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Wenn verschiedene wasserwirtschaftliche Aufgaben – vom Hochwasserschutz über die ökologische Entwicklung bis zur Siedlungsentwässerung – gemeinsam gedacht werden, kann deutlich mehr als in Summe der Einzelplanungen erreicht werden. Genau diesen Ansatz verfolgt die Landeshauptstadt Dresden mit dem integrierten Gewässerentwicklungsplan für das Einzugsgebiet des Roten Grabens. Zwischen September 2021 und August 2025 wurde für die 31,2 km Fließgewässer 2. Ordnung sowie 16 Standgewässer im Untersuchungsgebiet ein Konzept erarbeitet, das einem Grundgedanken folgt: Nur wenn ökologische, hydraulische und stadttechnische Anforderungen zusammengeführt werden, können Mehrwerte geschaffen werden und zukunftsfähige Lösungen entstehen. Deshalb basiert das Konzept auf mehreren Leitprinzipien und nutzt zur Erfassung aller Bestände und Potenziale sowie der Planung von Maßnahmen moderne Tools wie PROGEMIS®.

Gewässerentwicklung – Natur stärken, Vielfalt fördern

Durch gezielte Entwicklungsmaßnahmen entstehen an Fließ- wie auch Standgewässern:

  • naturnahe Strukturen, verbesserte Gewässerräume und durchgängige Laufstrecken, die als hochwertige Lebensräume dienen,
  • mehr Biodiversität,
  • resiliente Ökosysteme entlang des gesamten Gewässerlaufes,
  • Erlebnisbereiche an Gewässern als soziokulturelle Ökosystemleistung.

Die festgelegten Maßnahmen orientieren sich an Entwicklungszielen nach dem Strahlwirkungs- und Trittsteinkonzept und unterstützen sowohl die WRRL-Zielerreichung als auch lokale ökologische Prioritäten.

Hochwasserschutz – Sicherheit durch natürliche Prozesse

Hochwasserschutz funktioniert heute am besten, wenn er alle Landschaftsbestandteile sinnvoll integriert. Für den Roten Graben entstehen Synergien u. a. durch:

  • ganzheitliche Betrachtung des Einzugsgebiets,
  • neue oder erweiterte Retentionsräume,
  • verbesserte Abflussdynamik,
  • Entlastung neuralgischer Bereiche,
  • Reduktion hydraulischer Spitzen.

Naturnahe Gewässerentwicklung wirkt damit nicht nur ökologisch, sondern auch als nachhaltige Schutzmaßnahme.

Siedlungsentwässerung – Kanalnetz entlasten, Mischwasser reduzieren

Durch die Verknüpfung mit der Siedlungsentwässerung ergeben sich zusätzliche Vorteile:

  • Reduzierung von Einleitmengen in den Roten Graben,
  • Entlastung der Kanalisation bei Starkregen,
  • bessere Abstimmung zwischen Oberflächenabfluss, Gewässer und kommunaler Infrastruktur.

Gerade im urban geprägten Raum ist diese Dreifachintegration ein entscheidender Schritt hin zu klimaresilienten Städten.

Ein Konzept, das Kosten spart und gleichzeitig Zukunft gestaltet

Durch die integrierte Maßnahmenplanung entstehen nicht nur ökologische und hydraulische Vorteile, sondern auch wirtschaftliche:

  • Maßnahmen können mehrfach wirken und sind besser miteinander abgestimmt,
  • Flächen werden effizient genutzt,
  • Überschneidungen werden vermieden,
  • investive Mittel werden optimal eingesetzt.

Mit dem integrierten Gewässerentwicklungsplan für den Roten Graben setzt Dresden ein starkes Zeichen und entwickelt nachhaltige Lösungen, die Natur, Stadt und Menschen gleichermaßen zugutekommen.

Naturnaher Gewässerabschnitt des Roten Grabens in der Dresdner Heide
Roter Graben in schmalem Kastenprofil oh. Badstraße im Ortsteil Langebrück. Geplant ist hier die Herstellung eines naturnahen Gewässerprofils mit Profilaufweitung zur Verbesserung der Abflussleistung und des ökologischen Zustandes.
Roter Graben in Kastenprofil uh. Einmündung Forellenbach. Hier sind der Rückbau der Ufermauern und eine naturnahe Gestaltung vorgesehen.
Dr.-Ing. Andreas Stowasser