Nach mehreren Monaten intensiver Zusammenarbeit im gemeinsamen Coachingprogramm des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) – Landesverband Sachsen stand am 22. Oktober 2025 der praktische Höhepunkt an: das Bauseminar am Haselbach in der Gemeinde Haselbachtal bei Pulsnitz.
Trotz herbstlich-feuchten Wetters war die Stimmung unter den 21 Teilnehmer*innen ausgezeichnet. Mit Gummistiefeln, Spaten und viel Begeisterung machten sie sich ans Werk, um einen rund 120 Meter langen Abschnitt des Haselbachs ökologisch aufzuwerten. Unter der fachkundigen Anleitung von Dr. Andreas Stowasser und Katrin Dachsel von der Stowasserplan GmbH & Co. KG entstanden an diesem Tag neue Strukturen, die dem Gewässer künftig mehr Dynamik, Vielfalt und Lebensraum bieten.
Was in den vergangenen Monaten in Theorie und Diskussion vorbereitet wurde, nahm hier konkrete Gestalt an: initiale Erdarbeiten, ingenieurbiologische Bauweisen, sorgfältig gesetzte Pflanzen – und vor allem ein gemeinsames Ziel, das alle verband. Jede Schaufel Erde, jeder eingebaute Weidenast ist ein kleiner Beitrag für mehr Natur im Gewässer.
Bereits während der Arbeiten zeigte sich, dass der Haselbach lebendig auf die Maßnahmen reagierte: Zahlreiche Fische nutzten neugierig die frisch gestalteten Bereiche – als wollten sie sagen: „Wir fühlen uns hier wohl.“ Ein schöner Moment, der deutlich machte, wie schnell Natur auf gute Impulse reagiert.
Ein herzliches Dankeschön gilt der Gemeinde Haselbachtal für die hervorragende Organisation vor Ort, die tatkräftige Unterstützung während der Vorarbeiten und am Seminartag und insbesondere für das leckere gemeinsame Mittagessen, das für neue Energie und gute Gespräche sorgte. Ebenso danken wir dem BUND Landesverband Sachsen e.V. für die engagierte Teilnahme und die freundliche Bereitstellung von Werkzeug und Material, die wesentlich zum Gelingen des Praxistages beigetragen haben.
Die nachfolgenden Fotos zeigen eindrucksvoll, wie aus Theorie, Teamgeist und Praxis Wissen ein Stück lebendige Gewässerentwicklung wird – und wie viel Freude gemeinsames Arbeiten am Wasser machen kann.
So sah es noch am Morgen am Haselbach aus
Der Tag begann mit dem Anzeichnen und der Einweisung in die ArbeitenUnterstützung erhielten wir durch einen erstklassigen BaggerfahrerDie Arbeit mit lebenden Pflanzen braucht FürsorgeDer Einbau der ingenieurbiologischen Bauweisen erfolgte in HandarbeitEine gute Verankerung der Bauweisen in der Böschung sorgt für guten AnwuchserfolgNeben Totfaschinen mit Hinterpflanzung wurden auch Lebendfaschinen eingebautAuch die Setzstangen erfordern ein gemeinsames Anpacken Learning by doing – viele der Arbeiten wurden das erste Mal gemachtEs blieb immer wieder Zeit für Fragen und AustauschFür jeden Teilnehmenden waren passende Arbeiten und neue Erkenntnisse dabeiAm Ende des Tages waren alle Materialien verbautUnd die Sonne sorgte schließlich für einen schönen Abschluss der Veranstaltung
Der von der Wasserrahmenrichtlinie geforderte „gute ökologische Zustand“ vieler Gewässer ist in Sachsen noch nicht erreicht. Einer der entscheidenden Faktoren sind die hydromorphologischen Strukturen – also die Form, Ausprägung und Vielfalt von Sohle, Ufer, Lauf und Querprofil eines Gewässers. Sie bilden die Grundlage für Lebensräume, Artenvielfalt und ökologische Stabilität.
Diese Lebensräume kann man aktiv bauen, das ist aber sehr aufwendig und teuer, und deren Nachhaltigkeit und langfristiger (Selbst-)Erhalt sind nicht unbedingt gewährleistet. Effizienter ist es, die Natur selbst gestalten zu lassen – denn sie besitzt alles, was dafür nötig ist!
Die Natur als Baumeisterin
In naturnahen Fließgewässern lässt sich beobachten, wie Wasser seine Umgebung formt: Es schafft Kolke, Inseln, Uferabbrüche und neue Fließrinnen – mal sanft, mal kraftvoll. Besonders nach Hochwasserereignissen entstehen unzählige wertvolle Strukturen.
Auch Pflanzen sind Teil dieses Systems. Sie besiedeln die neu entstandenen Flächen, breiten sich aus, verschwinden wieder, und es entstehen immer neue Artengemeinschaften bis hin zu Auwaldgesellschaften – das ist Sukzession bzw. Vegetationsdynamik.
Wenn Wasser ausreichend Zeit und Raum hat, schafft es von selbst, was in Planunterlagen als Ziel definiert wird: strukturreiche, vielfältige und lebendige Gewässerlandschaften.
Eingeschränkte Dynamik – ein verbreitetes Problem
Viele unserer Bäche und Flüsse haben diese natürliche Bewegungsfreiheit verloren. Harte Uferbefestigungen, enge Trassen und intensive Pflege schränken die Eigendynamik ein und das Wasser kann kaum noch gestalten. Dabei wäre es gerade jetzt, in Zeiten knapper Mittel und begrenzter Personalressourcen, sinnvoll, auf das Potenzial der natürlichen Prozesse zu setzen: Sie wirken dauerhaft, dynamisch und kosten deutlich weniger als künstliche Eingriffe.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Natürlich brauchen eigendynamische Entwicklungen Zeit – und manchmal auch einen Anstoß. Hier kommen ingenieurbiologische Bauweisen ins Spiel: einfache, naturnahe Bautechniken, die die Strömungen lenken und beleben.
Solche Initialmaßnahmen setzen Prozesse in Gang, die sich anschließend selbst verstärken. Es entstehen Bereiche unterschiedlicher Fließgeschwindigkeiten, Kolke bilden sich und es wird Geschiebe bewegt, sortiert und wieder abgelagert.
Das Ergebnis: wertvolle Strukturen, die Besiedlungsflächen bereitstellen und Rückzugsräume für Insekten, Käfer, Fische und Vögel bilden. Pflanzen siedeln sich in angelandeten Bereichen an und mit dem Austrieb von Gehölzen beginnt ein sich selbst tragender Entwicklungsprozess. Dazu sammelt sich organisches Material an. Es dient den genannten Arten als Nahrung. Je nach Bauweise können diese Prozesse von kleinen Umlagerungen innerhalb des Profils bis hin zu deutlichen Laufverlagerungen führen.
Planung mit Augenmaß
Damit eigendynamische Prozesse gezielt angestoßen werden können, müssen die gewählten Bauweisen an die örtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Maßgebend sind der Gewässertyp, die Profilbreite und das Gefälle, die Lichtverhältnisse sowie die angestrebte Wirkung. Auch die Dauer des Initialstadiums und die Erreichbarkeit der Baustelle sollten in die Planung einbezogen werden. Das Wichtigste ist aber, dass genügend Fläche für die Eigendynamik zur Verfügung steht. Dazu ist der gewässertypspezifische Korridor zu ermitteln und die dafür erforderlichen Flächen dauerhaft zu sichern.
Die Dimensionierung der Bauweisen ist von zentraler Bedeutung: Sind sie zu gering ausgeführt, bleibt die gewünschte Wirkung aus; bei zu großer Ausprägung können angrenzende Nutzungen beeinträchtigt werden. Ein fachgerechter Einbau und eine angepasste Pflege sichern den langfristigen Erfolg der Maßnahme.
Als Baumaterialien kommen sowohl austriebsfähiges als auch nicht austriebsfähiges Astwerk, Wasserbausteine und geeignetes Befestigungsmaterial in Betracht. Besonders bewährt haben sich Weidenarten und andere Gehölzjungpflanzen. Durch die Kombination verschiedener Bauweisen lässt sich die Wirksamkeit steigern und eine stabile, natürliche Entwicklung unterstützen.
Vertiefende Informationen bieten der Praxisleitfaden der TLUG (2015) sowie die DWA-Regelwerke M 620 Teil 1 und Teil 2 (2020, 2022). Ergänzende Hinweise und Informationen zu ingenieurbiologischen Bauweisen stellt zudem das Entscheidungsunterstützungssystem SOFIE® bereit, das die Auswahl und Anwendung von ingenieurbiologischen Bauweisen erleichtert.
Entwicklung begleiten – nicht kontrollieren
Wo neue Strukturen entstehen, steigt auch die Rauigkeit des Gewässerbetts. Dies führt wiederum zu einer Veränderung der Abflussdynamik. Eine ausreichende Abflussleistung des Profils ist daher notwendig, um unerwünschte Auswirkungen auf angrenzende Nutzungen zu vermeiden.
Ebenso wichtig ist die begleitende Beobachtung. Regelmäßige Kontrollgänge und Dokumentationen helfen, die Entwicklung zu verstehen und rechtzeitig zu reagieren, falls sich Prozesse ungünstig entwickeln. Diese Beobachtungspflicht dient der fachgerechten Begleitung der Gewässerentwicklung und gewährleistet zugleich eine rechtssichere und verantwortungsbewusste Unterhaltung gegenüber Dritten.
Mut zur Eigenentwicklung
Die notwendige Beobachtung, das gelegentliche Eingreifen und die mit natürlichen Prozessen verbundenen Unsicherheiten sollten nicht dazu führen, sämtliche Entwicklungen wieder vollständig zu planen oder kontrollieren zu wollen. Oft reichen wirklich kleine Impulse: ein Stück Uferverbau entfernen, den Lauf leicht verlagern, Strömungslenker einbauen. Solche minimalen Eingriffe können ausreichen, um die natürliche Entwicklung wieder in Gang zu bringen.
Wer das zulässt, fördert nachhaltige, kosteneffiziente und ökologisch stabile Gewässer – ganz ohne große Renaturierungsprojekte.
Fazit
Naturnahe Strukturen effizient zu entwickeln bedeutet, natürliche Prozesse gezielt zu fördern, anstatt fertige Strukturen herzustellen. Wer Gewässern ausreichend Raum und Zeit für Eigendynamik einräumt, nutzt ihre natürliche Gestaltungskraft und unterstützt so die Entwicklung stabiler und ökologisch funktionsfähiger Systeme.
Quellen:
TLUG – THÜRINGER LANDESANSTALT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (Hrsg.) (2015): Ingenieurbiologische Bauweisen für die eigendynamische Gewässerentwicklung. Praxisleitfaden. Schriftenreihe der TLUG, Nr. 110. Jena.
DWA – DEUTSCHE VEREINIGUNG FÜR WASSERWIRTSCHAFT, ABWASSER UND ABFALL E. V. (2020): Merkblatt DWA-M 620-1, Ingenieurbiologische Bauweisen an Fließgewässern – Teil 1: Grundlagen und Bauweisenauswahl. Hennef.
DWA – DEUTSCHE VEREINIGUNG FÜR WASSERWIRTSCHAFT, ABWASSER UND ABFALL E. V. (2022): Merkblatt DWA-M 620-2, Ingenieurbiologische Bauweisen an Fließgewässern – Teil 2: Planung, Umsetzung und Erfolgskontrolle. Hennef.
Rechenbuhnen sind eine einfache Bauweise zur Initiierung von Eigendynamik. Dabei werden Weidensetzstangen als Reihe in das Gewässer gesetzt. Sie lenken die Strömung außen vorbei und bewirken durch den Austrieb einen selbstverstärkenden Effekt.Bei Beräumungsarbeiten gewonnene Wurzelstöcke können ebenfalls als Strömungslenker eingebaut werden. Wichtig ist dabei auf eine sinnvolle Dimensionierung zu achten und die Wurzelstöcke stabil zu verankern.Bei Inselbuhnen werden Weidensetzstangen in die Gewässermitte gesetzt. Hier bereits mit erstem Austrieb kurz nach dem Einbau.Eine Tiefenrinne, Substratsortierung, Anlandung und Bewuchs – an dieser Inselbuhne haben sich vielfältige naturnahe Strukturen gebildet.Durch geneigte Lebendfaschinen wurden punktuell gezielt Bauweisen zur Entwicklung von Ufergehölzen eingebaut – auf den übrigen Flächen innerhalb und außerhalb des Gewässers haben sich alle weiteren Pflanzen von selbst angesiedelt.Auch mit direkt in die Strömung gesetzten Wasserbausteinen wie diesen Lenkbuhnen lässt sich Eigendynamik initiieren. Substratsortierung, Tiefenzonen und Fachwasserbereiche entwickeln sich schon nach kurzer Zeit.
Wo aktuell noch ein verrohrter Graben unsichtbar unter einer großen Ackerfläche verläuft, rollen inzwischen die Bagger: Die Bauarbeiten zur Offenlegung des Tauchnitzgrabens haben begonnen. Damit startet eines der spannendsten Umweltprojekte Sachsens – die Kombination aus Gewässerrenaturierung und Agroforstwirtschaft. Gewässerschutz und Landnutzung ziehen an einem Strang!
Aus der im Rahmen des Projekts WERTvollentwickelten Idee, den Bach wieder ans Licht zu holen, hat sich ein zukunftsweisendes Vorhaben entwickelt: Die Offenlegung des Tauchnitzgrabens wird mit einer gewässerbegleitenden Agrarholzpflanzung und einem 70 Hektar großen Agroforstsystem auf der angrenzenden Ackerfläche der Agrargenossenschaft e.G. Böhlitz kombiniert.
Dieses Projekt ist in Sachsen bisher einzigartig. Es verbindet Umweltschutz, Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie zur Entwicklung von naturnahen Fließgewässern, moderne Landwirtschaft und regionale Energieversorgung auf beispielhafte Weise. Hier wird gezeigt, wie sich ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Nutzung nicht widersprechen, sondern gegenseitig stärken können. Forschung und Praxis greifen ineinander, um ein Modell zu schaffen, das gleichermaßen produktiv, resilient und klimagerecht ist.
Mit der Umsetzung wird das im Rahmen von WERTvoll erarbeitete und in ElmaR I–III konkretisierte Renaturierungskonzept verwirklicht – eine Kombination aus Gewässeroffenlegung und der Anpflanzung eines Agroforstsystems (AFS).
Im März 2025 wurden rund 30 000 Bäume auf der angrenzenden Ackerfläche gepflanzt – der erste sichtbare Schritt in Richtung einer neuen Landschaft. Im September 2025 folgte der Beginn der Bauarbeiten am Gewässer: Die Baustraße wurde angelegt, um die Offenlegung und Neuprofilierung des Tauchnitzgrabens auf einer Länge von etwa 500 Metern vorzubereiten. Anfang November sollen ingenieurbiologische Bauweisen eingebaut werden – sie sorgen dafür, dass das neue Bachbett dauerhaft stabil bleibt und sich zugleich naturnah entwickeln kann.
Im Frühjahr 2026 erfolgt dann die bachbegleitende Pflanzung des Agroforstsystems. Diese Pflanzung bildet das Rückgrat des Projekts: Sie bietet Lebensraum für Tiere, schützt vor Erosion und liefert gleichzeitig wertvolles Holz. Die Holzerträge werden künftig zur Energiegewinnung im Nahwärmenetz Röcknitz genutzt – ein geschlossener regionaler Kreislauf, der Klima und Ressourcen schont.
Wer das Projekt aus nächster Nähe erleben möchte, hat dazu im Juni 2026 Gelegenheit: Dann findet ein Feldtag statt, an dem Interessierte den Fortschritt direkt vor Ort besichtigen können.
Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement am Umwelt-Campus Birkenfeld im Rahmen des Projekts AGROfloW. Finanziert wird es über das EU-Förderprogramm ZENAPA, das innovative Ansätze für Energie- und Klimaschutz unterstützt. Die Stowasserplan GmbH & Co. KG hat das Projekt von der ersten Idee an geplant, die Gemeinde Lossatal beim wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren unterstützt und übernimmt nun die fachliche Bauüberwachung.
Der Tauchnitzgraben wird damit zu einem Modellstandort, an dem Gewässerentwicklung, Landwirtschaft und Energiegewinnung auf beispielhafte Weise zusammenfinden.
Luftbild mit dem Agroforstsystem und dem zukünftigen Verlauf des Tauchnitzgrabens (blaue Linie), Blick entgegen der Fließrichtung vor Beginn der BauarbeitenAusgangszustand – Blick entlang des verrohrten Tauchnitzgrabens (gestrichelte blaue Linie) in Fließrichtung Bauberatung – Beginn der Erdarbeiten zum Einbau neuer Dränagesammler beidseits des zukünftigen GewässerkorridorsAgroforstsystem: 5-reihiges System mit 2 Reihen Hybridpappeln, einer Reihe Wertholz, 2 Reihen Hybridpappeln, Entwicklungsstand 6 Monate nach der PflanzungDas Modellprojekt am Tauchnitzgraben wurden von Katrin Dachsel (links) von Stowasserplan und unserem Projektpartner Frank Wagener vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IFAS) auf dem diesjährigen Agroforstforum des DeFAF am 17. Und 18. September 2025 in Gießen präsentiert.
Die Anforderungen an ein modernes Gewässermanagement wachsen stetig: Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Artenvielfalt und die Sicherung kommunaler Ressourcen müssen in Einklang gebracht werden. Um Kommunen dabei praxisnah zu unterstützen, läuft in Sachsen 2025 eine Weiterbildung für Gewässerberater – ein Pilotprojekt mit Signalwirkung für andere Bundesländer.
Gewässerberater als Schlüsselrolle
Vom 1. März bis 30. November 2025 nehmen 21 Teilnehmer*innen an einem Coaching-Programm des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) teil, das von Stowasserplan konzipiert und durchgeführt wird. Ziel ist es, eine einheitliche Wissensgrundlage zu schaffen, auf deren Basis kommunale und regionale Akteure effizient zusammenarbeiten können.
So entsteht eine enge Kooperation zwischen Fachspezialisten, Unteren Wasserbehörden und kommunalen Aufgabenträgern – eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Gewässerentwicklung.
Online-Seminar für alle Bundesländer
Auf Grundlage der sächsischen Initiative hat Stowasserplan ein neues Online-Seminar „Gewässermanagement“ entwickelt. Es richtet sich bundesweit an Kommunen, Behörden und Fachpersonal, die ihre Kompetenzen in der kommunalen Gewässerunterhaltung stärken möchten.
Das Seminar bietet:
praxisnahe Weiterbildung für alle, die im Bereich Gewässermanagement tätig sind,
einheitliche Grundlagen für Planung und Management sowie
Methoden, um Schnittstellen zwischen Behörden, Verbänden und Kommunen optimal zu nutzen.
Das Besondere: Die Weiterbildung verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praxisnahen Methoden. Fachpersonal wird befähigt, die Umsetzung von Unterhaltungs- und Entwicklungsaufgaben nicht nur zu begleiten, sondern aktiv voranzutreiben.
Warum Weiterbildung im Gewässermanagement entscheidend ist
Nur durch gut ausgebildetes Fachpersonal lassen sich die komplexen Anforderungen an Unterhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen langfristig erfüllen. Weiterbildung bedeutet deshalb mehr als reines Fachwissen: Denn nur mit gut vernetzten Strukturen, fundiertem Fachwissen und motivierten Menschen können die ökologischen und wasserwirtschaftlichen Ziele in den kommenden Jahren erreicht werden.
Wenn Sie mehr über den detaillierten Inhalt des Seminars erfahren wollen, lesen Sie hier weiter. Möchten Sie mit uns über ein spezifisches Konzept für Ihren Zuständigkeitsbereich reden? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.
Ein Spaziergang am Bach: das Ufer dicht bewachsen, Blätter im Wind, weiße Blütenrispen leuchten in der Sonne – alles scheint intakt. Doch dieser Eindruck täuscht. Viele dieser Pflanzen gehören gar nicht ans Gewässer. Sie haben heimische Arten verdrängt, ihre Wurzeln stabilisieren die Böschungen nicht und im Hochwasserfall können sie sogar Schäden verursachen. Was scheinbar harmonisch wirkt, kann in der Gewässerunterhaltung massive Probleme verursachen – für das Ökosystem, die Hochwassersicherheit und die langfristige Gewässerentwicklung.
Natürliche Vegetation am Gewässer – was dort eigentlich wachsen sollte
An einem naturnahen Fließgewässer wachsen ganz bestimmte Pflanzen: Erlen, Weiden, Eschen, Ulmen, Ahorn oder Pappeln säumen die Ufer, während Hochstauden wie Blutweiderich, Mädesüß oder Pestwurz in feuchten Randbereichen gedeihen. Diese Vegetation bildet Lebensräume für eine Vielzahl von einheimischen Tierarten, stabilisiert die Böschungen, fördert den Wasserhaushalt und trägt zum Klimaschutz bei.
Problematisch wird es, wenn standortfremde Gehölze oder invasive krautige Arten die Oberhand gewinnen. Sie verdrängen nicht nur die typischen Arten, sondern verändern auch die Strukturen, die für ein funktionierendes Gewässerökosystem unverzichtbar sind.
Warum standortfremde Arten zum Problem werden
Robinien, Götterbäume, Eschen-Ahorn oder Hybridpappeln zählen zu den Gehölzen, die sich vielerorts entlang unserer Bäche und Flüsse ausbreiten. Hinzu kommen invasive krautige Arten wie Japanischer und Sachalin-Knöterich, Indisches Springkraut oder die Kanadische Goldrute. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie breiten sich rasant aus, verdrängen heimische Vegetation und sind ökologisch wie wasserbaulich riskant.
Ihre Wurzelsysteme tragen oft nicht zur Uferfestigung bei, im Gegenteil: Bei Hochwasserereignissen können sie Erosion begünstigen oder durch Windbruch zusätzliche Gefahren erzeugen. Der Knöterich wiederum verschlechtert durch seinen dichten Aufwuchs das Abflussvermögen und verursacht durch seine schnelle Regeneration einen dauerhaft hohen Pflegeaufwand.
Strategien im Umgang mit invasiven Arten – differenziert und artenabhängig
Die Entfernung dieser Arten darf nicht nach dem Prinzip „alles muss weg“ erfolgen. Entscheidend ist ein auf die einzelnen Arten und deren Wuchsverhalten bezogenes Vorgehen.
Nicht-invasive Zierarten oder Nadelbäume werden in mehreren Etappen entnommen, um ein Strukturminimum zu erhalten und „Kahlschläge“ zu vermeiden.
Invasive Gehölze wie Robinie oder Götterbaum müssen dagegen vollständig und in größeren Einheiten entfernt werden, damit eine Wiederbesiedlung aus angrenzenden Restbeständen nicht sofort einsetzt. Hier empfiehlt sich ein mehrjähriges Vorgehen mit Ringelung (Mai–Juni) zur Schwächung der Arten, bevor gefällt und gerodet wird.
Eschen-Ahorn kann differenziert behandelt werden: männliche Bäume dürfen als Strukturgeber verbleiben, während weibliche – also fruchttragende – Exemplare entnommen werden müssen.
Besonderes Augenmerk gilt den Wurzelstubben: Bei invasiven Arten sind sie konsequent zu roden, bei nichtinvasiven genügt oft das regelmäßige Nachschneiden von Austrieben in den ersten Jahren.
Knöterich – das Paradebeispiel für Dauerpflege
Kaum eine Art sorgt für so viel Aufwand wie der invasive Knöterich. Seine Bekämpfung erfordert mindestens fünf Vegetationsperioden mit jährlicher Mahd oder Rodung. Dabei gilt: Herbizide sind am Gewässer tabu.
Bei der Mahd muss das Schnittgut vollständig und sorgfältig entfernt und optimalerweise thermisch entsorgt werden. Jedes kleine Stück kann, sobald es Kontakt zum Boden hat, wieder austreiben – auch wenn es im Wasser landet und an einen anderen Ort verdriftet wird. Am wirksamsten sind Mahdmaßnahmen im Spätherbst oder Winter, wenn die Pflanzen bereits abgestorben sind. Bei kleinflächigen Beständen kann ein Bodenaustausch bis in eine Tiefe von 1,5 Metern hilfreich sein, um die Pflanze mit dem unterirdischen Rhizomsystem zu beseitigen und ein Wiederaustreiben zu vermeiden.
Fehler, die man vermeiden sollte
Unsachgemäße Pflegemaßnahmen verschärfen häufig die Situation:
Fällungen ohne vorherige Ringelung bei Robinie oder Götterbaum fördern Wurzelbrut und Neuaustrieb.
Auslichtungen bei flachwurzelnden Arten, wie Fichten erhöhen das Windwurfrisiko der verbleibenden Bäume.
Unsachgemäß beräumtes und entsorgtes Knöterich-Mähgut führt unweigerlich zu neuen Beständen.
Problem oder Lebensraum – der Knöterich als Sonderfall
So eindeutig die negativen Folgen invasiver Arten auch sind – es gibt auch überraschend positive Aspekte. Studien aus Südwestsachsen (2017/18 an der Zwickauer Mulde, vgl. HERING, J. (2019)) haben gezeigt, dass Knöterichbestände von Vögeln wie Amsel, Neuntöter oder Sumpfrohrsänger als Brut- und Rückzugsraum genutzt werden.
Das bedeutet: Gerade in strukturarmen Gegenden, in denen Gewässerufer weitgehend gehölzfrei sind, kann Knöterich als Ersatzlebensraum Bedeutung erlangen. Daher ist bei Maßnahmen genau abzuwägen, wann und wo der Knöterich bekämpft werden sollte und wo eine angepasste Mahd zum Erhalt von Lebensraumstrukturen beitragen kann.
Fazit:
Der Umgang mit standortfremden Gehölzen und invasiven Arten ist eine der zentralen Herausforderungen in der Gewässerunterhaltung. Nicht die Menge an Grün ist entscheidend, sondern der Erhalt naturnaher, lebenswichtiger Strukturen, die Sicherung der Abflussleistung und die Stärkung ökologischer Funktionen.
Die Devise lautet: So viel Eingriff wie nötig, so wenig wie möglich – aber konsequent dort, wo invasive Arten die natürlichen Funktionen des Gewässers gefährden.
Am Gewässer standortfremde Gehölze (hier beispielsweise Fichten) finden auf den dauerfeuchten Standorten nur ungenügend Halt und sind entsprechend windwurfgefährdet. Nach dem Sturz der Bäume zeigen sich deutlich die flachen Wurzelteller der Fichten. Die Bergung des Windbruchs kann u. U. erhebliche Kosten in der Gewässerunterhaltung verursachen.In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts angelegte Hybrid-Pappelbestände neigen inzwischen zu Überalterung, Bildung großer Mengen Wurfholz und zu Sturmschäden. Invasiver Knöterich im Sommer: die eigentlich krautige Art bildet dichte und hohe Gebüsche mit großen weißen Blüten. Oberirdisch abgestorbener invasiver Knöterich im Winter: Bei Mahd und Beräumung besteht hier kaum die Gefahr, das bewurzelungsfähige Pflanzenteile verbreitet werden.Ufererosion im Bereich eines großflächigen Knöterichvorkommens: Da Knöterichwurzeln nicht in der Lage sind die Ufer zu stabilisieren, kann es bei Hochwasser leicht zu Ufererosionen kommen.Bei Erdarbeiten zurückgelassene Wurzelstücke wachsen an und bilden neue Pflanzen aus. Drüsiges Springkraut ist eine inzwischen weit verbreitete Neophytenart. Sie kann gut durch Mahd vor der Blüte beherrscht werden.Die Kanadische Goldrute trifft man hin und wieder in Massenvorkommen an Gewässern. Sie kann durch Mahd gut bekämpft werden. Auch eine Rodung mit Beseitigung der Wurzelballen ist erfolgversprechend.
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