von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Dienstag, 25 Oktober, 2016 | Aktuelles, Gedanken und Anregungen, Gewässerentwicklung, Hochwasserschutz, Literatur, Veranstaltungen
Flächensicherung durch Flurbereinigungsverfahren – es könnte so einfach sein …
… aber wie überall steckt der Teufel im Detail. Über die Chancen und Möglichkeiten, das Instrument der Flurbereinigung für die Sicherung der erforderlichen Flächen für eine naturnahe Gewässerentwicklung im Sinne der Zielsetzungen der EG-WRRL zu nutzen, wurde ausführlich im Rahmen von drei Seminaren des LfULG diskutiert.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Donnerstag, 11 August, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz
Bedeutung einer strukturreichen Gewässersohle für die Strahlwirkung an Fließgewässern wissenschaftlich nachgewiesen
Im Zuge der Umsetzung der EG-WRRL werden bis spätestens 2027 die Herstellung und der Erhalt eines guten ökologischen Zustandes aller Oberflächengewässer gefordert. Um dieses Ziel möglichst zeitnah und kosteneffizient zu erreichen, ist das Konzept der Strahlwirkung von großer Bedeutung. Hierbei werden ausgehend von einem Strahlursprung, d.h. einem Gewässerabschnitt mit einem guten ökologischen Zustand, Gewässerstrecken mit einem schlechteren Zustand überwunden bis sich wiederum ein Gewässerabschnitt mit einem guten Zustand (Strahlursprung) anschließt und somit das Gewässer auf der gesamten Länge ökologisch aufgewertet und durchgängig gestaltet wird.
Im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Freiburg im Breisgau untersuchte Sabine Aßmann anhand repräsentativer Gewässerabschnitte, wie gut das Prinzip der Strahlwirkung funktioniert und welche Distanzen Organismen des Makrozoobenthos überwinden können.
Auf die Sohle kommt es an!
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass bei allen drei untersuchten, grobmaterialreichen silikatischen Mittelgebirgsbächen eine Strahlwirkung stattfand. Ebenso zeigte sich, dass sich der ökologische Zustand des Gewässers mit zunehmender Distanz zum Strahlursprung kontinuierlich verschlechterte. Dabei reichte die Wirkung in ausgebauten Fließstrecken von 800 m bis zu 1800 m, wobei die Zusammensetzung und das Vorkommen des untersuchten Makrozoobenthos im Verlauf der Abschnitte variierte und mit zunehmender Distanz zum Strahlursprung abnahm. Als Ursache für eine entsprechende Reichweite der Strahlwirkung wurde vornehmlich die Sohlstruktur mit einem entsprechenden gewässertypischen Sohlsubstrat identifiziert.
Letztlich konnte anhand der Arbeit festgestellt werden, dass sich mit Hilfe der Strahlwirkung der ökologische Zustand des Fließgewässers nachweislich verbessern lässt. Eine besondere Beachtung sollte dabei der Ausbildung eines gewässertypischen Sohlsubstrates im Strahlweg, besonders bei ausgebauten Gewässersohlen, zukommen. Hier kann speziell die Gewässerunterhaltung entsprechend angepasst werden.
Systematische Gewässerunterhaltung – Schlüssel zum Erfolg
Gewässerunterhaltungspflichtige sollten hier immer genau prüfen, ob aus hydraulischer Sicht tatsächlich Beräumungsmaßnahmen notwendig sind und wenn ja in welchem Umfang. So sind zumindest teilweise Substratinseln, Totholzstrukturen und Makrophytenpolster für die Besiedlung von spezialisierten Arten im Gewässer zu belassen. Gegebenenfalls muss abschnittsweise gearbeitet werden. Im besten Fall lassen sich Kostenreduzierungen in der Gewässerunterhaltung und ökologische Aufwertung miteinander kombinieren!
Für eine weitere Aufwertung des Gewässers verweist Aßmann aufgrund ihrer Untersuchungen auf den aktiven Einbau von Trittsteinen in Form von Totholz- oder Substratstrukturen als geeignete Möglichkeit für eine Verlängerung der Strahlwirkung und somit ökologische Aufwertung des Gewässers.
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- Die Aufweitung des Gewässerbetts, ingenieurbiologische Ufersicherung in Kombination mit eingebauten Totholzlementen und Belebungssteinen führten zu ausgeprägter Strukturvielvalt.
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- Aufgrund der abwechslungsreichen Uferlinie und der eingebauten Sohlstrukturen sind trotz der begrenzten Flächenverfügbarkeit gewässertypische Sohlenstrukturen wie Kiesinseln, Kolke und Flachwasserzonen entstanden.
Die Dissertation steht über die Seite der Universitätsbibliothek Freiburg im „FreiDok plus“ zum Download bereit: AßMANN: „Der Einfluss naturnaher und renaturierter Gewässerstrecken auf die Makrozoobenthos-Fauna strukturell defizitärer Fließgewässerabschnitte“, 2015, Freiburg im Breisgau.
von Lars Stratmann | Montag, 23 Mai, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Umweltrechtliche Aspekte, Veranstaltungen, Ökologie im und am Wasser
Am 10. und 11. Mai 2016 wurden im Umweltbundesamt in Dessau Erfolgsfaktoren für die Gewässerentwicklung und Wege für eine erfolgreiche Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie diskutiert. Stowasserplan brachte sich in den 3. Hydromorphologie-Workshop ein, der in Kooperation mit dem LAWA-Expertenkreis Hydromorphologie durchgeführt wurde.
Der Workshop gliederte sich in Plenarvorträge, 10 World Café Tische und 4 große Workshops. Die Impulsreferate und Ergebniszusammenfassung der Workshops sind bereits auf der Veranstaltungshomepage verfügbar. In den Workshops ging es um „Grundlagen und Instrumente der Flächenbereitstellung“, die „Planung und Umsetzung hydromorphologischer Maßnahmen“, die „Akzeptanz hydromorphologischer Maßnahmen“ und den „Erfolg hydromorphologischer Maßnahmen“.

Repräsentativer strukturreicher Gewässerabschnitt am Mutzschener Wasser oberstrom Neichen vor der Mündung in die Vereinigte Mulde.
Bezogen auf die Hemmnisse „mangelnde Flächenverfügbarkeit“ und teilweise „geringe Akzeptanz“ für hydromorphologische Wasserbaumaßnahmen wurden verschiedene Handlungsbedarfe und Ideen formuliert. Diese sind breit gefächert und reichen von rechtlichen Anpassungen über politische Zielsetzungen und Harmonisierungen bis hin zu Umsetzungshilfen durch Fachpapiere und Fachmethoden sowie Öffentlichkeitsbeteiligung und Kommunikation der Vorteile hydromorphologisch guter Gewässer.
von Katrin Dachsel | Freitag, 11 März, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz
… so berichtete die Sächsische Zeitung im Januar diesen Jahres. Diese drastische Bezeichnung bringt den Handlungsbedarf am Mortelbach in der Stadt Waldheim auf den Punkt.
Aus fachlicher Sicht lässt sich der Mortelbach als naturfern ausgebautes Gewässer mit beidseitigen Ufermauern, befestigter Sohle sowie regulierter Mittelwasserrinne beschreiben. An den Bach grenzt dichte städtische Bebauung und Infrastruktur. Damit ist nicht nur der ökologische Zustand sehr schlecht. Nach den Hochwasserereignissen 2002 und 2013 sind die Sohle aber auch die Ufermauern in sanierungsbedürftigem Zustand. Teile des Betonverbaus lösen sich und bei weiteren Hochwasserereignissen drohen erhebliche Folgeschäden.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Dienstag, 1 März, 2016 | Aktuelles, Entscheidungsunterstützungssysteme (EUS), Gewässerentwicklung, Hochwasser, Hochwasserschutz
Stowasserplan entwickelt seit April 2015 in einem BMBF-Forschungsvorhaben die Software PROGEMIS® – ein Prozessgestütztes Gewässermanagement- und Informationssystem. Das System soll Städte, Gemeinden und Verbände vor allem bei der Gewässerunterhaltung fachlich unterstützen und organisatorisch entlasten. Integriert bietet es Möglichkeiten, den Hochwasserschutz zu verbessern und Maßnahmen zur Gewässerentwicklung einzuplanen.
PROGEMIS® wird dazu mit einem leicht bedienbaren Planungszyklus und Know-how zur Planung und Ausführung von Maßnahmen der Gewässerunterhaltung ausgestattet. Auf Basis eines digitalen, fortschreibbaren Datenbestands vereinfacht es den gesamten Prozess der Gewässerunterhaltung von der konzeptionellen Planung über die Auswahl geeigneter Maßnahmen bis hin zur Dokumentation. Dabei wird PROGEMIS® die Vergabe von Unterhaltungsmaßnahmen an Ausführungsbetriebe und die Einbeziehung von Fachbüros bei der Maßnahmenplanung unterstützen. Außerdem soll eine Informations- und Meldefunktion für Bürger eine bedarfsgerechte Beteiligung ermöglichen. Das System befindet sich in der Entwicklung und wird ab Herbst 2016 bei verschiedenen interessierten Städten und Gemeinden erprobt werden.

PROGEMIS® wird im Rahmen des BMBF-Forschungsvorhabens „In_StröHmunG – Innovative Systemlösungen für ein transdisziplinäres und regionales ökologisches Hochwasserrisikomanagement und naturnahe Gewässerentwicklung“ entwickelt. An dem Verbundvorhaben sind 7 Partner verschiedener Disziplinen aus Forschung und Praxis, Wirtschaft und Verwaltung beteiligt. Hauptziel ist es, Synergien zwischen ökologisch orientierter Gewässerentwicklung und Hochwasserschutzmaßnahmen detailliert zu untersuchen und über Instrumente nutzbar zu machen. Dabei setzt „In_StröHmunG“ auf einen interdisziplinären Ansatz unter Beteiligung von Ingenieur- und Naturwissenschaft sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, um ökologischen Hochwasserschutz zur Umsetzung der HWRM-Richtlinie mit einer naturnahen Fließgewässerentwicklung im Sinne der WRRL zu vereinbaren.
Das Verbundvorhaben „In_StröHmunG“ wird koordiniert vom Institut für Wasserbau und Technische Hydromechanik der Technischen Universität Dresden. Neben den oben genannten Inhalten werden in dem Vorhaben auch die Ablagerung und Mobilisierung von Sedimenten in Abhängigkeit von der Strömung und Bepflanzung am Gewässer untersucht und die Auswirkungen verschiedener hydromorphologischer Maßnahmen auf die Habitateignung von Gewässerabschnitten erforscht.
Partner des Vorhabens „In_StröHmunG“ sind:
Projektwebseite: http://www.in-stroehmung.de
Das diesem Blog-Beitrag zugrunde liegende Vorhaben „In_StröHmunG“ wird im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „Regionales Wasser-Ressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland (ReWaM)“ im Förderschwerpunkt „Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM)“ mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung du Forschung unter dem Förderkennzeichen 033W017F gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.

Ansprechpartner für interessierte Städte und Gemeinden und andere Akteure ist Lars Stratmann.