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Rückblick auf die erste Online-Seminarreihe „Gewässermanagement“

Rückblick auf die erste Online-Seminarreihe „Gewässermanagement“

Die Anforderungen an ein modernes Gewässermanagement sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Förderung der biologischen Vielfalt und der effiziente Einsatz kommunaler Ressourcen müssen heute gemeinsam gedacht und umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund hat Stowasserservice das bundesweit ausgerichtete Online-Seminar „Gewässermanagement“ durchgeführt.

Das Seminar richtete sich an Mitarbeitende aus Kommunen, Behörden und Fachinstitutionen, die in der Gewässerunterhaltung und -entwicklung tätig sind. Ziel war es, fachliche Kompetenzen zu vertiefen, aktuelle Themen zu diskutieren und durch Vernetzung zum Erfahrungsaustausch beizutragen. Daneben wurde auch an einer gemeinsamen fachlichen und strategischen Basis für Planung, Management und Abstimmungsprozesse gearbeitet.

Ein zentraler Bestandteil des Seminars war der Einsatz digitaler Werkzeuge für das Gewässermanagement. Die Teilnehmenden erhielten eine Einführung in die Software PROGEMIS® und deren Anwendungsmöglichkeiten für Planung, Dokumentation und Kommunikation von Maßnahmen der Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Die Rückmeldungen zeigen, dass die Software als zeitgemäß und funktional wahrgenommen wird. Insbesondere für Kommunen bietet sie neue Möglichkeiten, Maßnahmen am Gewässer strukturierter und zielgerichteter umzusetzen als in den bisherigen Arbeitsweisen.

Hier ein paar Stimmen zum Seminar:

„Mir hat der Kurs auf jeden Fall sehr viel gebracht. Die Funktionen der Software PROGEMIS passen sehr gut zu den Aufgaben und Notwendigkeiten einer Organisation unserer Größe.“

„Das Programm ist sehr intuitiv bedienbar und es hat viele hilfreiche Funktionen, die man kennen muss, wofür eine Einführung, wie z.B. die Teilnahme an diesem Seminar, sehr hilfreich war.„

„Mit Hilfe der Software kann ich mehr Themen und Maßnahmen der Gewässerunterhaltung und Entwicklung umsetzen als bisher in analoger Form. Ich kann gezielter arbeiten, dokumentieren und kommunizieren.“

„Es wurde sich Zeit für die Themen und die Teilnehmerfragen genommen.“

„Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Die nächste Seminarreihe startet im 2. Quartal 2026. Wenn Sie mehr über den detaillierten Inhalt des Seminars erfahren wollen, lesen Sie hier weiter.

Unerwünscht und unverzichtbar?! Ufergehölze zwischen Akzeptanzkonflikten und fachlicher Notwendigkeit

Unerwünscht und unverzichtbar?! Ufergehölze zwischen Akzeptanzkonflikten und fachlicher Notwendigkeit

Ufergehölze zählen zu den prägenden Strukturelementen naturnaher Fließgewässer. Ihre Bedeutung reicht weit über gestalterische und landschaftsästhetische Aspekte hinaus. Für die Gewässerunterhaltung übernehmen sie zentrale ökologische, hydraulische und betriebliche Funktionen. Gleichzeitig stoßen sie bei Anliegern, Bewirtschaftern und Eigentümern häufig auf Ablehnung. Gehölze werden als hinderlich wahrgenommen, verschatten angrenzende Flächen oder gelten als zusätzlicher Pflegeaufwand. Dieses Spannungsfeld prägt den Alltag vieler Unterhaltspflichtiger und stellt eine zentrale Herausforderung für eine langfristig tragfähige Gewässerbewirtschaftung dar.

Funktionen der Ufergehölze

Ufergehölze beeinflussen maßgeblich die physikalischen und biologischen Prozesse im Gewässer. Durch ihre Beschattung begrenzen sie die Erwärmung des Wassers, stabilisieren den Sauerstoffhaushalt und verbessern die Lebensbedingungen für zahlreiche Organismen. Gleichzeitig hemmen beschattete Uferbereiche das Wachstum krautiger Vegetation, die sich in offenen Abschnitten rasch ausbreitet, den Abflussquerschnitt einengt und den Unterhaltungsaufwand erhöht. Über ihre Wurzelsysteme stabilisieren Gehölze die Ufer, mindern Erosion und reduzieren Uferabbrüche. Laubfall, Totholz und strukturreiche Wurzelbereiche erhöhen die Vielfalt der Lebensräume und stärken den Biotopverbund. Damit leisten Ufergehölze einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der ökologischen Ziele der Wasserrahmenrichtlinie.

Darüber hinaus prägen Ufergehölze das Orts- und Landschaftsbild. Sie gliedern den Raum, schaffen Übergänge zwischen Wasser und Land und erhöhen die strukturelle Vielfalt in der Landschaft. Als lineare Elemente stärken sie die Wahrnehmbarkeit des Gewässers und tragen zur Identität von Landschaftsräumen bei. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie Kohlenstoff binden, das lokale Mikroklima ausgleichen und durch Beschattung kühlend auf Gewässer und Umgebung wirken. Damit unterstützen sie sowohl die Lebensqualität für den Menschen als auch die Anpassung an klimatische Extremereignisse.

Bedeutung für den Unterhaltungsaufwand

Auch aus betrieblicher Sicht besitzen Ufergehölze eine hohe Bedeutung. In unbeschatteten Abschnitten wachsen Schilf, Rohrkolben und andere wüchsige Arten schnell in den Gewässerquerschnitt hinein, fördern Verlandungsprozesse und beeinträchtigen den Wasserabfluss. Durch Beschattung werden diese Pflanzen und damit der Bedarf an regelmäßigem Mähen und Krauten deutlich reduziert. Fachgerecht entwickelte und zurückhaltend gepflegte Ufergehölze können den Unterhaltungsaufwand somit nachhaltig reduzieren, ohne den Hochwasserabfluss grundsätzlich zu behindern. Voraussetzung dafür ist eine fachgerechte und zurückhaltende Pflege, die die Funktionen der Gehölze erhält und ihre langfristige Entwicklung sichert. Mehr zur Pflege von Ufergehölzen können Sie in unseren bisherigen Beiträgen nachlesen. Informationen, wie Sie über angepasste Planung und Zielvegetation von vornherein Akzeptanz ermöglichen, erfahren Sie in einem unserer nächsten Beiträge.

Herausforderung Kommunikation

Dennoch sind trotz klarer fachlicher und rechtlicher Grundlagen Konflikte in der Praxis häufig. Befürchtungen zu Flächenverlust, Verschattung oder zusätzlichem Pflegeaufwand überlagern oft die funktionalen Vorteile. Erfahrungen aus Planung und Umsetzung zeigen, dass ökologische und rechtliche Argumente allein selten ausreichen. Entscheidend sind transparente Kommunikation, die frühzeitige Einbindung betroffener Akteure und nachvollziehbare Pflegekonzepte. Ufergehölze sollten nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Beitrag zur stabilen Gewässerentwicklung und Reduzierung des langfristigen Unterhaltungsaufwands vermittelt werden.

Das Augenmerk ist also vielmehr auf gute Kommunikation zu richten als auf das Fachwissen rund um die Gehölze. Dabei haben sich folgende Grundsätze bewährt:

  • frühzeitige und offene Einbindung von Anliegern, Eigentümern und Bewirtschaftern
  • Dialog auf Augenhöhe mit wertschätzender, fachlich fundierter Argumentation
  • klare und verbindliche Absprachen zu Zuständigkeiten und Abläufen
  • transparente Darstellung von Entscheidungen, Maßnahmen und deren Grundlagen

Treten dennoch Konflikte auf, helfen sachliche Aufnahme von Kritik, Ernstnehmen der Bedenken, fachliche Untermauerung durch Gutachten oder rechtliche Grundlagen sowie die Prüfung von Anpassungen der Maßnahmen. Getroffene Vereinbarungen sollten dazu stets schriftlich festgehalten werden.

Fazit

Ufergehölze sind ein unverzichtbarer Bestandteil eines zukunftsfähigen Gewässermanagements. Sie verbinden ökologische Funktionen, Klimaschutz und landschaftliche Qualität mit wirtschaftlichen Vorteilen für die Kommunen. Voraussetzung für ihren dauerhaften Erhalt ist ein Umgang, der fachliche Anforderungen mit Akzeptanz, Kommunikation und nachvollziehbarer Pflege verbindet. Nur so lassen sich Konflikte reduzieren und Gewässer als lebendige und lebenswerte Bestandteile des Lebensumfeldes wahrnehmen.

Ohne Beschattung wächst das Gewässerprofil komplett zu, der Wasserabfluss wird stark behindert und es muss mindestens einmal jährlich aufwändig und kostenintensiv gemäht und freigeräumt werden.
In einem beschatteten Gewässer wachsen so gut wie keine krautigen Pflanzen, das Wasser ist schön kühl und es müssen kaum Maßnahmen zur Freihaltung des Abflusses durchgeführt werden.
In alle geplanten Maßnahmen sollten die betroffenen Akteure wie Eigentümer, Anlieger und Bewirtschafter frühzeitig eingebunden werden.
Bei fachgerechter Planung und Pflege (z.B. „Auf-den-Stock-setzen“) können Gehölze so entwickelt werden, dass wenig Auswirkungen auf angrenzende Nutzungen entstehen.
Bei diesem Beispiel für eine Maßnahme im Rahmen der Gewässerunterhaltung konnte der innerörtliche Abschnitt die notwendige Abflussleistung nicht mehr erfüllen.
Durch einfache Modellierungsarbeiten und Anlage eines schmalen, einseitigen Ufergehölzbestandes kann das Gewässer mit seinen Ufergehölzen die notwendigen Funktionen erfüllen, und angrenzende Nutzungen wie diese Straße werden nicht beeinträchtigt.

Frohe Weihnachten wünschen Stowasserplan und Stowasserservice!

Seegraben in Niesky
Tauchnitzgraben Gemeinde Lossatal
Pleißenbach in Chemnitz
Pösgraben in Großpösna

Gewässerentwicklungsplan Roter Graben: Wie Dresden Synergien von Naturschutz, Hochwasserschutz und Siedlungsentwässerung nutzt!

Gewässerentwicklungsplan Roter Graben: Wie Dresden Synergien von Naturschutz, Hochwasserschutz und Siedlungsentwässerung nutzt!

Wenn verschiedene wasserwirtschaftliche Aufgaben – vom Hochwasserschutz über die ökologische Entwicklung bis zur Siedlungsentwässerung – gemeinsam gedacht werden, kann deutlich mehr als in Summe der Einzelplanungen erreicht werden. Genau diesen Ansatz verfolgt die Landeshauptstadt Dresden mit dem integrierten Gewässerentwicklungsplan für das Einzugsgebiet des Roten Grabens. Zwischen September 2021 und August 2025 wurde für die 31,2 km Fließgewässer 2. Ordnung sowie 16 Standgewässer im Untersuchungsgebiet ein Konzept erarbeitet, das einem Grundgedanken folgt: Nur wenn ökologische, hydraulische und stadttechnische Anforderungen zusammengeführt werden, können Mehrwerte geschaffen werden und zukunftsfähige Lösungen entstehen. Deshalb basiert das Konzept auf mehreren Leitprinzipien und nutzt zur Erfassung aller Bestände und Potenziale sowie der Planung von Maßnahmen moderne Tools wie PROGEMIS®.

Gewässerentwicklung – Natur stärken, Vielfalt fördern

Durch gezielte Entwicklungsmaßnahmen entstehen an Fließ- wie auch Standgewässern:

  • naturnahe Strukturen, verbesserte Gewässerräume und durchgängige Laufstrecken, die als hochwertige Lebensräume dienen,
  • mehr Biodiversität,
  • resiliente Ökosysteme entlang des gesamten Gewässerlaufes,
  • Erlebnisbereiche an Gewässern als soziokulturelle Ökosystemleistung.

Die festgelegten Maßnahmen orientieren sich an Entwicklungszielen nach dem Strahlwirkungs- und Trittsteinkonzept und unterstützen sowohl die WRRL-Zielerreichung als auch lokale ökologische Prioritäten.

Hochwasserschutz – Sicherheit durch natürliche Prozesse

Hochwasserschutz funktioniert heute am besten, wenn er alle Landschaftsbestandteile sinnvoll integriert. Für den Roten Graben entstehen Synergien u. a. durch:

  • ganzheitliche Betrachtung des Einzugsgebiets,
  • neue oder erweiterte Retentionsräume,
  • verbesserte Abflussdynamik,
  • Entlastung neuralgischer Bereiche,
  • Reduktion hydraulischer Spitzen.

Naturnahe Gewässerentwicklung wirkt damit nicht nur ökologisch, sondern auch als nachhaltige Schutzmaßnahme.

Siedlungsentwässerung – Kanalnetz entlasten, Mischwasser reduzieren

Durch die Verknüpfung mit der Siedlungsentwässerung ergeben sich zusätzliche Vorteile:

  • Reduzierung von Einleitmengen in den Roten Graben,
  • Entlastung der Kanalisation bei Starkregen,
  • bessere Abstimmung zwischen Oberflächenabfluss, Gewässer und kommunaler Infrastruktur.

Gerade im urban geprägten Raum ist diese Dreifachintegration ein entscheidender Schritt hin zu klimaresilienten Städten.

Ein Konzept, das Kosten spart und gleichzeitig Zukunft gestaltet

Durch die integrierte Maßnahmenplanung entstehen nicht nur ökologische und hydraulische Vorteile, sondern auch wirtschaftliche:

  • Maßnahmen können mehrfach wirken und sind besser miteinander abgestimmt,
  • Flächen werden effizient genutzt,
  • Überschneidungen werden vermieden,
  • investive Mittel werden optimal eingesetzt.

Mit dem integrierten Gewässerentwicklungsplan für den Roten Graben setzt Dresden ein starkes Zeichen und entwickelt nachhaltige Lösungen, die Natur, Stadt und Menschen gleichermaßen zugutekommen.

Naturnaher Gewässerabschnitt des Roten Grabens in der Dresdner Heide
Roter Graben in schmalem Kastenprofil oh. Badstraße im Ortsteil Langebrück. Geplant ist hier die Herstellung eines naturnahen Gewässerprofils mit Profilaufweitung zur Verbesserung der Abflussleistung und des ökologischen Zustandes.
Roter Graben in Kastenprofil uh. Einmündung Forellenbach. Hier sind der Rückbau der Ufermauern und eine naturnahe Gestaltung vorgesehen.
Totholz an Fließgewässern – wertvoll oder störender Unrat?

Totholz an Fließgewässern – wertvoll oder störender Unrat?

Was auf den ersten Blick nach Wegräumen ruft, ist zentrales Element lebendiger Gewässerökosysteme: Totholz. Abgebrochene Äste, tote Wurzelstöcke oder umgestürzte Bäume prägen die Struktur naturnaher Fließgewässer entscheidend. Sie bremsen die Strömung, lenken sie um und sorgen so für Kolke und Kiesbänke. Auf diese Weise entstehen vielfältige Lebensräume. Fische finden darin Deckung, Insekten siedeln sich an und Mikroorganismen zersetzen das Holz zu Nährstoffen.
Trotz dieser ökologischen Bedeutung wird Totholz vielerorts kritisch gesehen. Unterhaltungspflichtige befürchten Abflussbehinderungen und Schäden bei Hochwasser. Manch einer empfindet ein „aufgeräumtes“ Bachbett als einzig richtig. Doch gerade die scheinbare Unordnung ist Ausdruck natürlicher Dynamik und ein Zeichen für ein lebendiges, sich selbst entwickelndes Gewässer.

Was ist Totholz?

Totholz entsteht durch Sturmschäden, Schneelastbruch, Uferabbrüche oder altersbedingtes Absterben von Ufergehölzen. Dabei kann es sich um einzelne Äste, Kronenteile, Stämme, Wurzelstubben oder ganze Bäume handeln. Je nach Größe, Gewicht und Lage zur Strömung kann es lagestabil sein oder mit der Strömung fortbewegt werden.

Bedeutung für die Ökologie

Zu den wertvollen Strukturelementen im Gewässer gehören Totholz, Treib- und Schwemmgut sowie krautige Pflanzenteile und Laub, die im Gewässer transportiert werden. Die damit verbundenen Lebensräume ermöglichen eine Besiedlung durch zahlreiche Arten, die für einen guten ökologischen Zustand relevant sind.
Totholz dient vielen aquatischen Organismen als Lebensraum, Nahrungsquelle, Fortpflanzungs- und Rückzugsort. Es differenziert die Strömung, verändert die Substratverteilung und fördert die Tiefen- und Breitenvariabilität. Zudem erhöht es die hydraulische Rauigkeit, wirkt als Rückhalt für Geschiebe und organisches Material und sorgt so für fließende Retention. Ein hoher Totholzanteil kann zudem einer unerwünschten Sohlenerosion entgegenwirken und so zur morphologischen Stabilisierung beitragen.
All diese Prozesse sorgen für Struktur- und Habitatvielfalt und somit für einen sich selbst verstärkenden ökologischen Nutzen.

Auswirkungen auf den Hochwasserschutz

Nicht lagestabiles, vom Gewässer fortgetragenes Totholz sammelt sich in der Regel an Engstellen, da es dort nicht weiterkommt. Kleinere Mengen sind in der Regel unkritisch. Je mehr sich jedoch ansammelt und je größer die Aststücke sind, desto eher können Totholzpfropfen bzw. sogenannte Verklausungen entstehen. Diese führen bei Hochwasser zu Aufstau, Turbulenzen und lokalen Überflutungen. An Brücken, Durchlässen oder Bauwerken besteht hierbei ein erhöhtes Schadenspotenzial durch Unterspülung, Überflutung oder Aufprall. Diese Risiken dürfen nicht ignoriert werden.
Gleichzeitig fördern Totholzstrukturen die fließende Retention, indem sie durch ihre Rauigkeit die Fließgeschwindigkeit reduzieren und somit die natürliche Rückhaltefähigkeit des Abflusses im Gewässer erhöhen. Darüber hinaus unterstützen sie eigendynamische Entwicklungen, die langfristig auch den Hochwasserschutz stabilisieren können.

Umgang mit Totholz

Für den Umgang mit Totholz ist entscheidend, ob es den Abfluss behindern oder Schäden verursachen kann. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit der Verdriftung sowie dem Schadenspotenzial angrenzender Nutzungen.
Grundsätzlich gilt: Totholz sollte, wo möglich, immer im Gewässer verbleiben. Das unbegründete Entfernen kann sogar eine Ordnungswidrigkeit darstellen. Statt einer pauschalen Beräumung ist daher eine differenzierte Prüfung erforderlich.
Wo keine unmittelbare Gefahr besteht, sollte Totholz als wichtiges ökologisches und hydromorphologisches Strukturelement in seiner Funktionsfähigkeit erhalten bleiben. Besteht die Gefahr einer Schadensauslösung durch Verdriftung oder Rückstau, kann es umgelagert oder gesichert werden – etwa durch Verspannung, Teilvergrabung oder den Einbau mit ingenieurbiologischen Bauweisen wie Totholzbuhnen, Totholzpackungen (Benjeshecken), Totfaschinen oder Abweisern. So bleibt die Strukturwirkung erhalten, ohne den Abfluss oder angrenzende Nutzungen zu gefährden. Abhilfe kann auch ein oberhalb von sensiblen Nutzungen angeordneter, beräumbarer Totholzfang schaffen. Dieser bietet die Möglichkeit, das Material in naturnahen Abschnitten einfach liegen zu lassen, da es sich bei Verdriftung am Totholzfang sammelt und dann einfach beräumt werden kann.

Fehler im Umgang mit Totholz

Häufig wird im und am Gewässer liegendes Totholz vorsorglich entfernt, um jegliche Schäden und Verklausungen zu vermeiden. Dies führt jedoch zu einer Verarmung der Gewässerstruktur und kann Erosionsprozesse verstärken. Regelmäßige Kontrollgänge würden dabei helfen, Entwicklungen zu beobachten und bei Bedarf rechtzeitig einzugreifen. Eine einfache Zustandsdokumentation schafft dabei Rechtssicherheit und unterstützt eine nachvollziehbare Unterhaltungspraxis. Eine differenzierte Gefahreneinschätzung kommt häufig zu dem Ergebnis, dass Totholz in vielen Bereichen einfach liegen gelassen werden kann.

Fazit

Totholz ist kein Müll, sondern ein wertvolles Gestaltungselement naturnaher Fließgewässer. Es verbessert die Strukturvielfalt, stabilisiert Ufer und Sohle und schafft wertvolle Lebensräume. Für die Gewässerunterhaltung bedeutet das: Nicht jedes Stück Totholz stellt ein Risiko dar. Ein umsichtiges und ökologisch orientiertes Totholzmanagement verbindet Funktionssicherheit mit einer lebendigen Gewässerentwicklung.

Umgestürzte oder entwurzelte Bäume bieten am Ufer oder im Gewässer ein hohes eigendynamisches Entwicklungspotenzial und sollten nach Möglichkeit erhalten werden.
Stellen vom Wasser transportierte Totholzteile eine Gefahr für gewässerabwärts gelegene Bauwerke oder Siedlungsabschnitte dar, muss dafür gesorgt werden, dass sie nicht dahin gelangen.
Totholzverklausungen sind immer ökologisch durchgängig. Sie stellen kein Hindernis im Sinne der ökologischen Durchgängigkeit dar und können in naturnahen Abschnitten belassen werden.
Die Befestigung eines umgestürzten Baumes kann durch Eingraben des Stammes und einer Drahtverspannung an Pfählen erfolgen.
Astwerk und kleinere Totholzteile können flächig mit Pflöcken und kreuzweisen Drahtverspannungen fixiert und so gegen Abtrieb gesichert werden.
Zusammengetragenes Totholz kann als dichte Packung zwischen eng eingeschlagenen Pfählen eingebaut werden.