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Zielvegetation an Fließgewässern – nicht ohne Planung vor der Pflanzung!

Zielvegetation an Fließgewässern – nicht ohne Planung vor der Pflanzung!

Pflanzen brauchen Lebensraum. Dieser einfache Grundsatz gilt auch an Fließgewässern. Je nach Art sind damit ein unterschiedlicher Platzbedarf und eine unterschiedliche Funktionalität verbunden. Die Ufervegetation soll möglichst viele Funktionen erfüllen: das Gewässer beschatten, das Ufer stabilisieren, Lebensräume schaffen und das Landschaftsbild gestalten. Gleichzeitig trifft sie auf unterschiedliche Anforderungen wie Hochwasserschutz, Gewässerunterhaltung, angrenzende Nutzungen oder Naherholung. Damit sich daraus keine Konflikte entwickeln, sollte die Vegetation nicht zufällig entstehen, sondern gezielt geplant und angelegt werden. Dabei ist die Festlegung der sogenannten Zielvegetation entscheidend.

Was ist die Zielvegetation?

Der Begriff beschreibt die grundlegende Vegetationsstruktur, die sich an einem Gewässerabschnitt langfristig entwickeln soll. Sie legt noch keine konkreten Pflanzenarten fest, sondern definiert allein die Form des zukünftigen Bestands. Diese Entscheidung ist von zentraler Bedeutung, da sie bestimmt, wie sich der Bewuchs entwickelt, wie stark er den Abfluss beeinflusst und welcher Pflegeaufwand später entsteht.

In der Praxis werden jedoch häufig Gehölze gepflanzt, ohne dass diese Fragen im Vorfeld beantwortet werden. Einige Jahre später entstehen dann oft Konflikte, beispielsweise durch zu dichten Bewuchs, eine eingeschränkte Abflussleistung oder einen hohen Pflegebedarf. Viele dieser Probleme lassen sich vermeiden, wenn bereits bei der Anlage klar festgelegt wird, welche Vegetationsform an einem Standort dauerhaft sinnvoll ist.

Welche Zielvegetationstypen gibt es?

Grundsätzlich lassen sich mehrere Zielvegetationstypen unterscheiden. Dazu gehören naturnahe Gehölzbestände, Baumbestände und Strauchbestände sowie Vegetationsformen ohne Gehölze, wie Röhrichte, Hochstaudenfluren oder Wiesen. Für die Entwicklung von Ufergehölzbeständen sind vor allem die ersten drei Typen relevant. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen beispielhaft die einzelnen Zielvegetationstypen.

Wie plant man Zielvegetation?

Welche Zielvegetation geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Von entscheidender Bedeutung sind die Abflussleistung des Gewässerprofils, angrenzende Nutzungen, die verfügbare Fläche sowie das Entwicklungspotenzial des Gewässers. Grundsätzlich gilt: Je extensiver die Nutzung im Umfeld ist, desto naturnäher kann auch die Vegetation entwickelt werden.

Nicht an jedem Gewässerabschnitt sind Gehölze sinnvoll oder möglich. Enge Profile, hohe Anforderungen an die Abflussleistung oder intensive angrenzende Nutzungen können dazu führen, dass auf Gehölze verzichtet werden muss. In diesen Bereichen bieten sich alternative Zielvegetationen wie Röhrichte, Hochstaudenfluren oder extensiv gepflegte Wiesen an. Auch diese Vegetationsformen erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Gleichzeitig lassen sie sich häufig besser mit den hydraulischen Anforderungen und den Rahmenbedingungen der Gewässerunterhaltung vereinbaren. In stark genutzten Bereichen – etwa in Ortslagen oder entlang von Wegen – trifft man häufig Rasenflächen an. Diese sind ökologisch deutlich weniger wertvoll und dazu aufwändiger in der Pflege und zudem kaum effektiver als Wiesen, wenn es um die Abflussleistung geht. Entscheidend ist auch hier, die Vegetationsform bewusst festzulegen.

Fazit

Nur wenn Nutzung, Pflegeaufwand und Vegetationsentwicklung von Anfang an zusammen gedacht werden, kann sich langfristig eine konfliktarme Ufervegetation entwickeln. Die Entscheidung für eine Zielvegetation bestimmt somit nicht nur das Erscheinungsbild eines Gewässers, sondern auch den zukünftigen Unterhaltungsaufwand. Wer diese Entscheidung bereits vor der Pflanzung trifft, schafft die Grundlage für funktionsfähige und langfristig pflegearme Gewässerufer.

Naturnahe Gehölzbestände entsprechen der natürlichen Vegetationsentwicklung vieler Gewässerufer. Diese Bestände entwickeln sich weitgehend eigendynamisch und benötigen in der Regel keine Pflege. Voraussetzung dafür ist, dass ausreichend Flächen entlang des Gewässers vorhanden sind.
Bei den Baumbeständen handelt es sich um schmale Gehölzgalerien überwiegend aus standortgerechten Baumarten. Sie stellen einen praktikablen Kompromiss dar, wenn die verfügbaren Flächen am Ufer begrenzt sind.
Strauchbestände bestehen ausschließlich aus Straucharten und bleiben deutlich niedriger als Baumbestände. Gleichzeitig sind sie kurzlebiger und benötigen regelmäßige Verjüngung, um dauerhaft erhalten zu bleiben. Ganz ähnlich sind Kopfweiden eine Sonderform der Ufergehölze, die nur durch Rückschnitt alle 3 bis 5 Jahre erhalten werden können.
Hochstauden sind attraktiv blühende hochwüchsige aber schnittempfindliche Arten. Sie sind eine gute Möglichkeit, Artenvielfalt, Beschattung und Abflussleistung an einem Gewässer zu verbinden.
Röhrichte sind auf Grund der Ausläuferbildung dichte (Dominanz-)Bestände weniger z.T. nur einzelner Arten, die ein Gewässerprofil schnell zuwachsen können.
Wiese ist ein Vegetationstyp, bei dem typische Wiesenarten, also höhere Gräser und Kräuter, die im Sommer auch ansprechend blühen, auf der Uferböschung wachsen und durch ein bis zweimalige Mahd gepflegt werden.
Rasen ist ein Vegetationstyp, der dadurch entsteht, dass sehr häufig gemäht wird und sich robuste niedrige Gräser durchsetzen und Kräuter und schnittempfindliche Gräser zurückgedrängt werden.
An Gewässern, die durch Ufermauern gefasst sind, ist in den meisten Fällen kein Platz für Ufervegetation.

Erfurter Gespräche zur Wasserrahmenrichtlinie

Erfurter Gespräche zur Wasserrahmenrichtlinie

Am 24. und 25. Februar 2026 fanden in Erfurt die Erfurter Gespräche zur Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der DWA statt. Ausgangspunkt der Tagung war die ernüchternde Bilanz, dass nach wie vor nur ein geringer Teil der Fließgewässer in Deutschland den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial erreicht und klassische Instrumente dieses Umsetzungsdefizit nicht beheben können. Der hohe Handlungsdruck fordert neue tragfähige und vor allem praxistaugliche Lösungen.

Die Beiträge konzentrierten sich deshalb vor allem auf die Flächenbereitstellung als Schlüssel für lebendige Bäche und Flüsse. Als zukunftsweisender Ansatz wurde die konsequente Verknüpfung von Gewässerrenaturierung und Agroforstsystemen durch Dr. Andreas Stowasser und Katrin Dachsel von der Stowasserplan GmbH & Co. KG herausgestellt. Kooperation statt Flächenkonkurrenz sowie regionale Wertschöpfungsketten mit wirtschaftlichen Anreizen für Landwirte und Kommunen dürften langfristig tragfähiger sein als rein wasserrechtliche Vorgaben. Gefordert wurde daher ein Perspektivwechsel: Die WRRL kann nur erfolgreich vorangebracht werden, wenn sie mit ländlicher Entwicklung, kommunaler Energieversorgung und wirtschaftlichen Interessen zusammen gedacht wird. So können neue Handlungsspielräume entstehen, um Gewässer-, Naturschutz- und Landwirtschaftsziele gemeinsam umzusetzen.

Am Beispiel des Pilotprojekts Tauchnitzgrabens in Sachsen wurde gezeigt, dass Agrarholzsysteme als Gewässerschutz- und Bewirtschaftungsoption bereits praktikabel sind und alle genannten Vorteile verbinden. Der geplante Feldtag am 3. Juni 2026 soll diesen Ansatz im Wurzener Land nordöstlich von Leipzig vor Ort anschaubar vermitteln sowie anhand von Workshops und Vorträgen das Potenzial für die Umsetzung der WRRL und die Weiterentwicklung der Kulturlandschaft greifbar machen. Der Vortrag von Stowasserplan zur Verknüpfung von Gewässerrenaturierung mit dem Anbau von Agrarholz kann hier eingesehen werden.

Ergänzend wurden noch weitere tagesaktuelle Themen diskutiert: so zum Beispiel Rechtsfragen und Rechtssprechung rund um die WRRL, die Rolle des Bibers in der Gewässerentwicklung und Flächeninanspruchnahme, die Möglichkeiten der Moorrenaturierung zur Unterstützung der WRRL sowie der Stand der Wiederherstellungsverordnung. Zudem wurde betrachtet, wie über einen digitalen Zwilling der realen Landschaft zukünftig die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge unterstützt werden kann.

Link zum Vortrag von Stowasserplan „Gewässerrenaturierung und Agroforst – die Lösung des Flächenproblems?“
Projektstart: Integriertes Gewässerunterhaltungs- und -entwicklungskonzept für Gewässer des WBV Torgau

Projektstart: Integriertes Gewässerunterhaltungs- und -entwicklungskonzept für Gewässer des WBV Torgau

Für eine zukunftsfähige Gewässerunterhaltung und -entwicklung im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Bodenverbands Torgau wird ein integriertes Gewässerunterhaltungs- und -entwicklungskonzept (iGK) erarbeitet. Es bildet die strategische Grundlage für eine nachhaltige, effiziente und wirtschaftliche Unterhaltung der Gewässer 2. Ordnung in den kommenden Jahren. Dabei berücksichtigt das Konzept sowohl die Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, wie sie im Sächsischen Wassergesetz verankert sind, als auch Belange des Hochwasserschutzes und bestehende Nutzungsansprüche. Ziel ist es, Pflege und Entwicklung der Fließgewässer so zu steuern, dass ökologische Verbesserungen mit einer effizienten Unterhaltung in Einklang stehen.

Im Mittelpunkt steht ein schrittweises, eng mit dem Auftraggeber abgestimmtes Vorgehen, welches als transparente, schlanke und zielgerichtete Planung den gesamten Zuständigkeitsbereich systematisch erfasst. Die formulierten Entwicklungsziele ermöglichen ein vorausschauendes, präventives Handeln. Der Fokus liegt auf Maßnahmen mit Mehrfachnutzen, um durch effiziente Lösungen dauerhaft Kosten zu senken. Besondere Aufmerksamkeit gilt Bereichen mit hohem Handlungsbedarf oder großem Wirkungspotenzial bei vergleichsweise geringem Aufwand. Die Ergebnisse werden im prozessgestützten Gewässermanagement- und Informationssystem PROGEMIS® aufbereitet und bilden damit eine belastbare Basis für die Fortschreibung der Planung.

Die Landesdirektion Sachsen unterstützt das Vorhaben mit Fördermitteln in Höhe von 57.263 Euro. Fachlich begleitet wird der Wasser- und Bodenverband Torgau durch die Berater für Gewässerunterhaltung des DVL-Landesverband Sachsen e.V. Nach der gemeinsamen Projektauftaktveranstaltung mit Auftraggeber, beteiligten Fachbehörden und den Bürgermeistern der Verbandskommunen: Torgau, Belgern-Schildau, Dreiheide und Mockrehna hat nun die Bearbeitung begonnen. Aktuell sind die Mitarbeitenden von Stowasserplan im Verbandsgebiet unterwegs und erfassen die rund 280 Kilometer Gewässer als fachliche Grundlage für das integrierte Gewässerentwicklungskonzept.

Typisch für Nordsachsen: begradigte, unbeschattete Gewässer mit dichtem Aufwuchs an Schilf und Hochstauden, die den Abfluss deutlich behindern können.
Zwischendrin entdeckt man auch immer wieder Bereiche mit wunderbaren, naturnahen Strukturen.
Solche stark eingetieften Regelprofile in der freien Landschaft sind ökologisch fragwürdig und dazu aufwändig zu pflegen.
An nur gering eingetieften und extensiv genutzten Abschnitten kann mit wenig Aufwand viel ökologische Verbesserung erreicht werden.
Daneben muss man sich auch der Frage widmen, wie man mit innerörtlichen Abschnitten, die geprägt sind von Engstellen, Bauwerken, angrenzender Bebauung, Straßen und Infrastruktur, umgeht.
Und auch die Verockerung der Gewässer durch eisenhaltige Bodenschichten ist ein Thema, welches man vielfach antrifft und zu lebensfeindlichen Bedingungen im Gewässer führt.
Risiken erkennen, Schäden vermeiden, effizient handeln: Warum sich der Gang ans Gewässer jetzt lohnt!

Risiken erkennen, Schäden vermeiden, effizient handeln: Warum sich der Gang ans Gewässer jetzt lohnt!

Der Spätwinter und das frühe Frühjahr bieten gute Bedingungen, um Gewässerabschnitte systematisch zu begehen. In dieser Phase ist die Vegetation noch niedrig, Ufer, Sohle und angrenzende Flächen sind gut einsehbar. Termine im März und April ermöglichen eine verlässliche Einschätzung, wo Maßnahmen erforderlich sind und wie sich der Unterhaltungsbedarf im laufenden Jahr entwickeln wird.

Im Mittelpunkt steht, die eigenen Gewässer stets im Blick zu haben, für die man als Unterhaltslastträger zuständig ist. Entscheidend ist dabei nicht das sofortige Eingreifen, sondern das gezielte Beobachten und fachliche Bewerten der laufenden Entwicklungen des dynamischen Systems Fließgewässer. Wiederkehrende Begehungen zeigen, ob der Abfluss funktioniert, ob sich Engstellen ausbilden oder ob sich Material umlagert. Nach Sturm, Starkregen, Hochwasser oder anderen außergewöhnlichen Ereignissen sind zusätzliche Kontrollen sinnvoll, da Veränderungen an Sohle und Ufer häufig erst zeitversetzt sichtbar werden. Die regelmäßige Präsenz vor Ort schafft eine fundierte Grundlage für nachvollziehbare Entscheidungen. In den Kommunen, die wir bei der Erstellung der jährlichen Unterhaltungspläne unterstützen, haben sich solche Begehungen zum Jahresauftakt bereits vielfach bewährt.

Worauf sollte geachtet werden?

Die Begehung dient der strukturierten Beobachtung der Gewässerentwicklung. Sichtbare Veränderungen wie Auflandungen, Kolkbildungen, Uferabbrüche, Verklausungen oder die Entwicklung der Vegetation lassen sich dokumentieren und bewerten. Unterspülte Ufer, instabile Böschungen, angeschwemmtes Totholz oder verengte Abflussquerschnitte können frühzeitig erkannt werden, wenn Abschnitte regelmäßig kontrolliert werden. Fotos aus vergleichbaren Standpunkten erleichtern den zeitlichen Vergleich.

Auch Bauwerke wie Durchlässe, Querungen und sonstige Anlagen im oder am Gewässer sollten in die Kontrolle einbezogen werden. Einleitungen, neu entstandene Hindernisse für die ökologische Durchgängigkeit oder Veränderungen im Umfeld gehören ebenfalls dazu.

Die Stärke dieser beobachtenden Unterhaltung liegt darin, Entwicklungen zunächst zuzulassen und nur dort einzugreifen, wo es fachlich notwendig ist. Die dokumentierte Zustandsbewertung zeigt, wo unmittelbarer Handlungsbedarf besteht oder wo eine weitere Beobachtung ausreicht. So lassen sich bestehende Maßnahmen bestätigen, eigendynamische Prozesse weiter begleiten oder bei Bedarf behutsam nachsteuern, etwa durch Anpassung von Turnus oder Zeitraum der Maßnahme. Erst wenn sich Risiken konkret abzeichnen, folgen gezielte Schritte zur Schadensbeseitigung oder Gefahrenabwehr.

Dieses Vorgehen erhöht die Maßnahmeneffizienz, spart Kosten, vermeidet unnötige Eingriffe, erhält gewässertypische Strukturen und reduziert gleichzeitig das Risiko fahrlässiger Schädigungen Dritter, also viele unschlagbare Vorteile. Begehungen können zudem mit Gesprächen vor Ort verbunden werden, wenn Abstimmungsbedarf mit Anwohnern, Eigentümern oder Fachbehörden besteht. Herausforderungen lassen sich direkt am Gewässer anschaulich erläutern. Das schafft Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Wie lässt sich eine Begehung sinnvoll organisieren?

Für die Durchführung hat sich ein einheitliches und strukturiertes Vorgehen bewährt. Gewässer und Problemabschnitte werden dazu in einen turnusmäßigen Begehungsplan eingeordnet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht jeder Abschnitt mit gleicher Häufigkeit kontrolliert werden muss. Bekannte Problempunkte sollten gezielt einbezogen werden.

Vor Ort werden Datum, Wasserstand und Witterung erfasst. Auffälligkeiten werden kurz beschrieben, Fotos ergänzt, mögliche Ursachen benannt und die Dringlichkeit bewertet. Eine Checkliste unterstützt dabei, systematisch vorzugehen und relevante Aspekte nicht zu übersehen. So entstehen vergleichbare Datensätze zu einzelnen Abschnitten und Zeitpunkten.

Auf dieser Grundlage lässt sich nachvollziehbar entscheiden, ob zunächst weiter beobachtet wird, eine kleine, gezielte Maßnahme genügt oder kurzfristiges Handeln erforderlich ist.

Fazit

Die kontinuierliche, beobachtende Begleitung der Gewässerentwicklung schafft Sicherheit in der Unterhaltungspraxis. Sie ermöglicht rechtzeitiges, aber zurückhaltendes Eingreifen, verhindert unnötige Maßnahmen und reduziert vermeidbare Schäden. Gewässerbegehungen im zeitigen Frühjahr bieten dafür besonders gute Bedingungen und bilden die fachliche Grundlage für die Planung im weiteren Jahresverlauf.

Im unbelaubten Zustand ist die Erreichbarkeit eines Gewässers am optimalsten und die Sohl- und Uferstrukturen lassen sich gut einsehen.
Bei Gewässerbegehungen können je nach Maßnahmen und Kommunikationsbedarf weitere Akteure hinzugezogen werden.
Wichtig ist eine gründliche Begutachtung des Gewässers sowie der maßgeblichen Entwicklungsaspekte und Rahmenbedingungen.
Hilfreich sind eine Checkliste, die Vorort gefüllt werden kann, sowie die fotografische Dokumentation des Entwicklungsstandes des Gewässers und der Vegetation.
Besonders wichtig ist es, die Entwicklung bei Ansiedlung eines Bibers zu kontrollieren. Hier im Schnee sind die Biberburg und der regelmäßige Laufweg des Tiers deutlich zu sehen.
Von seinen Bauwerken können deutliche und kurzfristige Entwicklungsschübe für ein Gewässer sowie die Vorlandnutzung ausgehen.
Mit Beginn des Austriebs der Gehölze wird die Zugänglichkeit der Gewässer immer schwieriger.
Nach Schadereignissen, wie zum Beispiel einem Hochwasser, sollten immer außerreguläre Begehungen durchgeführt werden.

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Renaturierung des Seegrabens in Niesky – wie ein Gewässer wieder lebendig wird

Renaturierung des Seegrabens in Niesky – wie ein Gewässer wieder lebendig wird

Wer in den vergangenen Monaten am Seegraben in Niesky unterwegs war, konnte beobachten, wie sich ein unscheinbarer, technisch ausgebauter Graben Schritt für Schritt in ein lebendiges Gewässer verwandelt hat. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist dieses Kapitel nun vorerst beendet – und die ersten Erfolge sind bereits sichtbar.

Ein Meilenstein war der zweite Informationsnachmittag am 24. August 2025. Rund 40 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Stadt Niesky und informierten sich direkt an der Baustelle über Ziele, Hintergründe und Ergebnisse der Maßnahme. Zu diesem Zeitpunkt waren die Arbeiten auf dem etwa 575 Meter langen Abschnitt bereits weit fortgeschritten, so dass die Veränderungen im Gelände schon unmittelbar erlebbar waren.

Inzwischen ist die naturnahe Umgestaltung des Seegrabens vollständig abgeschlossen. Die Maßnahme wurde mit Unterstützung der KoMoNa-Förderung des Bundesumweltministeriums (Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen) sowie mit Landesmitteln umgesetzt. Die Stowasserplan GmbH & Co. KG hat das Vorhaben geplant und begleitet. Nun konnte nach rund einem Jahr Bauzeit mit der VOB-Abnahme im Januar formal beendet werden.

Ausgangssituation war ein stark ausgebautes Gewässer: Der Seegraben verlief in zwei parallelen, geradlinigen Gräben, die mit Betonplatten befestigt waren. Gewässertypische Strukturen und standortgerechte Gehölze fehlten nahezu vollständig. Ziel der Maßnahme war es daher, den Graben zu entsiegeln, ökologisch aufzuwerten und wieder als lebendigen Bestandteil der Landschaft zu entwickeln.

Dazu wurden die beiden Gräben zu einem geschwungenen Verlauf zusammengeführt und mit verschiedenen ingenieurbiologischen Bauweisen gestaltet. Dazu zählen unter anderem rund 80 Meter Rechenbuhnen, acht Inselbuhnen, etwa 45 eingebaute Wurzelstöcke sowie rund 220 Meter Vegetationswalzen. Ergänzt wurden diese durch jeweils rund 320 Meter Lebend- und Totfaschinen sowie etwa 1.000 Quadratmeter Steckhölzer. Insgesamt wurden rund 830 standorttypische Gehölz- und Strauchpflanzungen eingebracht. Sie sichern die Ufer, spenden künftig Schatten und tragen dazu bei, die Wassertemperatur in Hitze- und Trockenperioden zu senken.

Dass diese Maßnahmen wirken, zeigte sich schneller als erwartet. Vertreter der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz e. V.“ bestätigten schon im Sommer 2025 die Rückkehr verschiedener Arten, darunter Teichfrösche, Graureiher, Schwalbenschwanz-Schmetterlinge und Taubenschwänzchen. Auch der Eisvogel wurde wieder am Seegraben gesichtet – ein deutliches Signal für die ökologische Aufwertung.

Neben den ökologischen Effekten ist mit dem neuen Gewässerlauf auch ein attraktiver Erholungsraum entstanden. Dieser wird durch einen Naturlehrpfad ergänzt, der gemeinsam mit dem Ortschaftsrat sowie Schule und Kindergarten entsteht. Die Einweihung ist für den Sommer 2026 geplant. Umweltbildungsangebote begleiten den Prozess und laden insbesondere Kinder und Jugendliche ein, sich mit Themen der Gewässer- und Landschaftsökologie aktiv auseinanderzusetzen.

Transparenz und die Einbindung der Öffentlichkeit spielten während des gesamten Projekts eine zentrale Rolle. Neben den Informationsveranstaltungen ist noch ein Pflegeseminar für das Bauhofpersonal vorgesehen, um auch die künftige Unterhaltung fachgerecht abzusichern. Bereits zuvor nahmen Mitarbeitende des Nieskyer Bauhofs an einem Bauseminar des BUND Sachsen e.V. am Gertiggraben teil.

Besonders bedeutsam ist die Maßnahme auch aus naturschutzfachlicher Sicht. Der Seegraben grenzt unmittelbar an das FFH-Gebiet „Teiche bei Moholz“ an und liegt in räumlicher Nähe zum Vogelschutzgebiet „Stausee Quitzdorf“ sowie zum Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“. Die Renaturierung leistet damit einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Vernetzung und zur Stabilisierung sensibler Lebensräume in der Region. Das Projekt zeigt damit deutlich, wie naturnahe Gewässerentwicklung ökologische Funktionen stärkt, aber auch Landschaftsräume aufwertet und zugleich Identifikation und Akzeptanz vor Ort schaffen kann – wenn Planung, Umsetzung und Kommunikation zusammengedacht werden.

Ausgangssituation mit den zwei ausgebauten parallel verlaufenden Gräben
Bauzeitlich erfolgte der Abfluss temporär über den rechten der beiden Gräben, während der andere zurückgebaut und das naturnahe Profil modelliert wurde.
Nach Baufertigstellung: Begrünung und Austrieb setzen schnell ein.
Überblick über das gesamte Gewässer mit dem Großteich im Hintergrund, für den der Seegraben eine wichtige Biotopverbundachse ist.
Lebend- und Totfaschinen mit Hinterpflanzungen sowie Wurzelstöcke und Baumstämme dienen zur Ufersicherung und Ufergestaltung.
Inselbuhnen und Rechenbuhne strukturieren den Gewässerlauf.
Vegetationswalzen u.a. mit Blutweiderich sorgen für einen attraktiv blühenden Hochstaudensaum entlang des Seegrabens.
Schon nach kurzer Zeit erinnert kaum noch etwas an die Baustelle und der Seegraben zeigt sich als lebendiges Gewässer.