarzwasser sind die Wiesen noch grün – dort, wo wir die Aue zwischen Prischwitz und Dreikretscham renaturiert haben, hält die wiederhergestellte Auenlandschaft das Wasser in der Fläche.

Der Unterschied ist kein Zufall. Naturnahe Gewässer halten Wasser in der Landschaft. Ihre Auen funktionieren wie Schwämme: Bei Regen nehmen sie Wasser auf, bei Trockenheit geben sie es langsam wieder ab. Begradigte und eingetiefte Gräben hingegen leiten das Wasser so schnell wie möglich ab. In Dürrephasen rächt sich das: Der Grundwasserspiegel sinkt, das Grünland trocknet aus, die Futtergrundlage bricht weg.

Diese Zusammenhänge lassen sich gezielt nutzen. Sohlaufhöhungen im Graben, Gewässerrandstreifen, steuerbare Drainagen oder Agroforststreifen entlang von Fließgewässern sind Maßnahmen, die direkt auf dem eigenen Betrieb wirken. Sie kosten verhältnismäßig wenig, brauchen keine großen Genehmigungsverfahren – und ihre Wirkung wird in jeder Dürre sichtbar.

Am Tauchnitzgraben in Sachsen haben wir 2026 ein Pilotprojekt umgesetzt, das zeigt, wie Gewässerrenaturierung und Agroforstsysteme zusammenwirken können. Gehölzstreifen brechen den Wind, reduzieren die Verdunstung und stabilisieren den Wasserhaushalt – während sie gleichzeitig Holzertrag liefern.

Nicht machtlos, sondern handlungsfähig

Die aktuelle Dürre zeigt, wie verwundbar eine Landwirtschaft ist, die auf entwässerten Flächen wirtschaftet. Gleichzeitig zeigt sie, dass es Alternativen gibt – und dass diese dort, wo sie umgesetzt sind, nachweislich funktionieren.

In den kommenden Wochen beschreiben wir auf dem Gewässerblog konkret, was Landwirte, Kommunen und Unterhaltungsverbände jetzt tun können. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht als Großprojekt, sondern als lokale Maßnahme, die auf dem eigenen Betrieb oder im eigenen Einzugsgebiet wirkt.

Denn eines wird immer deutlicher: Die nächste Dürre kommt bestimmt. Die Frage ist nur, ob wir dann besser vorbereitet sind.

Weiterführende Beiträge auf dem Gewässerblog:

Rechts und links des 2023 renaturierten Hoyerswerdaer Schwarzwassers sind die Wiesen auch im August 2026 noch grün.

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Die 2023 renaturierten Abschnitte des Hoyerswerdaer Schwarzwassers halten das Wasser in der Landschaft – davon profitieren auch die Wiesen rechts und links.
Schifffahrt am Limit, Waldbrände im Hohen Venn – Dürre als Systemkrise

Schifffahrt am Limit, Waldbrände im Hohen Venn – Dürre als Systemkrise

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Dürre 2026 – Was wir tun können“ auf dem Gewässerblog. Den Auftakt bildete unser Erfahrungsbericht vom Bauseminar am Haselbach.

5 Zentimeter Pegel – und ein Fluss, der Deutschland teilt

Am 14. August 2026 fiel der Pegelstand am Rhein bei Kaub auf sechs Zentimeter. Wenige Tage später waren es nur noch fünf. Zum Vergleich: Der bisherige Rekordtiefstand lag bei 25 Zentimetern – gemessen im Oktober 2018. Der aktuelle Wert unterschreitet diesen Rekord um 20 Zentimeter.

Was das bedeutet, lässt sich an einer einzigen Zahl ablesen: An acht Messstellen entlang des Rheins lagen die Pegelstände unter zehn Zentimetern. In Düsseldorf rutschte der Pegel in den Negativbereich. Der Binnenschifffahrtsverband BDB erklärte die Zweiteilung des Rheins für vollzogen – zwischen Koblenz und Mainz war gewerbliche Schifffahrt zeitweise nicht mehr möglich. Kein Gütertransport, keine Ausflugsschiffe, keine Kreuzfahrten.

Ein Wirtschaftsproblem ersten Ranges

Der Rhein ist die wichtigste Wasserstraße Deutschlands. Rund 80 Prozent des Containerumschlags in der Binnenschifffahrt laufen über den Rhein oder seine Nebenflüsse. Wenn der Fluss ausfällt, trifft das nicht ein Unternehmen – es trifft Lieferketten, Industriestandorte und Verbraucher gleichermaßen.

Frachtschiffe konnten den Mittelrhein nur noch mit drastisch reduzierter Ladung befahren, was die Transportkosten massiv in die Höhe trieb. Mehrere Bundesländer setzten das LKW-Sonntagsfahrverbot aus, um den Güterverkehr über die Straße zu ermöglichen. Volkswirte schätzen, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2026 um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte gedämpft wird. Bei der vergleichbaren Niedrigwasserlage 2018 lag der volkswirtschaftliche Gesamtschaden bei 2,4 Milliarden Euro – für 2026 rechnet die Branche mit einer höheren Summe.

Und dann brannte das Hohe Venn

Während der Rhein austrocknete, brach am 14. August im belgischen Hohen Venn der größte Flächenbrand in der modernen Geschichte Belgiens aus. Innerhalb von zwei Tagen breitete sich das Feuer auf rund 3.000 Hektar aus – eine Hochmoor- und Heidelandschaft, die metertief unter der Erdoberfläche brannte und deshalb kaum zu löschen war.

Das Feuer bewegte sich in Richtung der deutschen Grenze. In Kalterherberg wurden Bewohner evakuiert, in Monschau liefen Vorbereitungen. Die Bundeswehr unterstützte mit NH-90-Transporthubschraubern über den EU-Katastrophenschutzmechanismus. Die Rauchschwaden waren bis ins Saarland und nach Baden wahrnehmbar – hunderte Kilometer entfernt.

Gleichzeitig brannte es im Hürtgenwald in der Eifel, in Schramberg in Baden-Württemberg und an weiteren Standorten. Die Waldbrände sind kein isoliertes Wetterereignis. Sie sind eine direkte Folge desselben Wasserdefizits, das den Rhein austrocknet und die Landwirtschaft in die Krise treibt.

Dürre ist kein Einzelproblem – sie ist ein Systemversagen

Was die Gleichzeitigkeit von Niedrigwasser, Ernteausfällen und Waldbränden zeigt: Die Dürre 2026 ist keine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle. Sie ist Ausdruck eines gestörten Wasserhaushalts.

Jahrzehntelang haben wir Landschaften entwässert, Flüsse begradigt, Moore trockengelegt und Auen abgeschnitten. Das Wasser, das bei Regen fiel, wurde so schnell wie möglich abgeleitet. Jetzt, wo es nicht regnet, fehlt es überall gleichzeitig: im Boden, im Grundwasser, in den Bächen, in den Flüssen – und im Hochmoor, das eigentlich ein natürlicher Wasserspeicher sein sollte.

Die Antwort darauf kann nicht sein, einzelne Symptome zu bekämpfen. Felsen im Rhein zu sprengen, um die Fahrrinne bei Kaub zu vertiefen – wie es immer wieder diskutiert wird –, löst das Grundproblem nicht. Es verlagert es nur flussabwärts und verschärft die Eintiefung des Flussbettes langfristig weiter.

Was stattdessen nötig ist

Die eigentliche Antwort liegt stromaufwärts. In den Einzugsgebieten. In der Fläche.

Wenn wir Wasser in der Landschaft halten – durch naturnahe Gewässer, intakte Auen, Schwammlandschaften, Agroforststreifen und Sohlaufhöhungen – dann fließt in Dürrephasen mehr Grundwasser nach. Die Bäche führen länger Wasser. Die Flüsse bleiben schiffbar. Die Böden bleiben feucht genug, damit Vegetation nicht zur Brandlast wird.

Das ist kein Wunschdenken, sondern Physik. Und es funktioniert bereits dort, wo es umgesetzt wird.

Stowasserplan hat am Rhein selbst Erfahrung mit genau dieser Herangehensweise. In Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim haben wir 2012 eine 1 km lange Versuchsstrecke für ingenieurbiologische Bauweisen am Rhein geplant und umgesetzt. 2016 bis 2018 folgte eine weitere 400 m lange Ufersanierung bei Karlsruhe-Daxlanden – naturnah gesichert mit lebenden Baustoffen statt Beton.

Diese Projekte zeigen: Selbst an der Bundeswasserstraße Rhein gibt es Alternativen zum rein technischen Ausbau. Die Frage ist nicht, ob es geht – sondern ob wir den politischen Willen aufbringen, die Wasserwirtschaft vom Symptom zur Ursache umzulenken.

Fazit: Es hängt alles zusammen

Niedrigwasser am Rhein. Futtermangel auf den Höfen. Waldbrände im Hochmoor. Das sind nicht drei verschiedene Krisen. Es ist eine einzige Krise – und sie heißt: gestörter Wasserhaushalt.

Die gute Nachricht: Wir wissen, was zu tun ist. In den nächsten Beiträgen dieser Serie werden wir zeigen, welche konkreten Maßnahmen Landwirte und Kommunen in ihrem lokalen Einzugsgebiet umsetzen können – und warum diese Maßnahmen nicht nur dem Gewässer helfen, sondern der gesamten Landschaft.

Weiterführende Beiträge auf dem Gewässerblog:

Spreitlage am Rhein bei Worms: Naturnahe Ufersicherungen funktionieren auch in großen Gewässern.
Uferfaschinen in die vorhandene begrünte Steinschüttung eingebaut. Acht Jahre nach Fertigstellung: naturnaher Uferbewuchs.
Uferfaschinen in begrünter Steinschüttung: Austrieb nach acht Jahren (2018)
Spreitlage auf 12 m Böschungslänge eingebaut: Entwicklungsstand nach acht Jahren (Einbau 2010)
Strukturelement aus Totholzstämmen kombiniert mit austriebsfähigem Astmaterial (Weiden) direkt an der Mittelwasserlinie
100 Meter Renaturierung – und plötzlich gurgelt der Bach wieder

100 Meter Renaturierung – und plötzlich gurgelt der Bach wieder

Können renaturierte Gewässer etwas gegen die anhaltende Dürre ausrichten?

Letzte Woche habe ich mir den Haselbach in der Gemeinde Haselbachtal in Ostsachsen angeschaut. Dort hat Stowasserplan gemeinsam mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) – Landesverband Sachsen im Oktober 2025 einen Abschnitt des Haselbachs im Rahmen eines Bauseminars renaturiert.

Die Wasserführung im renaturierten Abschnitt ist erstaunlich stabil, und es ist eine Freude, das klare Wasser sprudeln zu sehen und gurgeln zu hören. Die eingebauten ingenieurbiologischen Bauweisen zeigen trotz der anhaltenden Dürre beeindruckenden Zuwachs und führen bereits zur Beschattung und Begrünung der Ufer.

Unser Beispiel Haselbachtal zeigt eindrucksvoll, wie Gewässerrenaturierungen nicht nur die ökologische Situation verbessern, sondern die Fließgewässer auch bei Niedrigwasser widerstandsfähig und vielfältig machen.

Was am Haselbach passiert ist

Der praktische Höhepunkt eines mehrmonatigen gemeinsamen Coachingprogramms von LfULG und DVL war das Bauseminar am 22. Oktober 2025. 21 Teilnehmende werteten an diesem Tag – trotz herbstlich-feuchten Wetters, mit Gummistiefeln und Spaten – einen rund 100 Meter langen Abschnitt des Haselbachs ökologisch auf. Unter fachkundiger Anleitung von Dr. Andreas Stowasser und Katrin Dachsel von Stowasserplan entstanden neue Strukturen, die dem Gewässer mehr Dynamik, Vielfalt und Lebensraum bieten: initiale Erdarbeiten und ingenieurbiologische Bauweisen mit lebenden Baustoffen.

Schon während der Arbeiten reagierte der Bach: Zahlreiche Fische nutzten neugierig die frisch gestalteten Bereiche. Ein Jahr später, mitten in einer der schwersten Dürreperioden der letzten Jahre, ist das Ergebnis noch deutlicher sichtbar.

Die ausführliche Dokumentation des Bauseminars mit vielen Bildern finden Sie hier: Gemeinsam für lebendige Gewässer – Bauseminar am Haselbach

Warum renaturierte Gewässer der Dürre besser trotzen

Der Effekt am Haselbach ist kein Zufall, sondern physikalisch und ökologisch gut erklärbar. Ein naturnah gestaltetes Fließgewässer verhält sich in der Dürre grundlegend anders als ein begradigter, technisch ausgebauter Graben:

Ein geschwungener Verlauf mit strukturierter Sohle verlangsamt den Abfluss. Das Wasser bleibt länger in der Landschaft, statt schnell abzufließen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die Versickerung, und der Grundwasserspiegel in der Aue wird gestützt – genau das Wasser, das dem Bach in Trockenzeiten wieder zusickert und seine Wasserführung stabilisiert.

Die ingenieurbiologischen Bauweisen – Weiden, Gehölze, lebende Ufersicherungen – beschatten das Gewässer. Das senkt die Wassertemperatur, reduziert die Verdunstung und verringert den Stress für Fische und Kleinlebewesen, die bei Niedrigwasser ohnehin unter Sauerstoffmangel und Aufheizung leiden. Gleichzeitig halten Wurzeln und Vegetation die Ufer, statt dass sie bei Trockenrissen und dem nächsten Starkregen erodieren.

Kurz gesagt: Ein renaturierter Bach ist kein starres Bauwerk, sondern ein lebendiges System, das Wasser speichert, kühlt und Extreme abpuffert – bei Dürre ebenso wie bei Hochwasser.

Das ist erst der Anfang

Was hier auf 100 Metern gelungen ist, lässt sich auf ganze Landschaften übertragen. Und genau darum soll es in den kommenden Wochen gehen.

In einer Beitragsreihe zeigen wir, warum die aktuelle Dürre uns alle betrifft – Kommunen, Landwirte, Verbände und jeden, der Verantwortung für Gewässer und Flächen trägt. Wir zeigen, welche Lösungen es gibt, was jede und jeder konkret tun kann, und welche Werkzeuge dabei helfen, vom einzelnen Bachabschnitt zur klimaresilienten Landschaft zu kommen.

Denn eines ist klar: Wir sind der Dürre nicht hilflos ausgeliefert. Wir können handeln – und wir wissen, wie.

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So viel Unterstützung, wie Sie brauchen: Der Weg zum digitalen Gewässermanagement

Gewässermanagement ist geprägt von gesetzlichen Fristen, Nachweispflichten und Wissen, das über Excel-Listen und einzelne Köpfe verstreut ist. PROGEMIS® ist eine Web-Anwendung, die diese Daten an einem Ort bündelt, Prozesse abbildet und alle Beteiligten auf denselben Stand bringt. Damit ein Umstieg zur jeweiligen Ausgangslage passt, wird PROGEMIS® in fünf aufeinander aufbauenden Stufen angeboten: (1) Standard-Produkt als reine Softwarelizenz, (2) Produkt und Datenmigration, (3) schlüsselfertige Lösung inklusive Einrichtung und Partner-Anbindung, (4) fachliche und technische Unterstützung bei Gewässerentwicklung (GE) und Gewässerunterhaltung (GU) sowie (5) Gewässermanagement as a Service, bei dem die Umsetzung über die Kooperation mit Stowasserplan und deren fachlicher Expertise vollständig übernommen wird. Kunden bestimmen den Umfang selbst und können jederzeit zwischen den Stufen wechseln.

Warum Gewässermanagement so anspruchsvoll ist

Wer Gewässer unterhält, jongliert mit vielen Dingen gleichzeitig. Es gibt gesetzliche Vorgaben, Fristen und Nachweispflichten. Es gibt Unterhaltungspläne, Begehungen, Maßnahmen und Abrechnungen. Und es gibt eine Menge Wissen, das oft nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiter steckt oder über zahllose Tabellen verteilt ist.

Bei einigen läuft in der Praxis vieles noch über Excel-Listen, E-Mails und Papier. Das funktioniert eine Weile, wird aber schnell unübersichtlich. Daten liegen mehrfach vor, sind nicht aktuell oder lassen sich nicht sauber zusammenführen. Wenn dann noch mehrere Partner und Dienstleister mitarbeiten, wird aus der eigentlichen Aufgabe schnell ein Koordinationsaufwand, der Zeit und Nerven kostet.

Genau hier setzt PROGEMIS® an. PROGEMIS® ist eine Web-Anwendung für das digitale Gewässermanagement, die alle Daten zu Gewässern, Unterhaltungsplänen und Maßnahmen in einer zentralen Datenbank zusammenführt und die beteiligten Verwaltungen, Verbände und Dienstleister in einem gemeinsamen System arbeiten lässt. Sie bündelt Ihre Daten an einem Ort, bildet Prozesse ab und bringt alle Beteiligten auf denselben Stand. Der Wechsel von der Tabelle zur Anwendung ist dabei mehr als ein Werkzeugtausch. Er verändert Arbeitsweisen: Daten wandern in eine Datenbank, Abläufe werden verbindlicher, und Partner werden in ein gemeinsames System eingebunden. Alles wird dokumentiert und nichts gerät mehr in Vergessenheit.

Der Umstieg ist eine Umstellung, keine Einbahnstraße

Ein solcher Umstieg wirft berechtigte Fragen auf. Wie kommen die vorhandenen Daten aus Excel usw. in das neue System? Wer richtet die Konfiguration ein? Wie werden Partnerfirmen angebunden? Und was passiert, wenn im eigenen Haus schlicht die Zeit oder das Know-how für die Einführung fehlt?

Auf diese Fragen gibt es keine Standardantwort, weil jeder Kunde anders aufgestellt ist. Manche wollen nur die Software und regeln den Rest selbst. Andere brauchen Hilfe bei der Migration. Und wieder andere möchten am liebsten das ganze Thema abgeben.

Deshalb bieten wir PROGEMIS® in Stufen an. Sie entscheiden, wie viel Unterstützung Sie brauchen, und wir wachsen mit Ihren Anforderungen mit.

Fünf Stufen der Unterstützung

  1. Standard-Produkt: Sie erhalten die Softwarelizenz und arbeiten eigenständig mit PROGEMIS®. Diese Stufe passt, wenn Sie die nötigen Ressourcen und das Wissen im eigenen Haus haben und lediglich ein besseres Werkzeug suchen.
  2. Produkt und Datenmigration: Zusätzlich zur Software übernehmen wir die Überführung Ihrer bestehenden Daten in das System. Aus verstreuten Dateien und Tabellen wird ein sauberer, gepflegter Datenbestand, mit dem Sie sofort arbeiten können.
  3. Schlüsselfertige Lösung: Hier richten wir PROGEMIS® vollständig für Sie ein. Konfiguration, Datenmigration und die Anbindung der beteiligten Partner werden vorbereitet, sodass Sie ein betriebsbereites System übernehmen und direkt loslegen können.
  4. Unterstützung bei Gewässerentwicklung und Gewässerunterhaltung: Über die reine Einrichtung hinaus begleiten wir Sie fachlich und technisch bei den anstehenden Aufgaben in der Gewässerentwicklung (GE) und der Gewässerunterhaltung (GU). Sie behalten die Verantwortung, bekommen aber Rückenwind dort, wo personelle oder fachliche Kapazitäten knapp sind.
  5. Gewässermanagement as a Service: In der höchsten Stufe übernehmen wir das Gewässermanagement komplett. Wenn Budget vorhanden ist, aber Zeit und Know-how fehlen, kümmern wir uns um die Umsetzung. Möglich wird das durch die Kooperation mit Stowasserplan, die das fachliche Know-how und die Gewässermanagement-Expertise aus jahrzehntelanger Erfahrung einbringen.

Sie bestimmen den Umfang

Die Stufen sind kein starres Paketmodell, sondern ein Weg. Sie können mit der Softwarelizenz einsteigen und später mehr Unterstützung dazunehmen, wenn sich Ihre Anforderungen ändern. Ebenso können Sie von Anfang an mehr Verantwortung abgeben und sich auf Ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren.

Drei Punkte fassen den Gedanken zusammen:

  • Modularer Einstieg: Von der einfachen Softwarelizenz bis zur komplett eingerichteten und betriebsbereiten Lösung bestimmen Sie den Umfang.
  • Gezielte Entlastung: Wir unterstützen dort, wo in Ihrer Verwaltung personelle oder fachliche Ressourcen begrenzt sind.
  • Individuell skalierbar: Unsere Leistungen wachsen mit Ihren Anforderungen, von der technischen Begleitung bis zur vollständigen Übernahme des Gewässermanagements.

Digitales Gewässermanagement muss also keine Alles-oder-nichts-Entscheidung sein. Sie starten mit so viel Rückenwind, wie zu Ihrer Situation passt, und behalten die Freiheit, den Umfang jederzeit anzupassen.

Häufige Fragen

Muss ich für PROGEMIS® meine bisherigen Arbeitsprozesse ändern?

Ja, in gewissem Umfang. Wer bisher mit Excel, E-Mails und Papier arbeitet, wechselt zu einer Web-Anwendung mit zentraler Datenbank. Abläufe werden dadurch verbindlicher und Daten an einem Ort geführt. Wie groß der Umstellungsaufwand ist, hängt von der gewählten Stufe ab: Bei der schlüsselfertigen Lösung und den höheren Stufen wird ein Großteil der Einrichtung und Umstellung abgenommen.

Kann ich später zwischen den Stufen wechseln?

Ja. Die fünf Stufen sind kein starres Paketmodell, sondern ein Weg. Sie können mit der reinen Softwarelizenz einsteigen und später mehr Unterstützung dazunehmen, wenn Aufgaben wachsen oder Ressourcen knapper werden. Ebenso lässt sich Verantwortung wieder ins eigene Haus zurückholen, sobald die nötigen Kapazitäten vorhanden sind.

Was unterscheidet die schlüsselfertige Lösung von der reinen Softwarelizenz?

Bei der reinen Softwarelizenz (Stufe 1) erhalten Sie PROGEMIS® und richten es selbst ein. Bei der schlüsselfertigen Lösung (Stufe 3) übernehmen wir die Einrichtung vollständig: Konfiguration, Datenmigration und die Anbindung der beteiligten Partner werden vorbereitet, sodass Sie ein betriebsbereites System übernehmen und direkt loslegen können.

Welche Rolle spielt Stowasserplan?

Stowasserplan kommt bei den höheren Unterstützungsstufen bis hin zu Gewässermanagement as a Service ins Spiel und bringt das fachliche Know-how und die Gewässermanagement-Expertise ein.

Sollten Sie Interesse am Thema Gewässermanagement und Digitalisierung haben, melden Sie sich gerne bei uns über unsere E-Mail-Adresse info@stowasserservice.de.

Strategisches Gewässermanagement: mehr Handlungsfähigkeit für Kommunen

Strategisches Gewässermanagement: mehr Handlungsfähigkeit für Kommunen

Die Gewässerunterhaltung steht vor einem grundlegenden Wandel. Fachliche, rechtliche und klimatische Anforderungen steigen, während personelle und finanzielle Ressourcen vieler Kommunen knapper werden. Gleichzeitig zeigen Hitzephasen, Trockenperioden und Starkregen immer deutlicher, wie wichtig funktionsfähige Fließgewässer sind. Sauberes Wasser, naturnahe und widerstandsfähige Bachläufe sowie intakte Auen sind keine freiwillige Zusatzaufgabe. Sie sind Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und Lebensgrundlage zukünftiger Generationen.

Gewässerunterhaltung und Gewässerentwicklung sind daher gesetzliche Aufgaben. Wer sie nur reaktiv bearbeitet, also erst dann handelt, wenn ein Durchlass verstopft, ein Ufer abbricht oder Beschwerden eingehen, verliert Zeit, Geld und Steuerungsmöglichkeiten. Einzelmaßnahmen ohne Gesamtkonzept binden Kapazitäten, erzeugen Konflikte und führen selten zu einer dauerhaften Verbesserung. Die einzig sinnvolle Antwort ist deshalb ein strategisches Gewässermanagement. Mit Hilfe einer Gewässerunterhaltungs- und –entwicklungskonzeption kann kontinuierlich, planvoll, transparent und effizient vorgegangen werden.

Für Kommunen bedeutet dies vor allem mehr Übersicht und mehr Handlungssicherheit. Welche Gewässer liegen in der eigenen Zuständigkeit? Wie ist ihr Zustand? Wo besteht Handlungsbedarf? Wo gibt es Risiken, Nutzungskonflikte oder Entwicklungspotenziale? Wer diese Fragen beantworten kann, trifft Entscheidungen nicht mehr aus dem Bauch heraus, sondern auf Grundlage belastbarer Informationen.

Auf dieser Grundlage lassen sich klare Ziele und konkrete Maßnahmen ableiten. Regelmäßige Routinemaßnahmen werden nur dort eingeplant, wo sie erforderlich sind. Entwicklungsmaßnahmen werden dort vorgesehen, wo Gewässer dauerhaft verbessert werden können. So entsteht aus einzelnen Unterhaltungseinsätzen ein nachvollziehbarer Prozess, der von Grundlagendaten über Ziele und Maßnahmen bis hin zu Prioritäten, Finanzierung, Umsetzung und Dokumentation reicht.

Der größte Nutzen entsteht, wenn knappe Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Nicht alles kann gleichzeitig umgesetzt werden. Ein strategisches Gewässermanagement zeigt auf, wo der Handlungsdruck am größten ist, wo gesetzliche Anforderungen besonders relevant sind und wo mit überschaubarem Aufwand die größte Wirkung erzielt werden kann. Dadurch können Kommunen ihre Budgets besser begründen, Fördermittel gezielter beantragen, ihren Personalbedarf nachvollziehbarer darstellen und ihre Leistungen genauer dokumentieren.

Ein solches Vorgehen bringt auch im Arbeitsalltag spürbare Entlastung. Zuständigkeiten, Termine, Maßnahmen, Abstimmungen und Kosten sind systematisch abrufbar. Genau hier setzt das softwareunterstützte Gewässermanagementsystem PROGEMIS®  an. Gewässerdaten und Maßnahmen können digital erfasst, fortgeschrieben und dokumentiert werden. Dadurch wird Wissen gesichert, Aufgaben werden nachvollziehbarer und die Arbeiten können leichter an Mitarbeitende, Dienstleister oder Dritte übergeben werden.

Wie Kommunen dabei vom Reagieren ins Steuern kommen, zeigen wir auch in unserem begleitenden Webinar. Im Mittelpunkt stehen die Erfassung des Gewässerzustands, die Klärung von Zuständigkeiten, die Definition von Zielen sowie die Priorisierung und Dokumentation von Maßnahmen. Zudem geben wir einen Einblick in die digitale Unterstützung mit PROGEMIS®.
Hier geht es zur Anmeldung des kostenlosen Webinars: https://landingpages.stowasserservice.de/de/webinar-1a-registration

Strategisches Gewässermanagement bedeutet also nicht mehr Bürokratie, sondern mehr Handlungsfähigkeit. Es unterstützt Kommunen dabei, fachlich sicherer, wirtschaftlicher und vorausschauender zu handeln. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, den Unterhaltungsaufwand langfristig zu reduzieren. Denn je naturnäher ein Gewässer ist, desto widerstandsfähiger reagiert es letztlich auf Klimaextreme und umso besser ist seine Funktionsfähigkeit.

Sie möchten demnächst ein Unterhaltungs- und Entwicklungskonzept erstellen?
Gerne unterstützen wir Sie bereits bei der Projektentwicklung, beispielsweise wenn Sie eine Schätzung der erforderlichen Planungskosten, eine Aufgabenstellung oder eine fachliche Einordnung für die nächsten Schritte benötigen. Bei Interesse an einer Beratung oder Planungsleistung erreichen Sie uns unter info@stowasserplan.de.

Natur als Baustoff: mutiger planen, besser bauen mit Ingenieurbiologie

Natur als Baustoff: mutiger planen, besser bauen mit Ingenieurbiologie

Muss Ufersicherung immer hart, grau und technisch aussehen? Müssen Böschungen zwangsläufig mit Stein, Beton oder Stahl gesichert werden? Oder lohnt sich der Blick auf Bauweisen, die nicht nur sichern, sondern gleichzeitig Lebensräume schaffen, Wasser kühlen, Landschaften aufwerten und Menschen wieder näher ans Gewässer bringen?

Ingenieurbiologie ist mehr als eine „grüne Alternative“. Sie ist ein Werkzeugkasten voller lebendiger Lösungen. Faschinen, Weidensteckhölzer, Röhrichtwalzen, Spreitlagen oder kombinierte Bauweisen können stabilisieren, strukturieren und entwickeln – wenn sie passend zum Standort geplant werden. Denn nicht jede Bauweise passt überall. Lage, Boden, Wasserspiegel, Strömung, Lichtverhältnisse und Nutzung entscheiden mit. Genau darin liegt die Stärke: Für fast jede Bauaufgabe gibt es eine oder mehrere geeignete Lösungen, aber sie müssen klug ausgewählt und gut organisiert werden.

Damit aus der Vielzahl möglicher Bauweisen keine Bauchentscheidung wird, hilft das Schlüssel-Schloss-Prinzip: Zuerst werden die Rahmenbedingungen am geplanten Einbauort beschrieben und zu einem Anforderungsprofil zusammengeführt. Anschließend werden die Bauweisenprofile dem gegenübergestellt und die am besten passendsten herausgefiltert. Dafür ist die Beantwortung grundlegender Fragen entscheidend:

  • In welcher Fließgewässerlandschaft liegt der Standort?
  • Handelt es sich um einen Bach oder Fluss?
  • Welche Bodenart oder welches Substrat prägt Sohle und Ufer?
  • Wie werden angrenzende Flächen genutzt?
  • Wie hoch sind Freibord, hydraulische Belastung und erforderliche Erosionssicherheit? Welche Fläche steht für den Einbau zur Verfügung?
  • Welcher Pflanzenbestand soll sich entwickeln, wie lange darf das Initialstadium dauern und wie soll die Bauweise im eingebauten Zustand wirken?

Ebenso wichtig sind praktische Fragen: Wo liegt der Einbauort im Gewässerverlauf, wann kann gebaut werden, wie ist die Baustelle erreichbar und wie stark wird sie durch Bewuchs oder Bebauung beschattet? Erst aus diesem Abgleich entsteht eine Bauweisenauswahl, die zum Standort passt – technisch, ökologisch und organisatorisch.

Wer Ingenieurbiologie einsetzt, baut nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Aus Baumaterial wird Wachstum. Aus Sicherung wird Entwicklung. Aus einem technischen Eingriff kann ein Beitrag für Biodiversität, Landschaftsbild, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität entstehen.

Natürlich braucht das Planung, Erfahrung und gutes Timing. Lebendmaterial muss zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und möglichst regional verfügbar sein. Aber ist die Auswahl geeigneter Bauweisen wirklich Spezialwissen – oder kann das nicht am Ende jeder, wenn man die wesentlichen Aspekte beachtet?

Das Büro Stowasserplan hat ingenieurbiologische Bauweisen bereits in zahlreichen Projekten erfolgreich geplant und umgesetzt. Aus dieser Praxis sind ein breiter Erfahrungsschatz sowie durch Stowasserservice die Software für Ingenieurbiologie SOFIE® / DWA Ufer-Expert entstanden – nicht nur zur Auswahl und Herstellung geeigneter Bauweisen, sondern auch zur Pflege, Entwicklung und zum langfristigen Umgang mit den entstehenden Ufergehölzbeständen.

Genau darum geht es im begleitenden Webinar „Natur als Baustoff: mutiger planen und besser bauen mit Ingenieurbiologie!“ Es zeigt, wie sich passende ingenieurbiologische Lösungen mit aber auch ohne Hilfe der Software für Ingenieurbiologie SOFIE® / DWA Ufer-Expert nachvollziehbar auswählen lassen – praxisnah, verständlich und mit Blick auf Standort, Funktion und Materiallogistik. Denn Ingenieurbiologie ist kein Experiment ins Blaue. Sie ist eine Einladung, Gewässerbau neu zu denken: lebendig, wirksam und überraschend robust.

Hier geht es zur Anmeldung des kostenlosen Webinars: https://landingpages.stowasserservice.de/de/webinar-1a-registration

Ausgangssituation: das Gewässer windet sich schwer zugänglich zwischen Privatgrundstücken und Kleingärten durch das Stadtgebiet von Coswig bei Dresden.
Zustand während des naturnahen Umbaus: Neben der unmittelbaren Umfeldnutzung ist es wichtig zu wissen in welchem Landschaftsraum man sich befindet und welche Substrate im Untergrund anstehen.
Bei der Bauweisenauswahl sind auch die Abflussverhältnisse und die zur Verfügung stehende Fläche zu beachten. Hier wird der begleitende Pflegeweg als zusätzlicher Hochwasserabflussraum zur Verfügung gestellt.
Auch ausführungsrelevante Faktoren wie hydraulische Belastungen am Einbauort, Lage und Erreichbarkeit und Lichtverhältnisse sind bei der Auswahl der passenden Bauweisen zu beachten.
Werden alle relevanten Faktoren beachtet und ist die Zielvegetation optimal auf die Verhältnisse am Einbauort abgestimmt, steht bei fachgerechtem Einbau der Bauweisen einem Erfolg nichts entgegen.
Neben einem klimawirksamen innerstädtichen Grünzug, konnten naturnahe Gewässerstrukturen entwickelt, die Biodiversität gefördert und die Gewässerunterhaltung an diesem Gewässer optimiert werden.
Feldtag am Tauchnitzgraben – Sachsens größtes Agroforstsystem live erlebt

Feldtag am Tauchnitzgraben – Sachsens größtes Agroforstsystem live erlebt

Am 3. Juni 2026 wurde der Tauchnitzgraben im Wurzener Land zu einem lebendigen Lernort für zukunftsfähige Landschaftsgestaltung. Das Foto zeigt eindrucksvoll die Themen dieses Feldtages: ein wieder sichtbares Gewässer, junge Gehölzstreifen in der Feldflur und ein Agroforstsystem, das spürbar „loswächst“. Hier verbinden sich Landwirtschaft, Gewässerschutz, Klimaanpassung und regionale Wertschöpfung zu einem gemeinsamen Zukunftsbild.

Im Mittelpunkt stand das größte Agroforstsystem Sachsens am Tauchnitzgraben, das im Zusammenhang mit der Offenlegung und Renaturierung des Gewässers angepflanzt wurde. Die Anlage zeigt, wie klug platzierte Gehölzstreifen in Agrarlandschaften mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen können: Sie schützen Böden vor Erosion, verbessern den Wasserhaushalt, schaffen Lebensräume, kühlen die Landschaft und liefern langfristig Holzbiomasse. Die Verbindung von Gewässerschutz und kommunaler Wärmeversorgung ist ein praxisnahes Beispiel dafür, wie Gewässerentwicklungsmaßnahmen nicht nur Flächen beanspruchen, sondern auch eine neue Kulturlandschaft ermöglichen können. So werden aus Kosten Investitionen: in sauberes Wasser, produktive Landschaften, Klimaschutz und ländliche Bioökonomie.

Neben Grußworten aus dem Ministerium und dem Bauernverband bot der Vormittag Feldexkursionen zu den Themen:

  • Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Agroforst
  • kommunale Daseinsvorsorge und Energiewirtschaft
  • Naturschutz und Klimawandel
  • angewandte Forschung

Am Nachmittag folgte ein Workshop zur Weiterentwicklung des von Stowasserplan und IfaS für den Tauchnitzgraben entwickelten Renaturierungskonzepts als Modell- und Demonstrationsstandort für andere Bundesländer. Dabei wurden u.a. die Themen Flächenverfügbarkeit, Kooperation mit der Landwirtschaft und Mehrnutzung, Logiken der Agrarförderung, Genehmigungsfragen sowie Instrumente wie produktionsintegrierte Kompensation diskutiert.

Der Feldtag hat gezeigt: Wenn Kommunen, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Energieversorgung, Planung und Behörden gemeinsam handeln, eröffnen sich neue Handlungsspielräume. Am Tauchnitzgraben wird deutlich, wie Gewässerrenaturierung, Agroforst und Wärmewende zusammen gedacht werden können – praktisch, kooperativ und mit sichtbarem Wachstum in der Landschaft.

Medienhinweis: Auch der MDR berichtete im Rahmen von „MDR um 4“ über das Agroforstsystem im Wurzener Land und die Verbindung von Landwirtschaft und Naturschutz. Der Beitrag ist in der MDR-Mediathek verfügbar:
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/grimma-oschatz-wurzen/klimawandel-agro-forst-landwirtschaft,video-klimawandel-agro-forst-landwirtschaft-100.html

01_Feldtag_Tauchnitzgraben
Begrüßungsreden im Beisein von Staatssekretär Menke aus dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium
Dr. Andreas Stowasser und Frank Wagner (IfaS) präsentieren ihr gemeinsames Projekt am Tauchnitzgraben.
Ausgangssituation: Der Tauchnitzgraben verläuft als verrohrtes Gewässer auf dem rund 90 Hektar großen Schlag (gleicher Blickwinkel wie voriges Foto).
Besichtigung des offengelegten Gewässers in mehreren Gruppen
Die im Frühjahr eingebauten ingenieurbiologischen Bauweisen zeigen einen sehr guten ersten Austrieb.
Der anschließende Workshop fand direkt vor Ort mit Blick auf das Agroforstsystem statt.
Amtierende und ehemalige Bürgermeister der Projektgemeinden tauschen sich zum Projekt aus.
Die Böhlitzer Agrargenossenschaft demonstrierte die Pflegetechnik für das Agroforstsystem.
Fachlicher Austausch zu Möglichkeiten der Pflege und Beerntung solcher Anlagen auch andernorts
Die im April diesen Jahres gepflanzten Agrarholzstreifen entlang des Gewässers beginnen gerade loszuwachsen.
Die im März letzten Jahres gepflanzten Agrarholzststreifen auf der Feldflur erreichen bereits Höhen von 2 – 3 m.
Klimaangepasste Gewässerunterhaltung: Warum wir unsere Gewässer jetzt neu denken müssen!

Klimaangepasste Gewässerunterhaltung: Warum wir unsere Gewässer jetzt neu denken müssen!

Ein weiteres viel zu trockenes Frühjahr liegt hinter uns. Die Folgen der Klimaveränderungen sind in unseren Fließgewässern längst sichtbar: Steigende Wassertemperaturen, langanhaltende Niedrigwasserphasen und sinkende Grundwasserstände setzen Bäche und Flüsse zunehmend unter Stress. Während sich die bisherige Gewässerunterhaltung vor allem auf klassische Defizite wie mangelnde Durchgängigkeit oder Strukturarmut konzentrierte, rückt heute eine neue Herausforderung in den Mittelpunkt: Wie müssen Unterhaltungsmaßnahmen angepasst werden, damit Gewässer auch künftig ihre ökologischen Funktionen erfüllen können?

Eines ist klar: Die Unterhaltung nach starren Routinen funktioniert unter den veränderten klimatischen Bedingungen immer weniger. Besonders während Niedrigwasserphasen ist deutlich mehr Sensibilität erforderlich. Maßnahmen wie Sohlräumungen, Mähen oder Krauten können in kritischen Zeiten Lebensräume zusätzlich belasten und Rückzugsräume zerstören. Deshalb muss die Unterhaltung künftig flexibler, standortbezogener und stärker an den Wasserhaushalt angepasst erfolgen.

Dabei zeigt sich ein entscheidender Zusammenhang: Je naturnäher ein Gewässer ausgeprägt ist, desto widerstandsfähiger reagiert es auf die Folgen des Klimawandels. Gehölzsäume sorgen für Beschattung und reduzieren die Erwärmung des Wassers. Strukturreiche Gewässer bieten Rückzugsräume für Fische und Kleintiere. Eine gute Vernetzung von Gewässer, Aue und Grundwasser stabilisiert den Landschaftswasserhaushalt auch in Trockenzeiten.

Genau hier muss die moderne Gewässerunterhaltung ansetzen. Das Ziel darf nicht mehr allein die schnelle Wasserableitung sein. Vielmehr müssen natürliche Prozesse gestärkt werden. Dazu gehören der Erhalt eigendynamischer Strukturen, die Förderung naturnaher Uferbereiche sowie die Schaffung von Beschattung, sofern keine Nutzungskonflikte bestehen.

Besonders kritisch sind Drainagen und Entwässerungssysteme. Sie beschleunigen die Austrocknung der Landschaft und verschärfen Niedrigwasserprobleme zusätzlich. Wo möglich, sollten Entwässerungseinrichtungen angepasst und der Wasserrückhalt in der Fläche verbessert werden.

Klimaangepasste Gewässerunterhaltung bedeutet deshalb weit mehr als die Unterhaltung im klassischen Sinne. Sie wird zu einem aktiven Instrument der Klimaanpassung, des Biodiversitätsschutzes und der nachhaltigen Wasserbewirtschaftung. Denn die Zukunftsfähigkeit unserer Landschaften hängt entscheidend davon ab, wie gut es gelingt, Wasser in der Fläche zu halten und Gewässer als widerstandsfähige Lebensräume zu entwickeln. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Erkenntnisse schneller in die Planung, die Unterhaltungspraxis und die Finanzierung zu überführen. Denn eines ist klar: Unsere Gewässer entscheiden künftig mit darüber, wie widerstandsfähig unsere Landschaften gegenüber Klimaveränderungen bleiben.

Ausgebaute und unbeschattete Gewässer heizen sich im Sommer extrem auf und bieten keine Rückzugsräume.
Naturnahe Gewässer sind außerordentlich vielfältig in ihren Strukturen und Lebensräumen. Sie weisen dadurch eine Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Veränderungen auf.
Schon mit einfachen Maßnahmen im Rahmen der Gewässerunterhaltung, wie Bepflanzung und ingenieurbiologischen Bauweisen, lassen sich deutliche Verbesserungen der Situation erreichen.
Auch bei der Umsetzung der regelmäßigen Routinepflegemaßnahmen gibt es einiges zu beachten, um möglichst klimaangepasst vorzugehen.
Vom Uferabbruch zur naturnahen Gewässerentwicklung – Erfolgreiches Bauseminar zu ingenieurbiologischen Bauweisen in Lugau

Vom Uferabbruch zur naturnahen Gewässerentwicklung – Erfolgreiches Bauseminar zu ingenieurbiologischen Bauweisen in Lugau

Ein Jahr nach der Umsetzung zeigt sich die Maßnahme an einem innerörtlichen Gewässerabschnitt in Lugau als voller Erfolg: Die ingenieurbiologischen Bauweisen sind hervorragend angewachsen, die eingebrachten Weiden treiben kräftig aus und die gesamte Uferstruktur hat sich bereits sichtbar stabilisiert und naturnah entwickelt.

Im Rahmen eines zweitägigen Bauseminars wurde die Maßnahme Ende April 2025 gemeinsam mit dem Bauhof der Stadt Lugau, engagierten Helfern der Gewässernachbarschaften sowie weiteren Beteiligten praktisch umgesetzt. Die Finanzierung erfolgte über die Förderrichtlinie FRL GH 2024. Die Maßnahme wurde durch Stowasserplan geplant und fachlich begleitet.

Ausgangssituation am Gewässer

Der betroffene Gewässerabschnitt war durch einen stark begradigten Verlauf geprägt. Hohe hydraulische Belastungen führten zu einer fortschreitenden Sohleneintiefung und instabilen Böschungen. Besonders problematisch waren bis zu 1,5 Meter hohe Uferabbrüche sowie steile Böschungen, die zunehmend Flächenverluste für angrenzende Grundstückseigentümer verursachten und gleichzeitig die Unterhaltung des Gewässers erschwerten. Zudem fehlten standortgerechte Gehölze, wodurch sich krautige Arten stark ausbreiteten.

Ziel der Maßnahme

Ziel des Bauseminars und der anschließenden Umsetzung war die nachhaltige Sicherung der Uferbereiche durch ingenieurbiologische Bauweisen. Neben der Vermeidung weiterer Uferabbrüche und der Stabilisierung der Gewässersohle standen insbesondere die ökologische Aufwertung des Gewässers, die Strukturverbesserung sowie die langfristige Reduzierung des Unterhaltungsaufwandes im Fokus.

Praxisnahe Umsetzung vor Ort

Im Zuge der Maßnahme wurden zunächst Erdarbeiten zur Abflachung der linksufrigen Abbruchböschung durchgeführt und das anfallende Bodenmaterial im Randbereich wieder eingebaut. Anschließend erfolgte die Sicherung der Böschungen mit verschiedenen ingenieurbiologischen Bauweisen wie Spreitlagen, Lebendfaschinen mit Hinterpflanzung, Bündelpflanzungen und Steckhölzern. Ergänzend wurde aufgrund der hohen Schubspannungen im Gewässerbereich eine Sohlrollierung aus Wasserbausteinen mit Niedrigwasserrinne eingebaut. Auch die rechte Uferseite wurde punktuell bepflanzt.

Das benötigte Weidenmaterial wurde direkt an einem nahegelegenen Bach gewonnen und unmittelbar für den Einbau verwendet. Unterstützt wurde die Umsetzung durch zahlreiche freiwillige Helfer aus den Gewässernachbarschaften, die tatkräftig bei den Arbeiten mitwirkten.

Gelungene Entwicklung und hoher Anwuchserfolg

Bereits kurze Zeit nach der Umsetzung zeigte sich eine sehr positive Entwicklung der Maßnahme. Die eingebauten ingenieurbiologischen Sicherungen weisen einen hohen Anwuchserfolg auf, die Weidensteckhölzer und Pflanzungen treiben kräftig aus und tragen bereits heute zur Stabilisierung der Böschungen sowie zur ökologischen Aufwertung des Gewässers bei.

Das Bauseminar in Lugau verdeutlicht eindrucksvoll, wie durch praxisnahe Wissensvermittlung, regionale Zusammenarbeit und den Einsatz naturnaher Bauweisen nachhaltige Lösungen für die Gewässerentwicklung und Gewässerunterhaltung geschaffen werden können.

Ausgangssituation: fortschreitende Sohleintiefung mit 1,5 Meter hohen Uferabbrüchen sowie steilen Böschungen mit zunehmendem Flächenverlust für angrenzende Grundstückseigentümer
Bauseminar Ende April 2025 – Einbau der ingenieurbiologischen Bauweisen mit Freiwilligen der Gewässernachbarschaften
Situation nach Ende des Bauseminar Ende April 2025
Entwicklung nach einer Vegetationsperiode Anfang Mai 2026
Austrieb der Spreitlage mit Steinschüttung als Fußsicherung (links) und Steckhölzer (rechts)
Detail: Austrieb der Steckhölzer und geneigten Lebendfaschinen
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