von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Donnerstag, 11 August, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz
Bedeutung einer strukturreichen Gewässersohle für die Strahlwirkung an Fließgewässern wissenschaftlich nachgewiesen
Im Zuge der Umsetzung der EG-WRRL werden bis spätestens 2027 die Herstellung und der Erhalt eines guten ökologischen Zustandes aller Oberflächengewässer gefordert. Um dieses Ziel möglichst zeitnah und kosteneffizient zu erreichen, ist das Konzept der Strahlwirkung von großer Bedeutung. Hierbei werden ausgehend von einem Strahlursprung, d.h. einem Gewässerabschnitt mit einem guten ökologischen Zustand, Gewässerstrecken mit einem schlechteren Zustand überwunden bis sich wiederum ein Gewässerabschnitt mit einem guten Zustand (Strahlursprung) anschließt und somit das Gewässer auf der gesamten Länge ökologisch aufgewertet und durchgängig gestaltet wird.
Im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Freiburg im Breisgau untersuchte Sabine Aßmann anhand repräsentativer Gewässerabschnitte, wie gut das Prinzip der Strahlwirkung funktioniert und welche Distanzen Organismen des Makrozoobenthos überwinden können.
Auf die Sohle kommt es an!
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass bei allen drei untersuchten, grobmaterialreichen silikatischen Mittelgebirgsbächen eine Strahlwirkung stattfand. Ebenso zeigte sich, dass sich der ökologische Zustand des Gewässers mit zunehmender Distanz zum Strahlursprung kontinuierlich verschlechterte. Dabei reichte die Wirkung in ausgebauten Fließstrecken von 800 m bis zu 1800 m, wobei die Zusammensetzung und das Vorkommen des untersuchten Makrozoobenthos im Verlauf der Abschnitte variierte und mit zunehmender Distanz zum Strahlursprung abnahm. Als Ursache für eine entsprechende Reichweite der Strahlwirkung wurde vornehmlich die Sohlstruktur mit einem entsprechenden gewässertypischen Sohlsubstrat identifiziert.
Letztlich konnte anhand der Arbeit festgestellt werden, dass sich mit Hilfe der Strahlwirkung der ökologische Zustand des Fließgewässers nachweislich verbessern lässt. Eine besondere Beachtung sollte dabei der Ausbildung eines gewässertypischen Sohlsubstrates im Strahlweg, besonders bei ausgebauten Gewässersohlen, zukommen. Hier kann speziell die Gewässerunterhaltung entsprechend angepasst werden.
Systematische Gewässerunterhaltung – Schlüssel zum Erfolg
Gewässerunterhaltungspflichtige sollten hier immer genau prüfen, ob aus hydraulischer Sicht tatsächlich Beräumungsmaßnahmen notwendig sind und wenn ja in welchem Umfang. So sind zumindest teilweise Substratinseln, Totholzstrukturen und Makrophytenpolster für die Besiedlung von spezialisierten Arten im Gewässer zu belassen. Gegebenenfalls muss abschnittsweise gearbeitet werden. Im besten Fall lassen sich Kostenreduzierungen in der Gewässerunterhaltung und ökologische Aufwertung miteinander kombinieren!
Für eine weitere Aufwertung des Gewässers verweist Aßmann aufgrund ihrer Untersuchungen auf den aktiven Einbau von Trittsteinen in Form von Totholz- oder Substratstrukturen als geeignete Möglichkeit für eine Verlängerung der Strahlwirkung und somit ökologische Aufwertung des Gewässers.
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- Die Aufweitung des Gewässerbetts, ingenieurbiologische Ufersicherung in Kombination mit eingebauten Totholzlementen und Belebungssteinen führten zu ausgeprägter Strukturvielvalt.
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- Aufgrund der abwechslungsreichen Uferlinie und der eingebauten Sohlstrukturen sind trotz der begrenzten Flächenverfügbarkeit gewässertypische Sohlenstrukturen wie Kiesinseln, Kolke und Flachwasserzonen entstanden.
Die Dissertation steht über die Seite der Universitätsbibliothek Freiburg im „FreiDok plus“ zum Download bereit: AßMANN: „Der Einfluss naturnaher und renaturierter Gewässerstrecken auf die Makrozoobenthos-Fauna strukturell defizitärer Fließgewässerabschnitte“, 2015, Freiburg im Breisgau.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Dienstag, 21 Juni, 2016 | Aktuelles, Ingenieurbiologie - Erfolgskontrolle, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie
Folgenden Beitrag zur Entwicklung der Bauweisen an einem Prallhang der Freiberger Mulde bei Nossen haben wir kürzlich von unserem Auftraggeber erhalten:
[…] ich war kürzlich wieder mal in Nossen am Prallhang. Bei dieser Gelegenheit habe ich die beigefügten Bilder gemacht. Ich war schon erstaunt, wie dort alles wächst und gedeiht.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Freitag, 3 Juni, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Veranstaltungen
Ausgerichtet von der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) findet am 29.-30.9.16 in Coesfeld (NRW) eine anspruchsvolle zweitägige Veranstaltung zu aktuellen Aspekten der Gewässerentwicklung statt. Es wird interessante Vorträge zur Entwicklung naturnaher Fließgewässer, Strahlwirkung, Gewässerunterhaltung, Klimawandel sowie den Wechselwirkungen zwischen Abfluss, Morphologie, Geschiebe, Sediment auf Ufer und Gewässersohle geben. Ich werde dort einen Vortrag zum Thema „Gewässerentwicklung durch nachhaltige und prozessorientierte Gewässerunterhaltung“ halten. Am zweiten Tag findet eine Exkursion zu kleineren renaturierten Fließgewässern statt.
Den Termin mit allen relevanten Daten zu Inhalt, Veranstaltungsort & Anmeldung auf einen Blick finden Sie auch im Kalender unserer Homepage:
Stowasserplan – Kalender
oder direkt bei der NUA – Flyer & Artikel zur Tagung:
Veranstaltungsflyer
Artikel der NUA zur Fachtagung
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Montag, 23 Mai, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Umweltrechtliche Aspekte, Veranstaltungen, Ökologie im und am Wasser
Am 10. und 11. Mai 2016 wurden im Umweltbundesamt in Dessau Erfolgsfaktoren für die Gewässerentwicklung und Wege für eine erfolgreiche Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie diskutiert. Stowasserplan brachte sich in den 3. Hydromorphologie-Workshop ein, der in Kooperation mit dem LAWA-Expertenkreis Hydromorphologie durchgeführt wurde.
Der Workshop gliederte sich in Plenarvorträge, 10 World Café Tische und 4 große Workshops. Die Impulsreferate und Ergebniszusammenfassung der Workshops sind bereits auf der Veranstaltungshomepage verfügbar. In den Workshops ging es um „Grundlagen und Instrumente der Flächenbereitstellung“, die „Planung und Umsetzung hydromorphologischer Maßnahmen“, die „Akzeptanz hydromorphologischer Maßnahmen“ und den „Erfolg hydromorphologischer Maßnahmen“.

Repräsentativer strukturreicher Gewässerabschnitt am Mutzschener Wasser oberstrom Neichen vor der Mündung in die Vereinigte Mulde.
Bezogen auf die Hemmnisse „mangelnde Flächenverfügbarkeit“ und teilweise „geringe Akzeptanz“ für hydromorphologische Wasserbaumaßnahmen wurden verschiedene Handlungsbedarfe und Ideen formuliert. Diese sind breit gefächert und reichen von rechtlichen Anpassungen über politische Zielsetzungen und Harmonisierungen bis hin zu Umsetzungshilfen durch Fachpapiere und Fachmethoden sowie Öffentlichkeitsbeteiligung und Kommunikation der Vorteile hydromorphologisch guter Gewässer.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Donnerstag, 21 April, 2016 | Aktuelles, Bauüberwachung und Umweltbaubegleitung, Hochwasser, Hochwasserschutz, Ingenieurbiologie, Ingenieurbiologie - Bauausführung, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie
Beim Hochwasser 2013 kam es an der Freiberger Mulde bei Nossen zu Schäden an einem Prallhang. Aufgrund des Hochwassers strömten die ankommenden Wassermassen direkt gegen den Damm einer Wasserkraftanlage. Der eigentliche Gleithang (bei Abfluss im Gerinne) wurde dadurch zu einem Prallhang. Die Dammböschung der Wasserkraftanlage zur Freiberger Mulde wurde auf einer Länge von ca. 70 Metern zerstört und musste neu gesichert werden. Zur Einbindung der neuen Ufersicherung in die Umgebung forderte die zuständige Untere Wasserbehörde eine naturnahe Ufersicherung.
Aufgrund der beengten Platzverhältnisse wurde die neue Böschung im Zuge der Hochwasserschadensbeseitigung mit einer Kombination aus begrüntem Steinsatz und begrünter Steinschüttung mit Wasserbausteinen LMB 60/300 bzw. 40/200 nach TLW 2003 gesichert. Im Auftrag des Betreibers der Wasserkraftanlage erfolgte die Planung und Bauüberwachung durch Stowasserplan.
Im Folgenden zeigen einige Bilder das Baugeschehen im vergangenen Herbst an der Freiberger Mulde …
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- Die Fußsteinreihe wurde aus Wasserbausteinen LMB 60/300, in Beton gesetzt und gründet damit die Ufersicherung im anstehenden Fels (Blick in Fließrichtung, Oktober 2015).
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- Eine Buschlage (austriebsfähige Weidenäste) über der Fußsteinreihe bildet die erste Lage des begrünten Steinsatzes.
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- Die zweite Lage wurde als Kombination von Hecken- und Buschlagen ausgeführt. Lange Weidenäste (Länge bis zu 4,0 m, ca. 1 Ast pro lfm) sorgen dabei langfristig für einen Wurzelschluss tief in der Böschung. Neben den Weidenästen wurden Erlenjungpflanzen in die zweite Lage eingebaut.
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- Die Jungpflanzen und Weidenäste wurden mit Feinmaterial übererdet. An der vorprofilierten Böschung wurde ein Filter eingebaut. Der weitere Böschungsaufbau erfolgte als Steinschüttung.
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- Die weiteren Lagen sind als Heckenlagen (Gehölzjungpflanzen – Mischungen aus standortheimischen Gehölzen – Forstware von Erle, Esche, Ahorn, Linde) ausgeführt. Aus den Heckenlagen wird sich mittelfristig ein Gehölzaufwuchs an der Böschung etablieren, der für eine Verklammerung zwischen Wasserbausteinen, Filter und anstehenden Boden sorgt und damit die Standsicherheit der Böschung erhöht.
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- Die weiteren Lagen sind als Heckenlagen (Gehölzjungpflanzen – Mischungen aus standortheimischen Gehölzen – Forstware von Erle, Esche, Ahorn, Linde) ausgeführt. Aus den Heckenlagen wird sich mittelfristig ein Gehölzaufwuchs an der Böschung etablieren, der für eine Verklammerung zwischen Wasserbausteinen, Filter und anstehenden Boden sorgt und damit die Standsicherheit der Böschung erhöht.
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- Im November 2015 wurden die Arbeiten zur Hangsicherung fertiggestellt (Blick in Fließrichtung).
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- Rund fünf Monate nach der Fertigstellung, kann ein erfolgreiches Anwachsen der Weiden und Gehölzjungpflanzen beobachtet werden (Stand April 2016).
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- Detail Austrieb Heckenbuschlage (April 2016)
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- Detail Austrieb Buschlage (April 2016)