von Katrin Dachsel | Freitag, 17 Februar, 2017 | Aktuelles, Freiraumgestaltung und Regenwassermanagement, Ingenieurbiologie, Ingenieurbiologie - Planung, Ingenieurbiologie - Vegetationsentwicklung, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie, Veranstaltungen
Am 16. und 17. März 2017 finden zum 11. Mal die Dresdner StadtBaumtage statt. Unter Federführung des Instituts für Forstbotanik und Forstzoologie der Technischen Universität Dresden sowie des Dresdner Amts für Stadtgrün und Abfallwirtschaft werden alljährlich aktuelle Fragen zur urbanen Gehölzpflege und -verwendung vorgestellt und diskutiert. Thematischer Schwerpunkt ist immer wieder die Frage, wie man in dem komplexen Gefüge von klimatischen und standörtlichen Bedingungen sowie räumlichen und Nutzungsanforderungen in der Stadt und insbesondere im Straßenraum Gehölze als wesentlichen Bestandteil des Stadtgrüns erfolgreich etablieren, pflegen und erhalten kann.
Für die Lebensqualität in urbanen Räumen ist Stadtgrün von elementarer Bedeutung. Zu seinen Funktionen gehören wirtschaftliche Leistungen wie Ausgestaltung von Baukultur, Erzeugung von Qualität und Ästhetik im Wohn- und Arbeitsumfeld, ökologische Leistungen wie Artenschutz und Erhalt der Biodiversität, Naturerfahrung und Klimavorsorge oder auch soziale Leistungen als Orte der Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe sowie zur Gesundheitsvorsorge.
Zur diesjährigen Tagung wird sich ein Beitrag von Stowasserplan damit beschäftigen, wie man diesen Anforderungen mit den Möglichkeiten der Ingenieurbiologie gerecht werden kann. Es wird anhand bereits umgesetzter Planungen beispielhaft dargelegt, wie man mit lebenden Pflanzen und Pflanzenteilen Stadtgrün etablieren kann, welche Möglichkeiten es gibt und wo Grenzen liegen. Die technischen Funktionen, die ökologischen und ökonomischen Wirkungen sowie die ästhetischen Möglichkeiten der ingenieurbiologischen Bauweisen haben bisher vielfach gezeigt, dass sie in der Lage sind, maßgefertigte Lösungen für Begrünungs- und Bauaufgaben im Sinne eines nachhaltigen Bauens zu liefern. Mittels Ingenieurbiologie könnten somit auch notwendige Kompromisse zwischen Restriktionen, unterschiedlichsten Nutzungserfordernissen und Naturnähe im städtischen Raum vereinbart sowie ausgestaltet werden, um Grün in der Stadt bestmögliche Entwicklungsoptionen zu verschaffen.
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- Große Mittweida im Jahr 2007 vor Umsetzung der Revitalisierung mittels ingenieurbiologischer Bauweisen
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- Große Mittweida im Jahr 2015 mit etablierter Ufervegetation aus ingenieurbiologischen Bauweisen
Das gesamte Tagungssprogramm der Dresdner StadtBaumtage finden Sie hier.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Dienstag, 31 Januar, 2017 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz, Hochwasser, Hochwasserschutz, Projektschwerpunkte, Veranstaltungen
Die Unterhaltung von Gewässern stellt eine kommunale Pflichtaufgabe für die Gemeinden im Freistaat Sachsen dar. So ist auch die Gemeinde Kriebstein für die Pflege und Entwicklung des Mortelbachs zuständig. Aufgrund gesetzlicher Anforderungen müssen neben den Anforderungen des Hochwasserschutzes auch ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Hochwasservorsorge lässt sich jedoch oftmals sehr gut mit der naturnahen Entwicklung und Gestaltung von Fließgewässern kombinieren. Wo dem Bach ausreichend Raum zur Verfügung steht, kann Hochwasser keinen Schaden anrichten. Gleichzeitig finden heimische Tier- und Pflanzenarten Lebensräume vor und das Landschaftsbild wird bereichert. Ein Gesamtkonzept gewährleistet zudem durch zielgerichtete Unterhaltungsmaßnahmen den effizienten Einsatz vorhandener Finanzmittel.
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Sachsen (LfULG) beauftragte uns (Planungsbüro Stowasserplan) im Herbst 2016 mit einer Planung für den Mortelbach im Gebiet von Grünlichtenberg. In diesem Entwicklungskonzept sollen Maßnahmen zur Gewässerentwicklung und –unterhaltung erarbeitet werden, die Hochwasserschutz und Ökologie miteinander verbinden. Dieses Vorgehen soll beispielhaft für weitere Gemeinden in Sachsen sein.

Die Interessen von Anliegern und Gewässerbenutzern sind bei der Konzepterstellung von zentraler Bedeutung. Im Rahmen einer Sitzung des Ortschaftsrates Grünlichtenberg werden daher die Ziele und der aktuelle Stand der Planungen näher erläutert. Fragen können hier gestellt, Anregungen eingebracht und das Projekt mit den Planern und Behördenvertretern diskutiert werden. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen am 08.03.2017 um 19:00 Uhr an der Projektpräsentation (Mittlere Dorfstr. 7 in 09648 Kriebstein) teilzunehmen.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Donnerstag, 11 August, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz
Bedeutung einer strukturreichen Gewässersohle für die Strahlwirkung an Fließgewässern wissenschaftlich nachgewiesen
Im Zuge der Umsetzung der EG-WRRL werden bis spätestens 2027 die Herstellung und der Erhalt eines guten ökologischen Zustandes aller Oberflächengewässer gefordert. Um dieses Ziel möglichst zeitnah und kosteneffizient zu erreichen, ist das Konzept der Strahlwirkung von großer Bedeutung. Hierbei werden ausgehend von einem Strahlursprung, d.h. einem Gewässerabschnitt mit einem guten ökologischen Zustand, Gewässerstrecken mit einem schlechteren Zustand überwunden bis sich wiederum ein Gewässerabschnitt mit einem guten Zustand (Strahlursprung) anschließt und somit das Gewässer auf der gesamten Länge ökologisch aufgewertet und durchgängig gestaltet wird.
Im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Freiburg im Breisgau untersuchte Sabine Aßmann anhand repräsentativer Gewässerabschnitte, wie gut das Prinzip der Strahlwirkung funktioniert und welche Distanzen Organismen des Makrozoobenthos überwinden können.
Auf die Sohle kommt es an!
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass bei allen drei untersuchten, grobmaterialreichen silikatischen Mittelgebirgsbächen eine Strahlwirkung stattfand. Ebenso zeigte sich, dass sich der ökologische Zustand des Gewässers mit zunehmender Distanz zum Strahlursprung kontinuierlich verschlechterte. Dabei reichte die Wirkung in ausgebauten Fließstrecken von 800 m bis zu 1800 m, wobei die Zusammensetzung und das Vorkommen des untersuchten Makrozoobenthos im Verlauf der Abschnitte variierte und mit zunehmender Distanz zum Strahlursprung abnahm. Als Ursache für eine entsprechende Reichweite der Strahlwirkung wurde vornehmlich die Sohlstruktur mit einem entsprechenden gewässertypischen Sohlsubstrat identifiziert.
Letztlich konnte anhand der Arbeit festgestellt werden, dass sich mit Hilfe der Strahlwirkung der ökologische Zustand des Fließgewässers nachweislich verbessern lässt. Eine besondere Beachtung sollte dabei der Ausbildung eines gewässertypischen Sohlsubstrates im Strahlweg, besonders bei ausgebauten Gewässersohlen, zukommen. Hier kann speziell die Gewässerunterhaltung entsprechend angepasst werden.
Systematische Gewässerunterhaltung – Schlüssel zum Erfolg
Gewässerunterhaltungspflichtige sollten hier immer genau prüfen, ob aus hydraulischer Sicht tatsächlich Beräumungsmaßnahmen notwendig sind und wenn ja in welchem Umfang. So sind zumindest teilweise Substratinseln, Totholzstrukturen und Makrophytenpolster für die Besiedlung von spezialisierten Arten im Gewässer zu belassen. Gegebenenfalls muss abschnittsweise gearbeitet werden. Im besten Fall lassen sich Kostenreduzierungen in der Gewässerunterhaltung und ökologische Aufwertung miteinander kombinieren!
Für eine weitere Aufwertung des Gewässers verweist Aßmann aufgrund ihrer Untersuchungen auf den aktiven Einbau von Trittsteinen in Form von Totholz- oder Substratstrukturen als geeignete Möglichkeit für eine Verlängerung der Strahlwirkung und somit ökologische Aufwertung des Gewässers.
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- Die Aufweitung des Gewässerbetts, ingenieurbiologische Ufersicherung in Kombination mit eingebauten Totholzlementen und Belebungssteinen führten zu ausgeprägter Strukturvielvalt.
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- Aufgrund der abwechslungsreichen Uferlinie und der eingebauten Sohlstrukturen sind trotz der begrenzten Flächenverfügbarkeit gewässertypische Sohlenstrukturen wie Kiesinseln, Kolke und Flachwasserzonen entstanden.
Die Dissertation steht über die Seite der Universitätsbibliothek Freiburg im „FreiDok plus“ zum Download bereit: AßMANN: „Der Einfluss naturnaher und renaturierter Gewässerstrecken auf die Makrozoobenthos-Fauna strukturell defizitärer Fließgewässerabschnitte“, 2015, Freiburg im Breisgau.
von Dr.-Ing. Andreas Stowasser | Dienstag, 21 Juni, 2016 | Aktuelles, Ingenieurbiologie - Erfolgskontrolle, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie
Folgenden Beitrag zur Entwicklung der Bauweisen an einem Prallhang der Freiberger Mulde bei Nossen haben wir kürzlich von unserem Auftraggeber erhalten:
[…] ich war kürzlich wieder mal in Nossen am Prallhang. Bei dieser Gelegenheit habe ich die beigefügten Bilder gemacht. Ich war schon erstaunt, wie dort alles wächst und gedeiht.
von Josefin Mewes | Donnerstag, 21 April, 2016 | Aktuelles, Bauüberwachung und Umweltbaubegleitung, Hochwasser, Hochwasserschutz, Ingenieurbiologie, Ingenieurbiologie - Bauausführung, Naturnaher Wasserbau und Ingenieurbiologie
Beim Hochwasser 2013 kam es an der Freiberger Mulde bei Nossen zu Schäden an einem Prallhang. Aufgrund des Hochwassers strömten die ankommenden Wassermassen direkt gegen den Damm einer Wasserkraftanlage. Der eigentliche Gleithang (bei Abfluss im Gerinne) wurde dadurch zu einem Prallhang. Die Dammböschung der Wasserkraftanlage zur Freiberger Mulde wurde auf einer Länge von ca. 70 Metern zerstört und musste neu gesichert werden. Zur Einbindung der neuen Ufersicherung in die Umgebung forderte die zuständige Untere Wasserbehörde eine naturnahe Ufersicherung.
Aufgrund der beengten Platzverhältnisse wurde die neue Böschung im Zuge der Hochwasserschadensbeseitigung mit einer Kombination aus begrüntem Steinsatz und begrünter Steinschüttung mit Wasserbausteinen LMB 60/300 bzw. 40/200 nach TLW 2003 gesichert. Im Auftrag des Betreibers der Wasserkraftanlage erfolgte die Planung und Bauüberwachung durch Stowasserplan.
Im Folgenden zeigen einige Bilder das Baugeschehen im vergangenen Herbst an der Freiberger Mulde …
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- Die Fußsteinreihe wurde aus Wasserbausteinen LMB 60/300, in Beton gesetzt und gründet damit die Ufersicherung im anstehenden Fels (Blick in Fließrichtung, Oktober 2015).
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- Eine Buschlage (austriebsfähige Weidenäste) über der Fußsteinreihe bildet die erste Lage des begrünten Steinsatzes.
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- Die zweite Lage wurde als Kombination von Hecken- und Buschlagen ausgeführt. Lange Weidenäste (Länge bis zu 4,0 m, ca. 1 Ast pro lfm) sorgen dabei langfristig für einen Wurzelschluss tief in der Böschung. Neben den Weidenästen wurden Erlenjungpflanzen in die zweite Lage eingebaut.
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- Die Jungpflanzen und Weidenäste wurden mit Feinmaterial übererdet. An der vorprofilierten Böschung wurde ein Filter eingebaut. Der weitere Böschungsaufbau erfolgte als Steinschüttung.
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- Die weiteren Lagen sind als Heckenlagen (Gehölzjungpflanzen – Mischungen aus standortheimischen Gehölzen – Forstware von Erle, Esche, Ahorn, Linde) ausgeführt. Aus den Heckenlagen wird sich mittelfristig ein Gehölzaufwuchs an der Böschung etablieren, der für eine Verklammerung zwischen Wasserbausteinen, Filter und anstehenden Boden sorgt und damit die Standsicherheit der Böschung erhöht.
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- Die weiteren Lagen sind als Heckenlagen (Gehölzjungpflanzen – Mischungen aus standortheimischen Gehölzen – Forstware von Erle, Esche, Ahorn, Linde) ausgeführt. Aus den Heckenlagen wird sich mittelfristig ein Gehölzaufwuchs an der Böschung etablieren, der für eine Verklammerung zwischen Wasserbausteinen, Filter und anstehenden Boden sorgt und damit die Standsicherheit der Böschung erhöht.
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- Im November 2015 wurden die Arbeiten zur Hangsicherung fertiggestellt (Blick in Fließrichtung).
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- Rund fünf Monate nach der Fertigstellung, kann ein erfolgreiches Anwachsen der Weiden und Gehölzjungpflanzen beobachtet werden (Stand April 2016).
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- Detail Austrieb Heckenbuschlage (April 2016)
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- Detail Austrieb Buschlage (April 2016)
von Katrin Dachsel | Freitag, 11 März, 2016 | Aktuelles, Gewässerentwicklung, Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz
… so berichtete die Sächsische Zeitung im Januar diesen Jahres. Diese drastische Bezeichnung bringt den Handlungsbedarf am Mortelbach in der Stadt Waldheim auf den Punkt.
Aus fachlicher Sicht lässt sich der Mortelbach als naturfern ausgebautes Gewässer mit beidseitigen Ufermauern, befestigter Sohle sowie regulierter Mittelwasserrinne beschreiben. An den Bach grenzt dichte städtische Bebauung und Infrastruktur. Damit ist nicht nur der ökologische Zustand sehr schlecht. Nach den Hochwasserereignissen 2002 und 2013 sind die Sohle aber auch die Ufermauern in sanierungsbedürftigem Zustand. Teile des Betonverbaus lösen sich und bei weiteren Hochwasserereignissen drohen erhebliche Folgeschäden.