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Zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind umfangreiche Maßnahmen zur Gewässerentwicklung erforderlich. Gleichzeitig verschärft sie die Flächenkonkurrenz in der Landwirtschaft. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Wie können Gewässer ökologisch wirksam entwickelt und die dafür notwendigen Korridore gleichzeitig wirtschaftlich nutzbar gestaltet werden?

Potenziale von Agroforst und Gewässerrenaturierung

Gewässerrandstreifen sind für den Gewässerschutz unverzichtbar, bedeuten für landwirtschaftliche Betriebe jedoch häufig Nutzungseinschränkungen – insbesondere durch den Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel.

Agroforstsysteme am Gewässer bieten hier einen neuen Ansatz: Durch die Integration von Gehölzstreifen entlang von Fließgewässern entstehen multifunktionale Strukturen. Sie stabilisieren Ufer, reduzieren Stoffeinträge, fördern die Biodiversität und verbessern das Mikroklima.

Gleichzeitig eröffnen sie wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten, beispielsweise durch Holz- oder Biomasseerträge. Gewässerrandstreifen werden somit nicht mehr nur als Einschränkung wahrgenommen, sondern als aufgewertete Produktionsfläche mit langfristiger Nutzungsperspektive.

Pilotprojekt Tauchnitzgraben – Flächensicherung durch Nutzung

Das von Stowasserplan geplante und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) begleitete Projekt am Tauchnitzgraben zeigt, wie dieser Ansatz in der Praxis umgesetzt werden kann. Durch die Kombination von Gewässeroffenlegung und Agroforstsystemen wurde eine Lösung entwickelt, die ökologische Anforderungen und landwirtschaftliche Interessen vereint.

Ein zentraler Aspekt ist dabei die Flächensicherung durch Nutzung: Anstatt die Flächen vollständig aus der Bewirtschaftung zu nehmen, werden sie gezielt weiterentwickelt. Die Agroforststreifen schaffen eine wirtschaftliche Perspektive und haben die Zustimmung der Eigentümer und Bewirtschafter zum Projekt erst ermöglicht.

Damit wird ein entscheidender Beitrag zur Umsetzung der WRRL geleistet – nicht über zusätzliche Restriktionen, sondern über Anreize und Mehrwerte.

Umsetzungshemmnisse in der Praxis

Trotz der vorhandenen Potenziale zeigen sich in der Umsetzung aktuell deutliche Herausforderungen. Insbesondere regulatorische Vorgaben und die Richtlinien der Agrarförderung erschweren die praktische Anwendung und damit die zentrale Argumentation: geringer Flächenverlust bei gleichzeitigem wirtschaftlichem Nutzen. Für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es daher praxistaugliche und unbürokratische Rahmenbedingungen, die Agroforstsysteme als Gewässerschutz anerkennen und ihre wirtschaftlichen Potenziale erschließen.

Fazit

Agroforstsysteme verbinden Klimaanpassung, Wertschöpfung und Gewässerrenaturierung. Das Pilotprojekt am Tauchnitzgraben zeigt erstmals, wie Gewässer-Offenlegung und Agroforstnutzung kooperativ umgesetzt werden können – ein innovativer Ansatz für einen integrierten Klima- und Ressourcenschutz zu Gunsten der ländlichen Entwicklung in Ackerbauregionen.

Ausgangssituation Tauchnitzgraben
Ausgangssituation: Der Bach verläuft verrohrt unter der riesigen Ackerfläche, die unter Feinbodenabtrag durch Winderosion und Austrocknung bei sommerlicher Hitze leidet.
Tauchnitzgraben nach Offenlegung
Nach der Offenlegung: Der sich naturnah entwickelnde Bachlauf und die begleitenden Agrarholzstreifen gliedern die Feldflur, sorgen für eine ökologische Aufwertung, ermöglichen Wertschöpfung und reduzieren die klimatischen Auswirkungen.
Dr.-Ing. Andreas Stowasser