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Können renaturierte Gewässer etwas gegen die anhaltende Dürre ausrichten?

Letzte Woche habe ich mir den Haselbach in der Gemeinde Haselbachtal in Ostsachsen angeschaut. Dort hat Stowasserplan gemeinsam mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) – Landesverband Sachsen im Oktober 2025 einen Abschnitt des Haselbachs im Rahmen eines Bauseminars renaturiert.

Die Wasserführung im renaturierten Abschnitt ist erstaunlich stabil, und es ist eine Freude, das klare Wasser sprudeln zu sehen und gurgeln zu hören. Die eingebauten ingenieurbiologischen Bauweisen zeigen trotz der anhaltenden Dürre beeindruckenden Zuwachs und führen bereits zur Beschattung und Begrünung der Ufer.

Unser Beispiel Haselbachtal zeigt eindrucksvoll, wie Gewässerrenaturierungen nicht nur die ökologische Situation verbessern, sondern die Fließgewässer auch bei Niedrigwasser widerstandsfähig und vielfältig machen.

Was am Haselbach passiert ist

Der praktische Höhepunkt eines mehrmonatigen gemeinsamen Coachingprogramms von LfULG und DVL war das Bauseminar am 22. Oktober 2025. 21 Teilnehmende werteten an diesem Tag – trotz herbstlich-feuchten Wetters, mit Gummistiefeln und Spaten – einen rund 100 Meter langen Abschnitt des Haselbachs ökologisch auf. Unter fachkundiger Anleitung von Dr. Andreas Stowasser und Katrin Dachsel von Stowasserplan entstanden neue Strukturen, die dem Gewässer mehr Dynamik, Vielfalt und Lebensraum bieten: initiale Erdarbeiten und ingenieurbiologische Bauweisen mit lebenden Baustoffen.

Schon während der Arbeiten reagierte der Bach: Zahlreiche Fische nutzten neugierig die frisch gestalteten Bereiche. Ein Jahr später, mitten in einer der schwersten Dürreperioden der letzten Jahre, ist das Ergebnis noch deutlicher sichtbar.

Die ausführliche Dokumentation des Bauseminars mit vielen Bildern finden Sie hier: Gemeinsam für lebendige Gewässer – Bauseminar am Haselbach

Warum renaturierte Gewässer der Dürre besser trotzen

Der Effekt am Haselbach ist kein Zufall, sondern physikalisch und ökologisch gut erklärbar. Ein naturnah gestaltetes Fließgewässer verhält sich in der Dürre grundlegend anders als ein begradigter, technisch ausgebauter Graben:

Ein geschwungener Verlauf mit strukturierter Sohle verlangsamt den Abfluss. Das Wasser bleibt länger in der Landschaft, statt schnell abzufließen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die Versickerung, und der Grundwasserspiegel in der Aue wird gestützt – genau das Wasser, das dem Bach in Trockenzeiten wieder zusickert und seine Wasserführung stabilisiert.

Die ingenieurbiologischen Bauweisen – Weiden, Gehölze, lebende Ufersicherungen – beschatten das Gewässer. Das senkt die Wassertemperatur, reduziert die Verdunstung und verringert den Stress für Fische und Kleinlebewesen, die bei Niedrigwasser ohnehin unter Sauerstoffmangel und Aufheizung leiden. Gleichzeitig halten Wurzeln und Vegetation die Ufer, statt dass sie bei Trockenrissen und dem nächsten Starkregen erodieren.

Kurz gesagt: Ein renaturierter Bach ist kein starres Bauwerk, sondern ein lebendiges System, das Wasser speichert, kühlt und Extreme abpuffert – bei Dürre ebenso wie bei Hochwasser.

Das ist erst der Anfang

Was hier auf 100 Metern gelungen ist, lässt sich auf ganze Landschaften übertragen. Und genau darum soll es in den kommenden Wochen gehen.

In einer Beitragsreihe zeigen wir, warum die aktuelle Dürre uns alle betrifft – Kommunen, Landwirte, Verbände und jeden, der Verantwortung für Gewässer und Flächen trägt. Wir zeigen, welche Lösungen es gibt, was jede und jeder konkret tun kann, und welche Werkzeuge dabei helfen, vom einzelnen Bachabschnitt zur klimaresilienten Landschaft zu kommen.

Denn eines ist klar: Wir sind der Dürre nicht hilflos ausgeliefert. Wir können handeln – und wir wissen, wie.

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Mehr Informationen
Dr.-Ing. Andreas Stowasser