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Ufergehölze zählen zu den prägenden Strukturelementen naturnaher Fließgewässer. Ihre Bedeutung reicht weit über gestalterische und landschaftsästhetische Aspekte hinaus. Für die Gewässerunterhaltung übernehmen sie zentrale ökologische, hydraulische und betriebliche Funktionen. Gleichzeitig stoßen sie bei Anliegern, Bewirtschaftern und Eigentümern häufig auf Ablehnung. Gehölze werden als hinderlich wahrgenommen, verschatten angrenzende Flächen oder gelten als zusätzlicher Pflegeaufwand. Dieses Spannungsfeld prägt den Alltag vieler Unterhaltspflichtiger und stellt eine zentrale Herausforderung für eine langfristig tragfähige Gewässerbewirtschaftung dar.

Funktionen der Ufergehölze

Ufergehölze beeinflussen maßgeblich die physikalischen und biologischen Prozesse im Gewässer. Durch ihre Beschattung begrenzen sie die Erwärmung des Wassers, stabilisieren den Sauerstoffhaushalt und verbessern die Lebensbedingungen für zahlreiche Organismen. Gleichzeitig hemmen beschattete Uferbereiche das Wachstum krautiger Vegetation, die sich in offenen Abschnitten rasch ausbreitet, den Abflussquerschnitt einengt und den Unterhaltungsaufwand erhöht. Über ihre Wurzelsysteme stabilisieren Gehölze die Ufer, mindern Erosion und reduzieren Uferabbrüche. Laubfall, Totholz und strukturreiche Wurzelbereiche erhöhen die Vielfalt der Lebensräume und stärken den Biotopverbund. Damit leisten Ufergehölze einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der ökologischen Ziele der Wasserrahmenrichtlinie.

Darüber hinaus prägen Ufergehölze das Orts- und Landschaftsbild. Sie gliedern den Raum, schaffen Übergänge zwischen Wasser und Land und erhöhen die strukturelle Vielfalt in der Landschaft. Als lineare Elemente stärken sie die Wahrnehmbarkeit des Gewässers und tragen zur Identität von Landschaftsräumen bei. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie Kohlenstoff binden, das lokale Mikroklima ausgleichen und durch Beschattung kühlend auf Gewässer und Umgebung wirken. Damit unterstützen sie sowohl die Lebensqualität für den Menschen als auch die Anpassung an klimatische Extremereignisse.

Bedeutung für den Unterhaltungsaufwand

Auch aus betrieblicher Sicht besitzen Ufergehölze eine hohe Bedeutung. In unbeschatteten Abschnitten wachsen Schilf, Rohrkolben und andere wüchsige Arten schnell in den Gewässerquerschnitt hinein, fördern Verlandungsprozesse und beeinträchtigen den Wasserabfluss. Durch Beschattung werden diese Pflanzen und damit der Bedarf an regelmäßigem Mähen und Krauten deutlich reduziert. Fachgerecht entwickelte und zurückhaltend gepflegte Ufergehölze können den Unterhaltungsaufwand somit nachhaltig reduzieren, ohne den Hochwasserabfluss grundsätzlich zu behindern. Voraussetzung dafür ist eine fachgerechte und zurückhaltende Pflege, die die Funktionen der Gehölze erhält und ihre langfristige Entwicklung sichert. Mehr zur Pflege von Ufergehölzen können Sie in unseren bisherigen Beiträgen nachlesen. Informationen, wie Sie über angepasste Planung und Zielvegetation von vornherein Akzeptanz ermöglichen, erfahren Sie in einem unserer nächsten Beiträge.

Herausforderung Kommunikation

Dennoch sind trotz klarer fachlicher und rechtlicher Grundlagen Konflikte in der Praxis häufig. Befürchtungen zu Flächenverlust, Verschattung oder zusätzlichem Pflegeaufwand überlagern oft die funktionalen Vorteile. Erfahrungen aus Planung und Umsetzung zeigen, dass ökologische und rechtliche Argumente allein selten ausreichen. Entscheidend sind transparente Kommunikation, die frühzeitige Einbindung betroffener Akteure und nachvollziehbare Pflegekonzepte. Ufergehölze sollten nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Beitrag zur stabilen Gewässerentwicklung und Reduzierung des langfristigen Unterhaltungsaufwands vermittelt werden.

Das Augenmerk ist also vielmehr auf gute Kommunikation zu richten als auf das Fachwissen rund um die Gehölze. Dabei haben sich folgende Grundsätze bewährt:

  • frühzeitige und offene Einbindung von Anliegern, Eigentümern und Bewirtschaftern
  • Dialog auf Augenhöhe mit wertschätzender, fachlich fundierter Argumentation
  • klare und verbindliche Absprachen zu Zuständigkeiten und Abläufen
  • transparente Darstellung von Entscheidungen, Maßnahmen und deren Grundlagen

Treten dennoch Konflikte auf, helfen sachliche Aufnahme von Kritik, Ernstnehmen der Bedenken, fachliche Untermauerung durch Gutachten oder rechtliche Grundlagen sowie die Prüfung von Anpassungen der Maßnahmen. Getroffene Vereinbarungen sollten dazu stets schriftlich festgehalten werden.

Fazit

Ufergehölze sind ein unverzichtbarer Bestandteil eines zukunftsfähigen Gewässermanagements. Sie verbinden ökologische Funktionen, Klimaschutz und landschaftliche Qualität mit wirtschaftlichen Vorteilen für die Kommunen. Voraussetzung für ihren dauerhaften Erhalt ist ein Umgang, der fachliche Anforderungen mit Akzeptanz, Kommunikation und nachvollziehbarer Pflege verbindet. Nur so lassen sich Konflikte reduzieren und Gewässer als lebendige und lebenswerte Bestandteile des Lebensumfeldes wahrnehmen.

Ohne Beschattung wächst das Gewässerprofil komplett zu, der Wasserabfluss wird stark behindert und es muss mindestens einmal jährlich aufwändig und kostenintensiv gemäht und freigeräumt werden.
In einem beschatteten Gewässer wachsen so gut wie keine krautigen Pflanzen, das Wasser ist schön kühl und es müssen kaum Maßnahmen zur Freihaltung des Abflusses durchgeführt werden.
In alle geplanten Maßnahmen sollten die betroffenen Akteure wie Eigentümer, Anlieger und Bewirtschafter frühzeitig eingebunden werden.
Bei fachgerechter Planung und Pflege (z.B. „Auf-den-Stock-setzen“) können Gehölze so entwickelt werden, dass wenig Auswirkungen auf angrenzende Nutzungen entstehen.
Bei diesem Beispiel für eine Maßnahme im Rahmen der Gewässerunterhaltung konnte der innerörtliche Abschnitt die notwendige Abflussleistung nicht mehr erfüllen.
Durch einfache Modellierungsarbeiten und Anlage eines schmalen, einseitigen Ufergehölzbestandes kann das Gewässer mit seinen Ufergehölzen die notwendigen Funktionen erfüllen, und angrenzende Nutzungen wie diese Straße werden nicht beeinträchtigt.
Dr.-Ing. Andreas Stowasser