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Pflanzen brauchen Lebensraum. Dieser einfache Grundsatz gilt auch an Fließgewässern. Je nach Art sind damit ein unterschiedlicher Platzbedarf und eine unterschiedliche Funktionalität verbunden. Die Ufervegetation soll möglichst viele Funktionen erfüllen: das Gewässer beschatten, das Ufer stabilisieren, Lebensräume schaffen und das Landschaftsbild gestalten. Gleichzeitig trifft sie auf unterschiedliche Anforderungen wie Hochwasserschutz, Gewässerunterhaltung, angrenzende Nutzungen oder Naherholung. Damit sich daraus keine Konflikte entwickeln, sollte die Vegetation nicht zufällig entstehen, sondern gezielt geplant und angelegt werden. Dabei ist die Festlegung der sogenannten Zielvegetation entscheidend.

Was ist die Zielvegetation?

Der Begriff beschreibt die grundlegende Vegetationsstruktur, die sich an einem Gewässerabschnitt langfristig entwickeln soll. Sie legt noch keine konkreten Pflanzenarten fest, sondern definiert allein die Form des zukünftigen Bestands. Diese Entscheidung ist von zentraler Bedeutung, da sie bestimmt, wie sich der Bewuchs entwickelt, wie stark er den Abfluss beeinflusst und welcher Pflegeaufwand später entsteht.

In der Praxis werden jedoch häufig Gehölze gepflanzt, ohne dass diese Fragen im Vorfeld beantwortet werden. Einige Jahre später entstehen dann oft Konflikte, beispielsweise durch zu dichten Bewuchs, eine eingeschränkte Abflussleistung oder einen hohen Pflegebedarf. Viele dieser Probleme lassen sich vermeiden, wenn bereits bei der Anlage klar festgelegt wird, welche Vegetationsform an einem Standort dauerhaft sinnvoll ist.

Welche Zielvegetationstypen gibt es?

Grundsätzlich lassen sich mehrere Zielvegetationstypen unterscheiden. Dazu gehören naturnahe Gehölzbestände, Baumbestände und Strauchbestände sowie Vegetationsformen ohne Gehölze, wie Röhrichte, Hochstaudenfluren oder Wiesen. Für die Entwicklung von Ufergehölzbeständen sind vor allem die ersten drei Typen relevant. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen beispielhaft die einzelnen Zielvegetationstypen.

Wie plant man Zielvegetation?

Welche Zielvegetation geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Von entscheidender Bedeutung sind die Abflussleistung des Gewässerprofils, angrenzende Nutzungen, die verfügbare Fläche sowie das Entwicklungspotenzial des Gewässers. Grundsätzlich gilt: Je extensiver die Nutzung im Umfeld ist, desto naturnäher kann auch die Vegetation entwickelt werden.

Nicht an jedem Gewässerabschnitt sind Gehölze sinnvoll oder möglich. Enge Profile, hohe Anforderungen an die Abflussleistung oder intensive angrenzende Nutzungen können dazu führen, dass auf Gehölze verzichtet werden muss. In diesen Bereichen bieten sich alternative Zielvegetationen wie Röhrichte, Hochstaudenfluren oder extensiv gepflegte Wiesen an. Auch diese Vegetationsformen erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Gleichzeitig lassen sie sich häufig besser mit den hydraulischen Anforderungen und den Rahmenbedingungen der Gewässerunterhaltung vereinbaren. In stark genutzten Bereichen – etwa in Ortslagen oder entlang von Wegen – trifft man häufig Rasenflächen an. Diese sind ökologisch deutlich weniger wertvoll und dazu aufwändiger in der Pflege und zudem kaum effektiver als Wiesen, wenn es um die Abflussleistung geht. Entscheidend ist auch hier, die Vegetationsform bewusst festzulegen.

Fazit

Nur wenn Nutzung, Pflegeaufwand und Vegetationsentwicklung von Anfang an zusammen gedacht werden, kann sich langfristig eine konfliktarme Ufervegetation entwickeln. Die Entscheidung für eine Zielvegetation bestimmt somit nicht nur das Erscheinungsbild eines Gewässers, sondern auch den zukünftigen Unterhaltungsaufwand. Wer diese Entscheidung bereits vor der Pflanzung trifft, schafft die Grundlage für funktionsfähige und langfristig pflegearme Gewässerufer.

Naturnahe Gehölzbestände entsprechen der natürlichen Vegetationsentwicklung vieler Gewässerufer. Diese Bestände entwickeln sich weitgehend eigendynamisch und benötigen in der Regel keine Pflege. Voraussetzung dafür ist, dass ausreichend Flächen entlang des Gewässers vorhanden sind.
Bei den Baumbeständen handelt es sich um schmale Gehölzgalerien überwiegend aus standortgerechten Baumarten. Sie stellen einen praktikablen Kompromiss dar, wenn die verfügbaren Flächen am Ufer begrenzt sind.
Strauchbestände bestehen ausschließlich aus Straucharten und bleiben deutlich niedriger als Baumbestände. Gleichzeitig sind sie kurzlebiger und benötigen regelmäßige Verjüngung, um dauerhaft erhalten zu bleiben. Ganz ähnlich sind Kopfweiden eine Sonderform der Ufergehölze, die nur durch Rückschnitt alle 3 bis 5 Jahre erhalten werden können.
Hochstauden sind attraktiv blühende hochwüchsige aber schnittempfindliche Arten. Sie sind eine gute Möglichkeit, Artenvielfalt, Beschattung und Abflussleistung an einem Gewässer zu verbinden.
Röhrichte sind auf Grund der Ausläuferbildung dichte (Dominanz-)Bestände weniger z.T. nur einzelner Arten, die ein Gewässerprofil schnell zuwachsen können.
Wiese ist ein Vegetationstyp, bei dem typische Wiesenarten, also höhere Gräser und Kräuter, die im Sommer auch ansprechend blühen, auf der Uferböschung wachsen und durch ein bis zweimalige Mahd gepflegt werden.
Rasen ist ein Vegetationstyp, der dadurch entsteht, dass sehr häufig gemäht wird und sich robuste niedrige Gräser durchsetzen und Kräuter und schnittempfindliche Gräser zurückgedrängt werden.
An Gewässern, die durch Ufermauern gefasst sind, ist in den meisten Fällen kein Platz für Ufervegetation.

Dr.-Ing. Andreas Stowasser