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Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Dürre 2026 – Was wir tun können” auf dem Gewässerblog. Den Auftakt bildete unser Erfahrungsbericht vom Bauseminar am Haselbach. Den ersten Awareness-Beitrag finden Sie hier: Schifffahrt am Limit, Waldbrände im Hohen Venn – Dürre als Systemkrise.

Es ist August, und die Wiesen sind braun

Wer in diesen Wochen durch Deutschland fährt, sieht es mit bloßem Auge: Die Grünlandflächen sind verbrannt. Was normalerweise um diese Jahreszeit saftiges Futter liefert, ist strohig, trocken, tot. Der dritte Grasschnitt? Komplett ausgefallen. Die Futtersilos? Nicht annähernd voll genug für den Winter.

600 Millionen Euro – und es wird schlimmer

Der Deutsche Raiffeisenverband beziffert die Verluste bei Getreide und Raps seit Mitte Juni auf rund drei Millionen Tonnen – Einnahmeausfälle von etwa 600 Millionen Euro. Die deutsche Getreideernte 2026 wird voraussichtlich auf 40 bis 42 Millionen Tonnen sinken, sieben bis zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Bauernpräsident Rukwied spricht von einer „enttäuschenden Ernte”, regional drohen Totalausfälle.

Doch die Getreideernte ist nur die eine Seite. Für Tierhalter sieht es noch dramatischer aus.

Warum die Dürre Landwirte doppelt trifft

Erstens fehlt das Futter. Der Bayerische Bauernverband meldet: Knapp 80 Prozent der Betriebe bewerten ihr Grünland als mangelhaft bis ungenügend. In Baden-Württemberg stehen 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als üblich. Beim Silomais liegen die Ertragseinbußen im Raum Schwäbisch Hall und Hohenlohe bei 30 bis 50 Prozent.

Zweitens wird der Futterzukauf zur Kostenfalle. Weil die großen Flüsse Niedrigwasser führen, verteuern sich die Transportwege massiv. Die Dürre trifft die Landwirtschaft also doppelt: weniger eigenes Futter und höhere Kosten für zugekauftes.

Die Folgen zeichnen sich ab. In Schwäbisch Hall gibt es Wartelisten bei Schlachthöfen. Ein Mutterkuhhalter berichtet, dass sein Betrieb nur noch 100 Tiere halten kann – zuvor waren es 200. Bio-Betriebe stehen vor einem besonderen Dilemma: Auf den Weiden wächst nichts mehr, aber die Tiere müssen trotzdem hinaus. Öko-Verbände haben eine „Taskforce Dürre” gegründet, die Forderungen nach Soforthilfen und Freigabe von Brachflächen werden lauter.

Wo die Aue intakt ist, bleibt die Wiese grün

Doch inmitten der braunen Landschaft gibt es Flächen, die auffallen. Nicht weil sie bewässert werden, sondern weil sie an naturnahen Gewässern liegen. Dort, wo Bäche nicht begradigt und Auen nicht drainiert wurden, hält sich das Grün deutlich länger. Der Grundwasserspiegel ist höher, die Verdunstung geringer, die Wiesen bleiben produktiv. Unser Beispiel am Hoyerswerdaer Schwarzwasser bei Bautzen zeigt das eindrucksvoll: Am Schwarzwasser sind die Wiesen noch grün – dort, wo wir die Aue zwischen Prischwitz und Dreikretscham renaturiert haben, hält die wiederhergestellte Auenlandschaft das Wasser in der Fläche.

Der Unterschied ist kein Zufall. Naturnahe Gewässer halten Wasser in der Landschaft. Ihre Auen funktionieren wie Schwämme: Bei Regen nehmen sie Wasser auf, bei Trockenheit geben sie es langsam wieder ab. Begradigte und eingetiefte Gräben hingegen leiten das Wasser so schnell wie möglich ab. In Dürrephasen rächt sich das: Der Grundwasserspiegel sinkt, das Grünland trocknet aus, die Futtergrundlage bricht weg.

Diese Zusammenhänge lassen sich gezielt nutzen. Sohlaufhöhungen im Graben, Gewässerrandstreifen, steuerbare Drainagen oder Agroforststreifen entlang von Fließgewässern sind Maßnahmen, die direkt auf dem eigenen Betrieb wirken. Sie kosten verhältnismäßig wenig, brauchen keine großen Genehmigungsverfahren – und ihre Wirkung wird in jeder Dürre sichtbar.

Am Tauchnitzgraben in Sachsen haben wir 2026 ein Pilotprojekt umgesetzt, das zeigt, wie Gewässerrenaturierung und Agroforstsysteme zusammenwirken können. Gehölzstreifen brechen den Wind, reduzieren die Verdunstung und stabilisieren den Wasserhaushalt – während sie gleichzeitig Holzertrag liefern.

Nicht machtlos, sondern handlungsfähig

Die aktuelle Dürre zeigt, wie verwundbar eine Landwirtschaft ist, die auf entwässerten Flächen wirtschaftet. Gleichzeitig zeigt sie, dass es Alternativen gibt – und dass diese dort, wo sie umgesetzt sind, nachweislich funktionieren.

In den kommenden Wochen beschreiben wir auf dem Gewässerblog konkret, was Landwirte, Kommunen und Unterhaltungsverbände jetzt tun können. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht als Großprojekt, sondern als lokale Maßnahme, die auf dem eigenen Betrieb oder im eigenen Einzugsgebiet wirkt.

Denn eines wird immer deutlicher: Die nächste Dürre kommt bestimmt. Die Frage ist nur, ob wir dann besser vorbereitet sind.

Weiterführende Beiträge auf dem Gewässerblog:

Rechts und links des 2023 renaturierten Hoyerswerdaer Schwarzwassers sind die Wiesen auch im August 2026 noch grün.

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Mehr Informationen
Die 2023 renaturierten Abschnitte des Hoyerswerdaer Schwarzwassers halten das Wasser in der Landschaft – davon profitieren auch die Wiesen rechts und links.
Dr.-Ing. Andreas Stowasser