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Wie müsste eigentlich eine effektive Fließgewässerrenaturierung stattfinden?

Wie müsste eigentlich eine effektive Fließgewässerrenaturierung stattfinden?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Ganz am Anfang einsteigen! Das ganze Große im Blick haben. Oder fachlich ausgedrückt: Nachhaltige Erfolge in der Fließgewässerrenaturierung lassen sich nur erzielen, wenn Konzepte und Maßnahmenplanungen auf Einzugsgebietsebene vorliegen, die dann sukzessive umgesetzt werden. Kleinräumige Maßnahmen auf lokaler Ebene sind daher immer in den Kontext eines Gesamtkonzepts zu stellen!

Was die mit der täglichen Planungspraxis vertrauten Mitstreiter für naturnahe Fließgewässer schon immer vermutet haben, wird nun in einem sehr anschaulichen Bericht über erfolgversprechende Strategien zur effektiven Renaturierung von Fließgewässern von Andrea Sundermann, Senckenberg Gesellschaft, und Matthias Oetken, Goethe-Universität Frankfurt, untermauert. Verfasst wurde die Veröffentlichung im Rahmen des ReWaM Forschungsverbundprojekts und NiddaMan.

Lesen Sie den Bericht und erfahren Sie mehr über effektive Fließgewässerrenaturierung unter folgendem Link:  „Strategien zur effektiven Renaturierung von Fließgewässern“ (Niddaman, WissensWert, Nr. 2)

Koitzschgraben_August_2011

Beispiel Koitzschgraben in Dresden Prohlis – Vor der naturnahen Umgestaltung im Jahr 2011 war der Koitzschgraben ein nahezu gehölzfreier und mit Rasengitterplatten geradlinig ausgebauter Bach.

Koitzschgraben_August_2013

Der Koitzschgraben zwei Jahre nach Baufertigstellung – Die Renaturierung war Teil eines Konzepts für die naturnahe Umgestaltung des Koitzschgrabens inklusive Wohnumfeldverbesserung. Das Konzept wurde bereits 2002 erstellt und in mehreren Bauabschnitten zwischen 2009 und 2012 durch Stowasserplan umgesetzt.

Startschuss für mehr Naturnähe an der Roda in Laasdorf!

Startschuss für mehr Naturnähe an der Roda in Laasdorf!

In der Gemeinde Laasdorf im Südlichen Saaletal des Freistaates Thüringen beginnen derzeit die Baumaßnahmen zur naturnahen Umgestaltung der Roda. Ingenieurbiologische Bauweisen sollen helfen die Gewässerstruktur zu verbessern und die Ufer zu stabilisieren.

Die Roda in Laasdorf – die Eckdaten

Die Roda ist ein Zufluss der Saale im östlichen Thüringen. Laasdorf ist eines der Tälerdörfer, das für das Tal der Roda charakteristisch ist. Neben naturnahen Bereichen und Ufern verläuft die Roda in einigen Abschnitten in der Ortslage begradigt. Das Profil der Roda ist durch Erosion tief in das Sohlental eingeschnitten, sodass sich ein kastenförmiges Gewässerbett ausgebildet hat. Lebensraumschaffende Strukturen fehlen in diesen geraden Bereichen mitunter völlig.

Jedoch sind in der Siedlung Laasdorf auch gewässertypische Elemente anzutreffen, wie überhängende Ufer mit Uferabbrüchen. So durchfließt der Mittelgebirgsbach die Ortslage auch in Teilen geschwungen. Die typische Überdeckung der schlammig-sandigen Bereiche mit unterschiedlichen Anteilen von Kiesen und Löss sowie eingetragene Bestandteile wie Falllaub und Totholz führen in den Mittelgebirgslagen zu einer vergleichsweise großen Substratvielfalt.

Bei einem solchen Spektrum an Strukturen fühlt sich auch die für Mittelgebirgsbäche typische Fauna wohl. Charakteristische Arten wie Bachforelle, Groppe und Bachneunauge finden ihren Verbreitungsraum. Insbesondere die als Querder bezeichneten Larven der Bachneunaugen, welche auf eine heterogene Verteilung der Bodensubstrate angewiesen sind, finden in diesem Bachtyp zahlreiche geeignete Lebensräume.

Beraten, Planen, Bauen – Was wir tun…

Seit 2010 planen und beraten unsere Ingenieure vom Büro Stowasserplan zusammen mit der Gemeinde, um die Roda in verbauten und beeinträchtigten Bereichen ihrer natürlichen Gestalt anzunähern. Gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die eine ganzheitliche Betrachtung der Gewässer und eine Verbesserung oder den Erhalt des ökologischen Zustandes fordert, wird die Roda in Teilbereichen naturnah umgestaltet und dabei die Gewässerstruktur verbessert. Bei solchen Vorhaben an Fließgewässern in Ortschaften werden vielerlei Interessen berührt, die es gilt zur Umsetzung solcher Planungen zusammen zu bringen.

Im November letzten Jahres sind die Planungen zur naturnahen Gestaltung von der unteren Wasserbehörde Eisenberg genehmigt worden. Es ist geplant den naturfernen Uferverbau in der Siedlung rückzubauen, einige Uferabschnitte abzuflachen und verschiedene naturnahe Bauweisen zur Strukturierung der Sohle und Ufer einzubringen. Diese Maßnahmen dienen zur Herstellung naturnaher Gewässerstrukturen sowie zur Initiierung eigendynamischer Prozesse. In Bereichen, wo auf eine Ufersicherung nicht verzichtet werden kann, wird diese durch ingenieurbiologische Bauweisen realisiert.

Der Baubeginn erfolgte am 04.02.2013. Ich freue mich auf eine anspruchsvolle Baustelle!

Über den Fortschritt der Bauarbeiten werden wir Sie natürlich auf dem Laufenden halten…

…Hier haben wir für Sie einige erste Impressionen zum aktuellen Geschehen – Lesen Sie in der folgenden Bildergalerie nach!

Pressemitteilung der Thüringischen Landeszeitung und
Verbaut und befestigt – Das geht auch anders!

 

Auf zu neuen Ufern! | Ingenieurbiologie am Rhein

Auf zu neuen Ufern! | Ingenieurbiologie am Rhein

Bei strahlendem Sonnenschein wurde am 20.09.12 bei optimalem Wasserstand des Rheins die 1 km lange Versuchsstrecke zur Erprobung ingenieurbiologischer Bauweisen feierlich eröffnet. Wortführende waren Herr Stenschke, Unterabteilungsleiter Wasserstraßen vom BMV, Herr Joeris Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest, Frau Herzog Amtsleiterin des Wasser und Schiff-fahrtsamts Mannheim, Herr Heubaum vom BAW und Herr Behrendt Direktor der BfG.

Alle Redner unterstrichen die zukunftsweisende Form der naturnahen Ufersicherungen mit Weidensetzstangen, Lebendfaschinen, Heckenbuschlagen, Buschlagen, Spreitlagen, Röhrichtgabionen, Pflanzmatten etc. und Uferentsteinungen, deren Potenzial und Bedeutung vor dem Hintergrund der veränderten gesell-schaftlichen Anforderungen an die Bundeswasserstraßen und die Umsetzung der EG-WRRL weiter zunehmen werden. Die Planung erfolgte durch Stowasserplan und Geitz und Partner, die auch die Bauüberwachung übernahmen.

Multitalent – Ingenieurbiologie

 

An den Ufern der Bundeswasserstraße Rhein müssen die ingenieurbiologischen Bauweisen mit denkbar schwierigen Bedingungen zurecht kommen: Bis zu 12 m hohe, überwiegend 1:2 bis 1:3 steile Böschungen, 6 m Wasserspiegelschwankungen, schiffsinduzierte Belastungen wie Schwall und Sunk, Wellenschlag etc. Die starken Wasserspiegelschwankungen führen dazu, dass die hydraulischen Belastungen auf gesamter Länge der Uferböschungen auftreten können. Dennoch sollen die ingenieurbiologischen Bauweisen nicht nur das Ufer sichern, sondern gleichzeitig
auch zur Strukturverbesserung der ausgebauten und bisher überwiegend mit Steinschüttungen verbauten Rheinböschungen beitragen.

Nach knapp einer Vegetationsperiode haben die im Herbst 2011 angelegten 9 Versuchsfelder bereits  zu einem erheblichen Erkenntnisgewinn geführt. Besonders gut bewährt haben sich beispielsweise diagonal zur Wasserlinie eingebaute, mehrlagige Spreitlagen. Durch die diagonale Anordnung der Äste wird der Wellenschlag gebremst und so der Austrag von Feinmaterial aus der Böschung minimiert. Die diagonal eingebauten Äste kommen gut mit den Wasserstandsschwankungen des Rheins zurecht, wodurch die Weiden bereits im 1. Jahr über 1,5 m Zuwachs aufweisen und die gesamte Spreitlage sehr vital ist und die Uferböschung entsprechend gut schützt.

Wir bleiben auf dem Laufenden!

 

Durch die BAW und die BfG wird die weitere Entwicklung der ingenieurbiologischen Bauweisen durch ein umfangreiches Monitoringprogramm in den nächsten Jahren begleitet werden. Über neue Eindrücke vom Rheinufer und aktuelle Ergebnisse aus den angesetzten Monitoringmaßnahmen informiere ich Sie gerne weiterhin auf unserem Blog. Nähere Infos zum derzeitigen Stand der Versuchsstrecke und zum Monitoringprogramm gibt es unter folgenden Links der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG):

BAW/Publikationen
BfG/Aktuelles
 

Auch die öffentliche Presse berichtet über die Versuchsstrecke in Lampertheim:

Das Nachrichtenportal Rhein-Neckar morgenweb
Lampertheimer Zeitung Rhein Main Presse
Tip-Verlag, Die Onlineseiten für Südhessen
 

Die Flyer der WSV und der planenden Büros zur Pilotstrecke in Lampertheim stehen unter folgenden Links zum Download bereit…

Flyer WSV
Flyer Geitz & Partner und Stowasserplan