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Praxisimpulse zur klimaangepassten Gewässerentwicklung und -unterhaltung

Langanhaltende Trockenphasen, steigende Temperaturen und ein geschwächter Landschaftswasserhaushalt stellen Fließgewässer zunehmend vor große Herausforderungen. Der ökologische Zustand vieler Gewässer leidet spürbar unter den Klimaveränderungen – mit Auswirkungen auf Artenvielfalt, Nutzungsmöglichkeiten am und im Gewässer sowie die Lebensqualität der Menschen.

Im Rahmen eines landesweiten Projekts im Freistaat Thüringen hat das Planungsbüro Stowasserplan praxisorientierte Grundlagen und Handlungsanleitungen entwickelt, um die Resilienz von Fließgewässern gegenüber den Folgen des Klimawandels gezielt zu stärken. Aufbauend auf bestehenden Planungen und Handlungsanleitungen des Freistaats entstand ein Maßnahmenkatalog mit konkreten Hinweisen für eine klimaangepasste Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dieser ergänzt die Bemühungen in Thüringen zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie.

Im Zentrum des Projekts standen drei Bausteine:

  • ein Katalog mit speziellen Klimaanpassungsmaßnahmen am Gewässer,
  • eine auf Thüringen zugeschnittene Methodik zur Maßnahmenzuordnung,
  • sowie Anforderungen an eine angepasste Gewässerunterhaltung in Niedrigwasserphasen.

Besonderer Fokus lag auf der Förderung naturnaher Strukturen, wie beschatteter Uferbereiche, vernetzter Rückzugsräume für Fische und Wirbellose sowie der Stabilisierung des Wasserhaushalts durch gezielten Wasserrückhalt. Denn wissenschaftliche Studien belegen: Je naturnäher ein Gewässer ist, desto besser kann es Klimastress ausgleichen.

Ein weiterer Meilenstein war die Integration des Thüringer Niedrigwasser-Warnstufenmanagements. Dieses ermöglicht es, Unterhaltungsmaßnahmen je nach Wasserstand flexibel und gewässerschonend umzusetzen.

Für die Anwendung in der Praxis wurde sichergestellt, dass die Ergebnisse digital nutzbar sind – u. a. über die Softwarelösung PROGEMIS®, die eine Planung, Umsetzung und Dokumentation der Maßnahmen erleichtert.

Das Projekt macht deutlich: Klimaanpassung an Fließgewässern ist machbar – und es lohnt sich. Für die Umwelt. Für die Menschen. Und für eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung.

In einem naturnahen Gewässer mit Ufergehölzbestand ist ausreichend Beschattung und sind genügend geeignete Rückzugsstrukturen vorhanden, in denen die Arten Hitze- und Trockenperioden überdauern können.
Strukturarme und gehölzfreie Gewässer sind demgegenüber überlebensfeindlich. Das Risiko einer kompletten Austrocknung ist sehr hoch.
In gehölzfreien und permanent Wasser führenden Gewässern sollten die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen nicht durch zu intensive Pflege noch verschärft werden. Durch Etablierung von Ufergehölzen könnten der Hitzestress im Gewässer und sogar der Unterhaltungsaufwand reduziert werden.
Sind Gehölzbestände am Gewässer nicht möglich, ist mit dem krautigen Aufwuchs sorgsam umzugehen. Bei Maßnahmen zur Abflussfreihaltung ist möglichst stromlinienförmig zu pflegen und sind die Bereiche entlang der Ufer als Rückzugsräume zu erhalten.

Dr.-Ing. Andreas Stowasser