von Katrin Dachsel | Freitag, 29 September, 2017 | Aktuelles, Ingenieurbiologie, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit
Schulungsangebote zu Theorie und Praxis der Ingenieurbiologie
Schulungen zur Anwendung ingenieurbiologischer Bauweisen in Theorie und Praxis sind ein Kernanliegen der Ingbiotools Kompetenz Ingenieurbiologie GmbH & Co. KG. Seit Anfang des Jahres vermittelt ein umfangreiches Schulungsangebot Fachwissen zum naturnahen Wasserbau gemäß den gesetzlichen Vorgaben in EG-WRRL, WHG und SächsWG. Die Module der Reihe „Ingenieurbiologie – Wir machen Sie fit!“ gliedern sich in Vortragsreihen, Workshops und Bauseminare.
Am 28. März 2017 fand das erste Bauseminar dieses Jahres im Rahmen der Schulungsreihe statt. Dazu trafen sich GaLaBau-Mitarbeiter der Phönix-Bau GmbH, Behördenvertreter sowie Mitarbeiter der Stowasserplan GmbH & Co. KG und der Ingbiotools Kompetenz Ingenieurbiologie GmbH & Co. KG an der Launzige in Fremdiswalde. An einem ausgebauten und begradigten Abschnitt des Gewässers sollten verschiedene Lebendbauweisen zur Strukturierung und ökologischen Aufwertung eingebracht werden. Das Baumaterial für die ingenieurbiologischen Bauweisen stellte der ansässige Landschaftspflegeverband Muldenland e. V. zur Verfügung. Die Organisation und Durchführung des Seminars erfolgte im Rahmen des BMBF-Forschungsvorhabens „In_StröHmunG“. Besonderer Dank gilt der Stadt Grimma, die nicht nur die Flächen in der Ortslage von Fremdiswalde zur Verfügung stellte, sondern auch die Finanzierung der Baumaßnahmen übernahm.
Mitmachen – Anfassen – Begreifen
Nach einer kurzen Einweisung der Seminarteilnehmer wurden Bau-Teams gebildet und los ging es. Unter fachkundiger Anleitung der Ingbiotools-Mitarbeiter wurden durch die Seminarteilnehmer Vegetationswalzen, geneigte Lebendfaschinen, Totfaschinen mit Gehölzpflanzung, eine Spreitlage mit Lebendfaschinen als Fußsicherung sowie Steckhölzer eingebaut. Das schrittweise Vorgehen aber auch die umfassenden Erläuterungen zu den einzelnen Bauweisen halfen, nicht nur das Wesen der Ingenieurbiologie und der Bauweisen zu verstehen, sondern auch mögliche Baufehler gleich zu erkennen und zu vermeiden.
Mithilfe der tatkräftigen Teilnehmer war ein rascher Baufortschritt möglich. Und schon nach Fertigstellung der ingenieurbiologischen Bauweisen am Ende des Seminars wurden deutliche Verbesserungen erster gewässerstruktureller Merkmale, wie Strömungsbild und Substratsortierung in der Launzige sichtbar. Die Eigendynamik des Gewässers und die zunehmende Gehölzentwicklung aus den Bauweisen werden zu einer weiteren Verbesserung der Situation beitragen.
Nachahmer erwünscht
Positive Beiträge zum Seminar leisteten das Wetter, welches sich von seiner besten Seite zeigte und die ansässige Gastwirtschaft, die mit einer hervorragenden Mittagsversorgung das Bauseminar zu einer rundum gelungenen Veranstaltung machten.
Bleibt zu hoffen, dass sich das Wissen und die Erkenntnisse zu den Bauweisen bei den Beteiligten fest verankern und sie dazu beitragen, weitere Bäche und Flüsse in Sachsen gemäß EG-WRRL naturnah zu gestalteten und zu entwickeln.
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- Das begradigte und gehölzfrei ausgebaute Regelprofil der Launzige bietet weder ausreichende hydraulische Kapazitäten noch hochwertige Lebensräume für gewässergebundene Arten der Flora und Fauna. Eine naturnahe Umgestaltung ist hier dringend notwendig.
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- Als vorbereitende Maßnahme zum Einbau der ingenieurbiologischen Bauweisen erfolgte die Modellierung eines naturnahen Verlaufs mit einem aufgeweiteten Profil und abgeflachten Uferböschungen.
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- Zu Beginn des Bauseminars wurden den Beteiligten der Bauablauf und die wichtigsten Einbauaspekte zu ingenieurbiologischen Bauweisen erläutert.
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- Anwendungsbeispiel ist hier eine Spreitlage. Sie soll zukünftig einen Prallhang vor Erosion schützen und gleichzeitig die Ufer begrünen.
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- Das Baumaterial wurde frisch geschnitten und für die Bauweisen vorbereitet vom Landschaftspflegeverband Muldenland e. V. angeliefert. Für eine Spreitlage benötigt man z.B. dünnere Weidenäste bzw. Ruten für die Astlage und dickere Astteile als Pflöcke und Riegelhölzer.
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- Die Bau-Teams widmeten sich gemeinsam dem Einbau der ingenieurbiologischen Bauweisen und diskutierten dabei Möglichkeiten zur Fehlervermeidung.
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- Um die Ufersicherungsfunktion und einen optimalen Anwuchserfolg zu gewährleisten, ist es wichtig, dass die ingenieurbiologischen Bauweisen gründlich auf der Uferböschung befestigt werden.
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- Die Übererdung der Bauweisen mit Unterboden war ein weiterer Themenschwerpunkt des Bauseminars. Schließlich trägt diese zum Anwachsen der Bauweise auf der Uferböschung bei.
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- Nach Baufertigstellung waren die ingenieurbiologischen Bauweisen wie auch die Erdmodellierungen an Querprofil und Gewässerlauf noch gut sichtbar. In einer Abschlussbesprechung wurden das Bauseminar und die wesentlichen Inhalte noch einmal reflektiert.
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- Bei fehlerfreiem Einbau zeigen Lebendbauweisen, wie die Weidenspreitlage, gleich in der ersten Vegetationsperiode einen dichten Austrieb.
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- Schon nach sechs Monaten ist der umgestaltete Abschnitt der Launzige komplett begrünt. Zwischen den blühenden Hochstauden erkennt man den Austrieb der eingebauten Lebendbauweisen. Der Bachlauf wird mit zunehmender Gehölzentwicklung mehr und mehr beschattet und bietet so den gewässertypspezifischen Arten optimale Lebensbedingungen.
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- Die Baumaßnahme zur naturnahen Umgestaltung eines Teilabschnittes der Launzige wurde gefördert vom Bundesministerium für Forschung und Bildung sowie der Stadt Grimma.
von Katrin Dachsel | Mittwoch, 28 Juni, 2017 | Aktuelles, Bauüberwachung und Umweltbaubegleitung, Gewässerentwicklung, Hochwasser, Hochwasserschutz, Ingenieurbiologie, Ingenieurbiologie - Bauausführung, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie, Projektschwerpunkte
Nach Wasserhaushaltsgesetz § 6 (2) WHG sollen „nicht naturnah ausgebaute natürliche Gewässer wieder in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden“. Im Zuge des Baus der Großwohnsiedlung Gorbitz wurde der Weidigtbach größtenteils verrohrt bzw. naturfern ausgebaut. Seit 1999 wurden im Auftrag des Umweltamts der Landeshauptstadt Dresden verschiedene Abschnitte des Weidigtbachs renaturiert. Als einer der letzten großen Herausforderungen auf dem Wege zu einem naturnäheren Weidigtbach galt die sogenannte „Große Verrohrung des Weidigtbachs“ in Dresden Gorbitz zwischen Schlehenstraße und Melissenweg.
Dieser verrohrte Bachabschnitt war bisher ein ökologisch unüberwindbares Hindernis zwischen den bereits naturnah umgestalteten Abschnitten des Weidigtbachs. Nach mehrjähriger Planungsphase erfolgte der Baubeginn zur Umgestaltung dieses Abschnitts im Mai 2015. Auftraggeber war wiederum das Umweltamt der Landeshauptstadt Dresden. Stowasserplan übernahm die örtliche Bauüberwachung. Seit Juli 2016 fließt nun der Weidigtbach durch die 410 m lange naturnahe Umgestaltungsstrecke.
Ziele & Herauforderungen
Grundlegende Ziele der Offenlegung der „Großen Verrohrung“ am Weidigtbach waren:
- Die Offenlegung auf maximal möglicher Länge
- Die Verbesserung der ökologischen Wirksamkeit und die naturnahe Entwicklung des Fließgewässers
- Die Gestaltung des Gewässers als Bestandteil des städtischen Freiraumes mit optischer Aufwertung des Wohnumfelds und Erhöhung der Erlebbarkeit des Baches
- Die Biotopvernetzung zwischen dem linkselbischen Hügelland und dem Elbtal
Als Besonderheit bei der Planung und Bauausführung zur Offenlegung und naturnahen Umgestaltung des Weidigtbachs galt das mit durchschnittlich 3,7 % – hohe Gefälle des Bachlaufes. Gleichzeitig wird das Wasserregime des Gewässers in erster Linie von extremen Starkregenereignissen bestimmt. Damit treten kurzzeitig große Abflussspitzen auf, die der Bach unbeschadet abführen muss.
Für weitere Komplexität des Projektes sorgten die Kreuzungsbauwerke der Umgestaltungsstrecke mit dem Omsewitzer Ring und einer Straßenbahntrasse. Sie erforderten den Neubau von Durchlassbauwerken und damit einhergehende Straßensperrungen.
Der erlebbare (Weidigt-) Bach
Erfreulicherweise konnten die Baumaßnahmen im Sommer 2016 abgeschlossen werden. Der Weidigtbach verläuft nun in einem weitgehend offenen und erlebbaren Profil durch den 2007 fertiggestellten Weidigtbachpark. Die Sicherung der neu hergestellten Sohl- und Uferbereiche erfolgte mittels ingenieurbiologischer Bauweisen. Als Bepflanzung für die Ufer sind Steckhölzer und Gehölzjungpflanzen eingebracht worden. Daraus wird sich ein naturnaher, standortgerechter Gehölzsaum entwickeln, der die Ufer nachhaltig sichert und Lebensräume für eine Vielzahl einheimischer Arten bietet. Im Bereich des Einlaufes in den weiterhin vorhandenen Durchlass unter der Coventrystraße wurden außerdem eine Zufahrtsrampe und Sitzstufen eingebaut. Damit wird nicht nur die Pflege des Gewässers erleichtert, sondern es werden auch Aufenthalts- und Verweilmöglichkeiten am Gewässer angeboten.
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- Auch in dem bisher unzugänglichen Bereich zwischen Haltestelle Schlehenstraße und Kreuzung mit der Stadtbahntrasse wurde der Weidigtbach offen gelegt und wieder erlebbar gemacht. Foto: Juni 2016
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- Der Austrieb der ingenieurbiologischen Bauweisen in der Ufersicherung des Weidigtbachs, wie hier im Bereich nördlich des Omsewitzer Rings, erfolgt schon kurz nach der Baufertigstellung. Foto: April 2016
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- Am Durchlassbauwerk zur Unterquerung der Stadtbahntrasse dient das Tosbecken gleichzeitig als temporärer Stillwasserbereich, wenn der Weidigtbach in Trockenwetterperioden austrocknet. Foto: März 2017
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- Die Sitzstufen als Aufenthaltsmöglichkeit sind gleichzeitig Ufersicherung am Einlaufbauwerk zum Durchlass an der Coventrytraße. Die Aufweitung des Bachbettes sowie die Zufahrtsrampe erleichtern die Pflege und Beräumung des Bachbettes durch die Landeshauptstadt Dresden. Foto: August 2016
Weitere Abschnitte des Weidigtbaches, die durch Stowasserplan geplant und bis hin zur Fertigstellung begleitet wurden, finden Sie auf den Seiten unserer Homepage:
von Katrin Dachsel | Freitag, 17 Februar, 2017 | Aktuelles, Freiraumgestaltung und Regenwassermanagement, Ingenieurbiologie, Ingenieurbiologie - Planung, Ingenieurbiologie - Vegetationsentwicklung, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie, Veranstaltungen
Am 16. und 17. März 2017 finden zum 11. Mal die Dresdner StadtBaumtage statt. Unter Federführung des Instituts für Forstbotanik und Forstzoologie der Technischen Universität Dresden sowie des Dresdner Amts für Stadtgrün und Abfallwirtschaft werden alljährlich aktuelle Fragen zur urbanen Gehölzpflege und -verwendung vorgestellt und diskutiert. Thematischer Schwerpunkt ist immer wieder die Frage, wie man in dem komplexen Gefüge von klimatischen und standörtlichen Bedingungen sowie räumlichen und Nutzungsanforderungen in der Stadt und insbesondere im Straßenraum Gehölze als wesentlichen Bestandteil des Stadtgrüns erfolgreich etablieren, pflegen und erhalten kann.
Für die Lebensqualität in urbanen Räumen ist Stadtgrün von elementarer Bedeutung. Zu seinen Funktionen gehören wirtschaftliche Leistungen wie Ausgestaltung von Baukultur, Erzeugung von Qualität und Ästhetik im Wohn- und Arbeitsumfeld, ökologische Leistungen wie Artenschutz und Erhalt der Biodiversität, Naturerfahrung und Klimavorsorge oder auch soziale Leistungen als Orte der Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe sowie zur Gesundheitsvorsorge.
Zur diesjährigen Tagung wird sich ein Beitrag von Stowasserplan damit beschäftigen, wie man diesen Anforderungen mit den Möglichkeiten der Ingenieurbiologie gerecht werden kann. Es wird anhand bereits umgesetzter Planungen beispielhaft dargelegt, wie man mit lebenden Pflanzen und Pflanzenteilen Stadtgrün etablieren kann, welche Möglichkeiten es gibt und wo Grenzen liegen. Die technischen Funktionen, die ökologischen und ökonomischen Wirkungen sowie die ästhetischen Möglichkeiten der ingenieurbiologischen Bauweisen haben bisher vielfach gezeigt, dass sie in der Lage sind, maßgefertigte Lösungen für Begrünungs- und Bauaufgaben im Sinne eines nachhaltigen Bauens zu liefern. Mittels Ingenieurbiologie könnten somit auch notwendige Kompromisse zwischen Restriktionen, unterschiedlichsten Nutzungserfordernissen und Naturnähe im städtischen Raum vereinbart sowie ausgestaltet werden, um Grün in der Stadt bestmögliche Entwicklungsoptionen zu verschaffen.
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- Große Mittweida im Jahr 2007 vor Umsetzung der Revitalisierung mittels ingenieurbiologischer Bauweisen
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- Große Mittweida im Jahr 2015 mit etablierter Ufervegetation aus ingenieurbiologischen Bauweisen
Das gesamte Tagungssprogramm der Dresdner StadtBaumtage finden Sie hier.
von Katrin Dachsel | Freitag, 11 März, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz
… so berichtete die Sächsische Zeitung im Januar diesen Jahres. Diese drastische Bezeichnung bringt den Handlungsbedarf am Mortelbach in der Stadt Waldheim auf den Punkt.
Aus fachlicher Sicht lässt sich der Mortelbach als naturfern ausgebautes Gewässer mit beidseitigen Ufermauern, befestigter Sohle sowie regulierter Mittelwasserrinne beschreiben. An den Bach grenzt dichte städtische Bebauung und Infrastruktur. Damit ist nicht nur der ökologische Zustand sehr schlecht. Nach den Hochwasserereignissen 2002 und 2013 sind die Sohle aber auch die Ufermauern in sanierungsbedürftigem Zustand. Teile des Betonverbaus lösen sich und bei weiteren Hochwasserereignissen drohen erhebliche Folgeschäden.