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Unerwünschte Arten am Gewässer – ist das ein Problem?

Unerwünschte Arten am Gewässer – ist das ein Problem?

Ein Spaziergang am Bach: das Ufer dicht bewachsen, Blätter im Wind, weiße Blütenrispen leuchten in der Sonne – alles scheint intakt. Doch dieser Eindruck täuscht. Viele dieser Pflanzen gehören gar nicht ans Gewässer. Sie haben heimische Arten verdrängt, ihre Wurzeln stabilisieren die Böschungen nicht und im Hochwasserfall können sie sogar Schäden verursachen. Was scheinbar harmonisch wirkt, kann in der Gewässerunterhaltung massive Probleme verursachen – für das Ökosystem, die Hochwassersicherheit und die langfristige Gewässerentwicklung.

Natürliche Vegetation am Gewässer – was dort eigentlich wachsen sollte

An einem naturnahen Fließgewässer wachsen ganz bestimmte Pflanzen: Erlen, Weiden, Eschen, Ulmen, Ahorn oder Pappeln säumen die Ufer, während Hochstauden wie Blutweiderich, Mädesüß oder Pestwurz in feuchten Randbereichen gedeihen. Diese Vegetation bildet Lebensräume für eine Vielzahl von einheimischen Tierarten, stabilisiert die Böschungen, fördert den Wasserhaushalt und trägt zum Klimaschutz bei.

Problematisch wird es, wenn standortfremde Gehölze oder invasive krautige Arten die Oberhand gewinnen. Sie verdrängen nicht nur die typischen Arten, sondern verändern auch die Strukturen, die für ein funktionierendes Gewässerökosystem unverzichtbar sind.

Warum standortfremde Arten zum Problem werden

Robinien, Götterbäume, Eschen-Ahorn oder Hybridpappeln zählen zu den Gehölzen, die sich vielerorts entlang unserer Bäche und Flüsse ausbreiten. Hinzu kommen invasive krautige Arten wie Japanischer und Sachalin-Knöterich, Indisches Springkraut oder die Kanadische Goldrute. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie breiten sich rasant aus, verdrängen heimische Vegetation und sind ökologisch wie wasserbaulich riskant.

Ihre Wurzelsysteme tragen oft nicht zur Uferfestigung bei, im Gegenteil: Bei Hochwasserereignissen können sie Erosion begünstigen oder durch Windbruch zusätzliche Gefahren erzeugen. Der Knöterich wiederum verschlechtert durch seinen dichten Aufwuchs das Abflussvermögen und verursacht durch seine schnelle Regeneration einen dauerhaft hohen Pflegeaufwand.

Strategien im Umgang mit invasiven Arten – differenziert und artenabhängig

Die Entfernung dieser Arten darf nicht nach dem Prinzip „alles muss weg“ erfolgen. Entscheidend ist ein auf die einzelnen Arten und deren Wuchsverhalten bezogenes Vorgehen.

  • Nicht-invasive Zierarten oder Nadelbäume werden in mehreren Etappen entnommen, um ein Strukturminimum zu erhalten und „Kahlschläge“ zu vermeiden.
  • Invasive Gehölze wie Robinie oder Götterbaum müssen dagegen vollständig und in größeren Einheiten entfernt werden, damit eine Wiederbesiedlung aus angrenzenden Restbeständen nicht sofort einsetzt. Hier empfiehlt sich ein mehrjähriges Vorgehen mit Ringelung (Mai–Juni) zur Schwächung der Arten, bevor gefällt und gerodet wird.
  • Eschen-Ahorn kann differenziert behandelt werden: männliche Bäume dürfen als Strukturgeber verbleiben, während weibliche – also fruchttragende – Exemplare entnommen werden müssen.

Besonderes Augenmerk gilt den Wurzelstubben: Bei invasiven Arten sind sie konsequent zu roden, bei nichtinvasiven genügt oft das regelmäßige Nachschneiden von Austrieben in den ersten Jahren.

Knöterich – das Paradebeispiel für Dauerpflege

Kaum eine Art sorgt für so viel Aufwand wie der invasive Knöterich. Seine Bekämpfung erfordert mindestens fünf Vegetationsperioden mit jährlicher Mahd oder Rodung. Dabei gilt: Herbizide sind am Gewässer tabu.

Bei der Mahd muss das Schnittgut vollständig und sorgfältig entfernt und optimalerweise thermisch entsorgt werden. Jedes kleine Stück kann, sobald es Kontakt zum Boden hat, wieder austreiben – auch wenn es im Wasser landet und an einen anderen Ort verdriftet wird. Am wirksamsten sind Mahdmaßnahmen im Spätherbst oder Winter, wenn die Pflanzen bereits abgestorben sind. Bei kleinflächigen Beständen kann ein Bodenaustausch bis in eine Tiefe von 1,5 Metern hilfreich sein, um die Pflanze mit dem unterirdischen Rhizomsystem zu beseitigen und ein Wiederaustreiben zu vermeiden.

Fehler, die man vermeiden sollte

Unsachgemäße Pflegemaßnahmen verschärfen häufig die Situation:

  • Fällungen ohne vorherige Ringelung bei Robinie oder Götterbaum fördern Wurzelbrut und Neuaustrieb.
  • Auslichtungen bei flachwurzelnden Arten, wie Fichten erhöhen das Windwurfrisiko der verbleibenden Bäume.
  • Unsachgemäß beräumtes und entsorgtes Knöterich-Mähgut führt unweigerlich zu neuen Beständen.

Problem oder Lebensraum – der Knöterich als Sonderfall

So eindeutig die negativen Folgen invasiver Arten auch sind – es gibt auch überraschend positive Aspekte. Studien aus Südwestsachsen (2017/18 an der Zwickauer Mulde, vgl. HERING, J. (2019)) haben gezeigt, dass Knöterichbestände von Vögeln wie Amsel, Neuntöter oder Sumpfrohrsänger als Brut- und Rückzugsraum genutzt werden.

Das bedeutet: Gerade in strukturarmen Gegenden, in denen Gewässerufer weitgehend gehölzfrei sind, kann Knöterich als Ersatzlebensraum Bedeutung erlangen. Daher ist bei Maßnahmen genau abzuwägen, wann und wo der Knöterich bekämpft werden sollte und wo eine angepasste Mahd zum Erhalt von Lebensraumstrukturen beitragen kann.

Fazit:

Der Umgang mit standortfremden Gehölzen und invasiven Arten ist eine der zentralen Herausforderungen in der Gewässerunterhaltung. Nicht die Menge an Grün ist entscheidend, sondern der Erhalt naturnaher, lebenswichtiger Strukturen, die Sicherung der Abflussleistung und die Stärkung ökologischer Funktionen.

Die Devise lautet: So viel Eingriff wie nötig, so wenig wie möglich – aber konsequent dort, wo invasive Arten die natürlichen Funktionen des Gewässers gefährden.

Quellen/Links:
HERING, J. (2019): Ein gehasster Neophyt in neuem Licht: Singvögel brüten erfolgreich in asiatischen Staudenknöterich. Der Falke – Journal für Vogelbeobachter, 66. Jg., Heft 12/2019, elektronisch veröffentlicht unter der URL: https://www.bartmeise.de/wp-content/uploads/2025/07/Hering-2019_Fallopia-Brutvoegel_Der-Falke.pdf

Am Gewässer standortfremde Gehölze (hier beispielsweise Fichten) finden auf den dauerfeuchten Standorten nur ungenügend Halt und sind entsprechend windwurfgefährdet.
Nach dem Sturz der Bäume zeigen sich deutlich die flachen Wurzelteller der Fichten. Die Bergung des Windbruchs kann u. U. erhebliche Kosten in der Gewässerunterhaltung verursachen.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts angelegte Hybrid-Pappelbestände neigen inzwischen zu Überalterung, Bildung großer Mengen Wurfholz und zu Sturmschäden.
Invasiver Knöterich im Sommer: die eigentlich krautige Art bildet dichte und hohe Gebüsche mit großen weißen Blüten.
Oberirdisch abgestorbener invasiver Knöterich im Winter: Bei Mahd und Beräumung besteht hier kaum die Gefahr, das bewurzelungsfähige Pflanzenteile verbreitet werden.
Ufererosion im Bereich eines großflächigen Knöterichvorkommens: Da Knöterichwurzeln nicht in der Lage sind die Ufer zu stabilisieren, kann es bei Hochwasser leicht zu Ufererosionen kommen.
Bei Erdarbeiten zurückgelassene Wurzelstücke wachsen an und bilden neue Pflanzen aus.
Drüsiges Springkraut ist eine inzwischen weit verbreitete Neophytenart. Sie kann gut durch Mahd vor der Blüte beherrscht werden.
Die Kanadische Goldrute trifft man hin und wieder in Massenvorkommen an Gewässern. Sie kann durch Mahd gut bekämpft werden. Auch eine Rodung mit Beseitigung der Wurzelballen ist erfolgversprechend.
Naturnahe Lösungen: Hochwasserschutz und Biodiversität gemeinsam denken

Naturnahe Lösungen: Hochwasserschutz und Biodiversität gemeinsam denken

16 Jahre Flutmulden am Schullwitzbach

23 Jahre nach der Jahrhundertflut in Sachsen – die Retentionsmulden zwischen Schullwitz und Eschdorf zeigen eindrucksvoll, wie sich Hochwasserschutz und Biodiversität kombinieren lassen.

Am 12. und 13. August 2002 führten extreme Regenmengen in Sachsen zu Sturzfluten an Elbe und Mulde.
Mindestens 21 Menschen verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt, Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen.
Der Schaden ging in die Milliarden. In der Folge wurden landesweit zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht.
Eine davon war unser Retentionsmuldenprojekt zum Schutz der Ortslage Eschdorf bei Dresden: Anstatt ein riesiges Rückhaltebecken zu bauen, haben wir eine ehemals komplett meliorierte Wiesenfläche in eine artenreiche Feuchtwiesenlandschaft mit einem naturnahen Bachlauf mit naturnahen Retentionsmulden kombiniert. 23 Jahre später ist dort eine artenreiche Wiesenaue entstanden. Bereits beim Extremhochwasser 2010 und 2013 wurde die Ortslage Eschdorf wirkungsvoll vor einer Überflutung geschützt.

Überblick über die Mulden und den zuführenden Bachlauf beim „Belastungstest“ im Jahr nach der Fertigstellung – die Mulden füllen sich nacheinander und geben den Abfluss gedrosselt an das Bachbett zurück.

Letzte Woche konnte ich meinem Team von Stowasserplan in einer internen Fortbildung zeigen, wie gut sich am Beispiel der Retentionsmulden zwischen Schullwitz und Eschdorf nachhaltiger Hochwasserschutz und Förderung der Biodiversität kombinieren lassen. Folgende Videos zeigen, wie sich die Rententionsmulden gut in die Aue des Schullwitzbachs einfügen:

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Mehr Informationen

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Projektdaten:

Offenlegung und Renaturierung des Schullwitzbachs auf ca. 500 m Länge sowie Anlage von zwei bachparallel angeordneten Flutmuldenreihen zwischen den Ortslagen Dresden Schullwitz und Eschdorf mittels umfangreicher Erdmodellierung, komplexer Steuerung des anströmenden und zurückgehaltenen Wassers und Ufer- und Böschungssicherung mittels ingenieurbiologischer Bauweisen.

Flächengröße des überformten Geländes: ca. 10 ha.

Auftraggeber: Landeshauptstadt Dresden

Planung: 2004 bis 2007

Bauumsetzung: 2008 bis 2009

Artenreiche Feuchtwiesenvegetation in den Retentionsmulden
Aus der Luft sind die Retentionsmulden gut zu erkennen. Baumgruppen markieren die äußeren Ränder der Hochwasserschutzanlage. Selbstregulierende Drosselorgane und Überläufe zwischen den Mulden verteilen das im Schullwitzbach ankommende Hochwasser so, dass es vor der Ortslage Eschdorf beim HQ 100 der Abfluss des Schullwitzbachs um bis zu 75% reduziert wird.
Aus der Luft sind die Retentionsmulden gut zu erkennen. Baumgruppen markieren die äußeren Ränder der Hochwasserschutzanlage. Selbstregulierende Drosselorgane und Überläufe zwischen den Mulden verteilen das im Schullwitzbach ankommende Hochwasser so, dass es vor der Ortslage Eschdorf beim HQ 100 der Abfluss des Schullwitzbachs um bis zu 75% reduziert wird.
Baumgruppen zur Abgrenzung des Retentionsmuldenareals – entwickelt aus Weidensetzstangen
Die Modellierung der Retentionsmulden passt sich harmonisch in die Aue des Schullwitzbachs ein – die Hochwasserschutzanlage ist als technische Bauwerk kaum zu erkennen.
Muss ein Gewässer wirklich aufgeräumt sein?

Muss ein Gewässer wirklich aufgeräumt sein?

Wer an ein „gepflegtes“ Gewässer denkt, hat meist ein Bild vor Augen: keine Ablagerungen, kein Totholz, keine Pflanzen. Das Wasser kann ungehindert abfließen und alles ist schön ordentlich. Doch die Anforderungen an die Gewässerunterhaltung sind viel komplexer. Denn was für den Betrachter ordentlich und aufgeräumt erscheint, ist für Natur und Gewässerökologie ein Mangel an notwendigen Strukturen. Hinzu kommt, dass ein frisch gepflegtes Gewässerprofil meist nach kurzer Zeit wieder stark zuwächst und sich damit der Abfluss wieder deutlich verschlechtern kann. Diese Form der Pflege ist dann nicht nur schlecht für die Ökologie, sondern auch unwirtschaftlich.

Zwischen Abflussfreihaltung und ökologischer Entwicklung

Die Herausforderung der Gewässerunterhaltung besteht vielmehr darin, die Gewässerberäumung mit so viel Augenmaß durchzuführen, dass der Spagat zwischen Abfluss und Ökologie gelingt. Gemäß der gesetzlichen Aufgabe hat die Gewässerunterhaltung dafür zu sorgen, Gewässer zu pflegen, zu entwickeln und den ungehinderten Abfluss sicherzustellen., Vor allem in Bereichen, in denen der Hochwasserschutz eine besondere Rolle spielt, muss ein sinnvoller Umgang mit Sediment, Totholz und Pflanzenaufwuchs gefunden werden, damit der Wasserabfluss nicht behindert wird. Dann steht eine Beräumung im Raum – als notwendige Maßnahme, aber eben auch als Eingriff in ein sensibles Ökosystem.

Die Kunst liegt darin, beides in Einklang zu bringen: die Funktionsfähigkeit des Gewässers für den Wasserabfluss durch entsprechende Unterhaltungsmaßnahmen zu erhalten und gleichzeitig die natürlichen Strukturen möglichst weitgehend zu schonen.

Ökologische Auswirkungen – mehr als nur ein bisschen „Dreck“

Der Gewässergrund ist kein lebloser Sandkasten. Zwischen den Steinen, im Kies und selbst in schlammigen Ablagerungen leben zahlreiche Arten – von Großmuscheln über Insektenlarven und Kleintieren bis hin zu den Fischen, wie zum Beispiel dem Bachneunauge. Eine Beräumung kann deren Lebensraum massiv beeinträchtigen oder sogar zerstören.

Doch eine gezielte abschnittsweise Räumung zum richtigen Zeitpunkt bietet auch Chancen: Wird nicht die gesamte Sohle ausgebaggert und lässt man Sedimente einfach liegen, können diese als Rückzugsräume dienen und frei gelegte Substrate sogar die Wiederbesiedlung fördern. Voraussetzung ist, dass die Maßnahme sorgfältig geplant und naturschutzfachlich begleitet wird.

Hochwasserschutz – ein wichtiges, aber nicht alleiniges Ziel

Der häufigste Grund für die Räumung eines Gewässers ist die Verbesserung bzw. Wiederherstellung der zum Schutz der angrenzenden Nutzungen erforderlichen Abflussverhältnisse. Weniger Sediment und Aufwuchs bedeutet mehr Durchfluss – und damit weniger Risiko für die Überschwemmung angrenzender Flächen. Aber auch hier gilt: nicht reflexartig überall zur Schaufel oder zum Bagger greifen. Die Dringlichkeit der Entnahme sollte anhand der tatsächlichen potenziellen Beeinträchtigung geprüft werden. So besteht für Wiesen, Äcker und Wald ein wesentlich geringerer Schutzstatus als für Bebauung und Infrastruktur in dicht bebauten Gebieten. Bei Letzteren hat die Freihaltung des Abflussprofils tatsächlich Vorrang vor ökologischen Aspekten. In der freien Landschaft bzw. außerhalb von Siedlungsbereichen muss das Augenmerk der Gewässerentwicklung auf einer naturnahen und ökologisch hochwertigen Gewässerstruktur liegen.

Und besonders nach Hochwasserereignissen ist es wichtig, sorgfältig mit den dabei entstandenen Strukturen am Gewässer umzugehen. So kann eine gezielte Beräumung weitere Schäden minimieren, genauso kann aber auch der Erhalt der eigendynamisch entstandenen Strukturen einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Entwicklung des Gewässers leisten und die Ziele der WRRL unterstützen.

Vorgehensweise –Taktik, Timing, Technik

Eine fachgerechte Sedimentberäumung beginnt lange vor dem ersten Baggerhub. Zunächst wird festgelegt, welche Bereiche tatsächlich geräumt werden müssen. Besonders sensibel sind Kolke, Böschungsfüße und Aufweitungen – hier sollte gar nicht oder nur sehr behutsam eingegriffen werden.

Anschließend wird ein geeigneter Zeitraum gesucht. Bei Arbeiten im Fluss- oder Bachbett ist es wichtig, die Schonzeiten einzuhalten, um Amphibien, Fische, Insekten oder Vögel insbesondere in der Fortpflanzungszeit nicht unnötig zu stören. Dieser Zeitraum kann sich von Gewässer zu Gewässer unterscheiden. Daher ist eine Abstimmung mit der zuständigen Naturschutz- oder Fischereibehörde immer empfehlenswert. Bau- oder Pflegearbeiten sollten möglichst außerhalb dieser sensiblen Phasen stattfinden. Ein in den meisten Fällen günstiges Zeitfenster ist der Spätsommer, jedoch sollte dann besonders darauf geachtet werden, dass die Maßnahmen nicht in Niedrigwasserphasen durchgeführt werden.

Die Durchführung erfolgt idealerweise stromaufwärts. So bleiben Sicht und Arbeitsqualität hoch, und verdriftete Tiere werden nicht mehrfach erfasst. Entnommenes Material wird auf dem Gewässerrandstreifen zwischengelagert, um Kleintieren die Rückkehr ins Wasser zu ermöglichen. Fische, Amphibien und Muscheln, die nicht selbstständig zurückfinden, müssen abgesammelt und zurückgesetzt werden – eine Elektrobefischung vorab kann helfen, Verluste zu vermeiden.

Abschnittsweises Arbeiten ist Pflicht: Was heute bearbeitet wurde, bleibt im nächsten Turnus unberührt. So verteilen sich die Eingriffe und ganze Gewässerabschnitte bleiben zwischenzeitlich ungestört.

Fehler vermeiden – die Grenze liegt am Sohlniveau

Ein häufiger Fehler ist das zu tiefe Abtragen von Sediment. Wird unter das ursprüngliche Sohlniveau gearbeitet, drohen fortschreitende Erosionen, instabile Ufer und ein ökologisch verarmtes Profil. Ebenso problematisch: komplette Grundräumungen, die den Lebensraum Gewässersohle nahezu vollständig vernichten.

Wer mit einer dauerhaft hohen Sedimentfracht zu kämpfen hat, sollte nicht nur räumen, sondern auch deren Ursachen ermitteln. So kann etwa durch Sedimentfänge das Material geborgen und wiederverwertet werden oder durch strukturelle Verbesserungen dafür Sorge getragen werden, dass die Sedimentdynamik positiv beeinflusst wird, also entweder weniger Substrat mobilisiert oder der eigendynamische Abtransport durch das Gewässer gefördert wird.

Klimaschutz und Resilienz der Gewässer – Eingriffe auf das Nötigste begrenzen

Niedrigwasserzeiten sind denkbar ungünstig für Beräumungen von Sedimenten, Totholz oder Aufwuchs in der Gewässersohle. Die Arten ziehen sich in Trockenperioden in tiefere, dauerfeuchte Bereiche zurück, um Trocken- und Hitzestress zu vermeiden. Dafür sind Tiefenzonen und natürliche Strukturen und Substrate in der Gewässersohle dringend erforderlich. Eingriffe sollten daher nur erfolgen, wenn die Abflussleistung akut gefährdet ist und sich das Material nicht mehr selbstständig verlagert.

Zusammenarbeit mit Anliegern – ein unterschätzter Erfolgsfaktor

Viele Beräumungen scheitern nicht an der Technik, sondern an der Praxis: fehlender Zugang, nicht befahrbare Flächen, oder Missverständnisse mit Landnutzern. Frühzeitige Abstimmungen mit Eigentümern und Bewirtschaftern sind deshalb unerlässlich – sei es wegen der Befahrbarkeit von Feldern oder der Nutzung privater Wege.

Fazit: Sohlberäumungen sind kein Automatismus, also keine Routine-Gewässerunterhaltung, sondern ein sensibles Werkzeug in der Pflege und Entwicklung der Gewässer. Wer es gezielt, abschnittsweise und mit Blick auf die ökologischen Zusammenhänge einsetzt, kann Abflussfreihaltung und Naturschutz in Einklang bringen. „Aufgeräumt“ heißt eben nicht immer besser – aber durchdacht heißt fast immer nachhaltiger.

Mit Sediment und Holz verstopfter Durchlass einer Brücke. Dieses Abflusshindernis muss im Rahmen der Gewässerunterhaltung beseitigt werden.
Sohlberäumungen können mittels Baggereinsatz erfolgen. Es ist darauf zu achten, dass das Sediment nicht stärker als bis zur ursprünglichen Sohle abgetragen wird.
Aus dem Gewässer entnommene Substrate können zum Abtrocknen auf dem Gewässerrandstreifen zwischengelagert werden, sind danach aber abzutransportieren.
Biberdamm in der freien Landschaft. Dieses „Abflusshindernis“ sollte nicht beseitigt werden.
Verklausungen aus Totholz und Geschiebe in der freien Landschaft. Dieses Abflusshindernis sollte nicht beseitigt werden.
Standortfremder Bewuchs sowie krautiger Aufwuchs auf Sedimentablagerungen schränkt den Abflussquerschnitt ein.
Nach Abschluss der Arbeiten ist das ursprüngliche Bachbett wieder hergestellt. Die standortfremden Gehölze sind entfernt. Hochwasser kann problemlos abfließen.
Fließgewässer fit für den Klimawandel machen

Fließgewässer fit für den Klimawandel machen

Praxisimpulse zur klimaangepassten Gewässerentwicklung und -unterhaltung

Langanhaltende Trockenphasen, steigende Temperaturen und ein geschwächter Landschaftswasserhaushalt stellen Fließgewässer zunehmend vor große Herausforderungen. Der ökologische Zustand vieler Gewässer leidet spürbar unter den Klimaveränderungen – mit Auswirkungen auf Artenvielfalt, Nutzungsmöglichkeiten am und im Gewässer sowie die Lebensqualität der Menschen.

Im Rahmen eines landesweiten Projekts im Freistaat Thüringen hat das Planungsbüro Stowasserplan praxisorientierte Grundlagen und Handlungsanleitungen entwickelt, um die Resilienz von Fließgewässern gegenüber den Folgen des Klimawandels gezielt zu stärken. Aufbauend auf bestehenden Planungen und Handlungsanleitungen des Freistaats entstand ein Maßnahmenkatalog mit konkreten Hinweisen für eine klimaangepasste Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dieser ergänzt die Bemühungen in Thüringen zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie.

Im Zentrum des Projekts standen drei Bausteine:

  • ein Katalog mit speziellen Klimaanpassungsmaßnahmen am Gewässer,
  • eine auf Thüringen zugeschnittene Methodik zur Maßnahmenzuordnung,
  • sowie Anforderungen an eine angepasste Gewässerunterhaltung in Niedrigwasserphasen.

Besonderer Fokus lag auf der Förderung naturnaher Strukturen, wie beschatteter Uferbereiche, vernetzter Rückzugsräume für Fische und Wirbellose sowie der Stabilisierung des Wasserhaushalts durch gezielten Wasserrückhalt. Denn wissenschaftliche Studien belegen: Je naturnäher ein Gewässer ist, desto besser kann es Klimastress ausgleichen.

Ein weiterer Meilenstein war die Integration des Thüringer Niedrigwasser-Warnstufenmanagements. Dieses ermöglicht es, Unterhaltungsmaßnahmen je nach Wasserstand flexibel und gewässerschonend umzusetzen.

Für die Anwendung in der Praxis wurde sichergestellt, dass die Ergebnisse digital nutzbar sind – u. a. über die Softwarelösung PROGEMIS®, die eine Planung, Umsetzung und Dokumentation der Maßnahmen erleichtert.

Das Projekt macht deutlich: Klimaanpassung an Fließgewässern ist machbar – und es lohnt sich. Für die Umwelt. Für die Menschen. Und für eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung.

In einem naturnahen Gewässer mit Ufergehölzbestand ist ausreichend Beschattung und sind genügend geeignete Rückzugsstrukturen vorhanden, in denen die Arten Hitze- und Trockenperioden überdauern können.
Strukturarme und gehölzfreie Gewässer sind demgegenüber überlebensfeindlich. Das Risiko einer kompletten Austrocknung ist sehr hoch.
In gehölzfreien und permanent Wasser führenden Gewässern sollten die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen nicht durch zu intensive Pflege noch verschärft werden. Durch Etablierung von Ufergehölzen könnten der Hitzestress im Gewässer und sogar der Unterhaltungsaufwand reduziert werden.
Sind Gehölzbestände am Gewässer nicht möglich, ist mit dem krautigen Aufwuchs sorgsam umzugehen. Bei Maßnahmen zur Abflussfreihaltung ist möglichst stromlinienförmig zu pflegen und sind die Bereiche entlang der Ufer als Rückzugsräume zu erhalten.

Der Biber – effizientes Naturtalent oder Störenfried?

Der Biber – effizientes Naturtalent oder Störenfried?

Wo Biber siedeln, bleibt das Gewässer nicht, wie es war. Diese Tiere verändern ihren Lebensraum mit bemerkenswerter Konsequenz – und lösen damit regelmäßig Zielkonflikte aus: zwischen Artenschutz, Hochwasserschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie der Gewässerunterhaltung. Für alle, die an und mit Gewässern arbeiten, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Lebensweise des Bibers und den richtigen Umgang mit dessen Bauwerken.

Ein Baumeister mit System

Biber leben und wirken in der Regel in einem Streifen von etwa 20 Metern beidseits des Gewässers. Hier graben sie Röhren, errichten Burgen, stauen das Wasser mit Dämmen auf, lagern Totholz ein und verbrauchen eine beachtliche Menge an Vegetation – v.?a. Ufergehölze. Selbst Röhrichte und Unterwasservegetation gehören zu ihrem Speise- und Bauplan. Besonders in Gebieten mit dichter Biberpopulation kann das zu einem deutlichen Rückgang einzelner Pflanzenarten führen.

Ein besonderes Augenmerk gilt den sogenannten Biberbauwerken. Sie werden in drei Kategorien eingeteilt: Burgen und Röhren sind Bauwerke der höchsten Schutzstufe. Dämme, die das Stauniveau am Wohngewässer sichern – sogenannte „Wohndämme“ – sind ebenfalls besonders geschützt. Nur sogenannte „Nahrungsdämme“, also Dämme zur Erschließung von Futterplätzen, dürfen unter bestimmten Bedingungen reguliert oder entfernt werden.

Vom Eingriff zur Eigendynamik

So herausfordernd die Aktivität des Bibers für die Gewässerunterhaltung sein kann – sie bietet auch große Chancen. Biberdämme, Totholzansammlungen und Burgen wirken wie Katalysatoren für eigendynamische Prozesse: Sie verändern Querprofile, beeinflussen Sedimenttransport, fördern Ufererosion und lagern Material um. Auf diese Weise entstehen naturnahe Ufer- und Sohlstrukturen – Lebensräume für eine Vielzahl spezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Studien zeigen, dass die Artenvielfalt in Biberrevieren deutlich höher ist bzw. zunimmt.

Gleichzeitig bringt der Biber Risiken mit sich. Burgen und Dämme destabilisieren Böschungen, untergraben Hochwasserschutzanlagen, verändern das Strömungsverhalten und führen zu Vernässungen im Vorland. Bei Hochwasser können sie die Abflussleistung beeinträchtigen oder Erosionsprozesse auslösen. Gerade in solchen Fällen besteht oft Handlungsbedarf.

Was ist erlaubt – und was nicht?

Der Biber steht unter strengstem Schutz: Nach FFH-Richtlinie und Bundesnaturschutzgesetz sind nicht nur die Tiere selbst geschützt, sondern auch ihre Bauten, Aufenthaltsorte und selbst tote Exemplare. Jeglicher Eingriff – etwa das Entfernen eines Wohndammes oder das Verändern einer Biberburg – bedarf einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Selbst scheinbar kleine Maßnahmen wie das Anbringen von Schutzgittern an Durchlässen oder das Ablassen eines Teiches sollten vorher abgestimmt werden, wenn Biber in der Nähe sind.

Werden durch Biberbauten wasserwirtschaftlich notwendige Abflussprofile verändert oder angrenzende Nutzungen beeinträchtigt, ist ein abgestimmtes Vorgehen gefragt. Es muss jeweils sogar geprüft werden, ob die Veränderungen nicht im Interesse des Artenschutzes toleriert werden müssen.

Prävention und Management vor Ort

In der Praxis hat sich ein Mix aus technischen Schutzmaßnahmen, Flächenmanagement und Aufklärung bewährt:

  • Technische Schutzmaßnahmen: Drahtgitter mit max. 5 cm Maschenweite an Durchlässen oder Einläufen verhindern das Zubauen durch Biber. Auch Einzelbaumschutz – etwa durch engmaschiges Drahtgeflecht oder spezielle Stammschutzanstriche – kann Fraßschäden reduzieren. Zur Wiederherstellung des Abflusses an Biberdämmen bieten sich Dammdrainagen („Bibertäuscher“) mit Kanalgrundrohren an. Sie können die notwendige Wassertiefe von 80 cm für den Biber erhalten und verhindern gleichzeitig einen weiteren Wasserspiegelanstieg und zunehmende Vernässungen der angrenzenden Flächen.
  • Vergrämung und lenkende Maßnahmen: Wildschutzzäune entlang von Gewässern, die ausreichend hoch und standfest sind, können das Vordringen des Bibers in sensible Bereiche einschränken. Alternativ hilft eine gezielte Pflanzung von Nahrungsgehölzen zur Ablenkfütterung.
  • Flächenmanagement: Besonders wirksam ist es, Vorrangflächen für die Biberaktivität auszuweisen – möglichst in öffentlichem Eigentum oder vertraglich gesichert. Auch Gewässerentwicklungskorridore mit breiten Gewässerrandstreifen und extensiver Bewirtschaftung erleichtern den Umgang mit der Art.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Konflikte rund um den Biber lassen sich nicht allein durch technische Maßnahmen lösen. Notwendig ist auch Information, Aufklärung und eine ehrliche Kommunikation über Ziele, Maßnahmen und mögliche Entschädigungen.

Fazit: Natürlicher Verbündeter bei der Gewässerentwicklung – wenn der Rahmen stimmt

Der Biber ist weder Schädling noch Heiliger – sondern eine faszinierende, aber anspruchsvolle Tierart. Seine Aktivitäten initiieren eigendynamische Prozesse, die an vielen Stellen der Gewässer genau das bewirken, was aufwendig geplante Renaturierungsmaßnahmen zum Ziel hätten: Strukturelle Aufwertung, mehr Dynamik, vielfältigere Lebensräume. Wird der Biber als natürlicher Mitgestalter akzeptiert und in ein vorausschauendes Flächenmanagement eingebunden, kann das erhebliche Kosteneinsparpotenziale bei der ökologischen Gewässerentwicklung eröffnen.

Gleichzeitig braucht diese Koexistenz klare Rahmenbedingungen: Nur mit gezielter Flächenauswahl, abgestimmten technischen Maßnahmen und einem kooperativen Bibermanagement lassen sich Nutzungskonflikte begrenzen und negative Auswirkungen vermeiden. Dort, wo der Biber toleriert werden kann, ist er ein echter Gewinn – ökologisch und wirtschaftlich. ihm gezielt Raum zu geben – durch kluge Flächenauswahl, technische Schutzmaßnahmen und abgestimmte Eingriffe. So können wir dem Biber seine Lebensräume lassen – ohne unsere eigenen Aufgaben am Gewässer aus den Augen zu verlieren.

Vom Biber gefällte Gehölze sollten einfach liegen gelassen werden.
Biberausstiegsgänge können Ausgangspunkt für Ufererosionen sein.
Gewässeraufstau an einem Biberdamm: Werden solche Dämme entnommen, errichtet sie der Biber unverzüglich neu.
Je extensiver die angrenzenden Nutzungen, hier Wald- und Wiesenflächen – desto geringer ist das Konfliktpotenzial mit dem Biber.
Ufererosion an einem fast 2 m hohen Biberdamm
Einzelbaumschutz mit Maschendraht: Stabile Eichenspaltpfähle und Draht bis 1,20 m Höhe sichern junge Schwarz-Pappeln vor dem Biber.
Bibertäuscher mit seitlicher Anordnung des Rohres zur Überleitung des Wassers. Dies vermeidet Eingriffe und Störungen am Biberdamm.
Steinschüttungen und Erdgitter können eine weitere Möglichkeit sein, Gewässerufer vor den Grabeaktivitäten des Bibers zu schützen.